Reiner Graf: Beim Kindergartenbau werden Freiwillige zu wenig berücksichtigt

Ärger über Eigenleistung

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In der Wanfrieder Kita entstehen für 337 000 Euro zehn Krippenplätze, auf die Eltern ab August einen Anspruch haben.

Wanfried. Reiner Graf ist enttäuscht. Er war tatendurstig und wollte beim Neubau der Krippenplätze in der evangelischen Kindertagesstätte am Plessefelsen als Freiwilliger mitanfassen, um der Stadt Kosten zu sparen.

Die Stadt hatte zu einem Treffen eingeladen, bei dem die Eigenleistungen besprochen werden sollten. Für Graf tat sich in diesem Augenblick eine Überraschung auf: „Alle Gewerke bis auf die Außenanlagen waren bereits vergeben“, sagt er. Dieses Vorgehen und die hohen Kosten von 337 000 Euro für den 120-Quadratmeter-Bau ärgern den Wanfrieder.

„Es sind nicht alle Gewerke bereits vergeben“, widerspricht der Architekt Andreas Rehbein aus Großalmerode, der für den Anbau die Bauleitung innehat, den Vorwürfen von Reiner Graf. Neben den Außenanlagen sei die Mithilfe bei den Dachdecker- und Elektroarbeiten gefragt, sagt Rehbein. Wer Interesse habe, könne sich bei ihm melden (0 56 04/5292). „Ich werde dann die Freiwilligenleistungen mit den Firmen koordinieren.“

Bei allem Tatendrang der vielen Freiwilligen in Wanfried müsse man allerdings bedenken, dass man hier über eine öffentliche Vergabe spreche. „Hier werden öffentliche Mittel vergeben, die ausgeschrieben werden müssen“, sagt Rehbein. Außerdem sei die Arbeit mit Freiwilligen auch eine Frage der Haftung. „Wenn hier etwas schiefgeht, muss die Stadt den Schaden bezahlen“, sagt Rehbein. Der könnte größer sein als die Einsparungen durch die Eigenleistungen.

Bauherr der Krippenplätze ist indes die Kirche. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 337.000 Euro. 37.000 Euro bezahlt die Kirche, jeweils 150.000 Euro die Stadt Wanfried sowie Bund und Land. Im September streckte die Stadt auch den Anteil für Bund und Land vor, weil sie nicht auszahlen konnten. „Weil die Zeit drängt“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der eigentlich auf einen Spatenstich noch im vergangenen Jahr hoffte. Ab dem 1. August besteht für die Eltern von Kindern unter zwei Jahren ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Stellt die Stadt ihn nicht zur Verfügung, können die Eltern klagen. „Auch mit Blick auf die Zeit ist es ein Risiko, zu sehr auf Freiwilligenleistungen zu setzen“, sagt Gebhard.

Reiner Graf bemängelt weiter, dass sich die Stadt die Bau- und Folgekosten des Anbaus trotz erdrückender Schulden zusätzlich aufdrücken lässt. Er ist sich sicher, dass diese Kosten nur durch die Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuern sowie Einführung neuer Abgaben refinanziert werden können. „Am Ende sind wir es, die hier noch die Stellung halten, die die Rechnung bezahlen müssen.“

Von Tobias Stück 

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