Ärztemangel in Wanfried wird akut: ein Abgang und vier Mediziner im Rentenalter

Ein Bild, das bald zur Vergangenheit gehört: Ab dem neuen Jahr wird in Wanfried keine Ärztin mehr praktizieren. Foto: Benjamin Ulmer/dpa

Wanfried, Für die Stadt Wanfried könnte sich die Ärztesituation in kürzester Zeit verschärfen. Von einer momentan sehr guten hausärztlichen Versorgung mit sechs niedergelassenen Allgemeinmedizinern wird bald aller Voraussicht nach nur noch einer übrig bleiben. Prekär macht die Situation der Weggang von Dr. Ursula Trebing, die die Stadt Wanfried Ende des Jahres in Richtung Großburschla verlässt.

Trebing hat über Jahre in Wanfried nach einer passenden Praxis oder einem Grundstück gesucht, um die Souterrainräume, in denen sie aktuell praktiziert, verlassen zu können. In Wanfried hatten sich mehrere Möglichkeiten zerschlagen, in Großburschla ein zufälliger Umstand eine Chance aufgetan. Die bisherige Allgemeinmedizinerin Katrin Regenspurger gibt ihre Praxis auf und suchte einen Nachfolger. „Moderne Praxisräume, wie ich sie gesucht habe – ein echter Glücksfall“, kommentierte Ursula Trebing die Umstände.

Die Stadt Wanfried steht jetzt vor einer neuen Situation. Von den anderen fünf Hausärzten haben vier bereits das Rentenalter erreicht. Viele sind bereits über 70 Jahre alt und praktizieren nur noch den Patienten zuliebe. Wann sie ihre Praxen aufgeben, ist eine Frage der Zeit. Lediglich Dr. Tim Pippart (40) wird noch längere Zeit in Wanfried wirken.

Um auf die drohende Notsituation vorbereitet zu sein, wird die CDU-Fraktion am Freitag einen Antrag während der Stadtverordnetenversammlung stellen. Die CDU bittet den Magistrat, über die aktuelle Situation, die Veränderungen und mögliche Perspektiven der ärztlichen Versorgung in Wanfried zu berichten und gleichzeitig zu prüfen, „ob es Landes- oder Bundeszuschüsse gibt, um die eventuelle Gründung einer neuen ärztlichen Praxis in Wanfried zu unterstützen und zu fördern“. Dabei soll auch überprüft werden, inwieweit auf politischer Ebene dazu beigetragen werden kann, die ärztliche Versorgung zukünftig sicherzustellen.

Bürgermeister Wilhelm Gebhard schließt auf Anfrage begleitende Maßnahmen der Kommune nicht aus. Finanzielle Anreize zu schaffen sei eine Möglichkeit, die die Stadt habe. Genauso wichtig sei es aber, mit den verbliebenen Ärzten ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. „Die Ärzteversorgung gehört zur Daseinsvorsorge dazu“, sagt Gebhard. Zurzeit gibt es neben den sechs Hausärzten noch zwei Zahnärzte, mehrere Physiotherapien und eine Apotheke in Wanfried. „Der Weggang von Frau Dr. Trebing ist bedauerlich, sie ist aber auch nicht aus der Welt“, sagt Gebhard. Auf Anfrage unserer Zeitung wird Trebing ihre bisherigen Patienten auch in Großburschla versorgen. Der Patientenstamm werde sich insgesamt um 50 Prozent vergrößern. • Die Stadtverordnetenversammlung tagt am Freitag, 14. Dezember, um 19 Uhr im Schwan in Wanfried.

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