Baustelle in Niederdünzebach und Aue

„Alte Schule“ und „Feldladen“ haben durch Sperrungen große Nachteile

Fehlte Laufkundschaft: Im Ladenverkauf hatten Volker Kanngießer und sein Team beim Verkauf von Erdbeeren und Spargel deutliche Umsatzeinbrüche zu verkraften.
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Fehlte Laufkundschaft: Im Ladenverkauf hatten Volker Kanngießer und sein Team beim Verkauf von Erdbeeren und Spargel deutliche Umsatzeinbrüche zu verkraften.

Baustelle in Niederdünzebach und zwischen Frieda und Aue: Richtig hart trifft es die Gewerbebetriebe, die auf Kundenverkehr angewiesen sind.

Niederdünzebach/Aue – Davon gibt es nicht viele in den beiden Wohn-Dörfern. Wenn, dann sind sie aber arg gebeutelt – wie Restaurant und Pension „Alte Schule“ in Niederdünzebach oder der Feldladen in Aue. „Uns fehlen im Vergleich zum vergangenen Jahr 50 Prozent der Gäste“, sagt Peter Jänsch, Wirt in der „Alten Schule“.

Jänsch und seine Frau Jinnarat hat es besonders getroffen, seitdem sie im Januar 2020 die einzige verbliebene Gaststätte in Niederdünzebach übernommen haben. Die befreundeten Vorbesitzer hatten das Restaurant mit fünf Gästezimmern im oberen Stockwerk an das Ehepaar Jänsch übergeben. Die ersten beiden Monate liefen ideal. „Dann kam Corona und in diesem Jahr die Baustelle“, beklagt Jänsch Umstände, die weder er, seine Frau noch sein erwachsener Sohn beeinflussen können. Der Familienbetrieb hatte noch keine wirkliche Chance, Stammkunden aufzubauen. Die Sommer 2020 und 2021 ließen sich durch die Pandemie gut vergleichen. Die fehlenden Gäste schreibt Jänsch der Baustelle zu. „Die Autofahrer drehen um, wenn sie ab Eschwege darauf hingewiesen werden, dass man nicht durch Niederdünzebach fahren kann.“

Immer häufiger leer: der idyllische Biergarten, der zur „Alten Schule“ in Niederdünzebach gehört.

Die Anwohner von Niederdünzebach und Aue sind genervt wegen der weiten Umwege, die sie durch die Baustellen an der Werrabrücke bei Aue und der Ortsdurchfahrt von Niederdünzebach in Kauf nehmen müssen (wir berichteten). Seit April und bis September 2022 werden die Kanalleitungen sowie die Bord-, Gehweg- und Nebenanlagen erneuert. Außerdem werden Versorgungsleitungen und die Straßenbeleuchtung ausgetauscht. Hinterher gibt es einen neuen Straßenbelag. Damit nicht genug: Bis Jahresende laufen Bauarbeiten an der Werrabrücke zwischen Aue und Frieda. Für die zeitgleiche Planung der beiden Baustellen hatten die Verantwortlichen von Hessen-Mobil bereits mehrfach um Nachsicht gebeten (wir berichteten).

Die gesperrte Brücke ist besonders für die Familie Kanngießer, die in unmittelbarer Nähe Laden und Gaststätte betreibt, ein Ärgernis. „Auf unsere Stammkunden und Radtouristen können wir uns verlassen“, sagt Sonja Kanngießer auf Anfrage unserer Zeitung. Die Laufkundschaft für ihren Feldladen bleibe jetzt fern. Gerade für Kunden aus Meinhard und dem Eichsfeld bedeute die Sperrung große Umwege. Die Sperrung begann im Mai – genau zu dem Zeitpunkt, als der Verkauf von Spargel und Erdbeeren richtig durchstarten sollte. „Den Umsatzrückgang haben wir hier deutlich gespürt“, sagt Sonja Kanngießer. Und das nächste Problem steht vor der Tür. Ab Ende November sollte eigentlich der Weihnachtsbaumverkauf hier starten. „Für das Problem Niederdünzebach hat Hessen-Mobil inzwischen die Verbindung zwischen Ober- und Niederdünzebach geöffnet“, berichtet Sonja Kanngießer von den Gesprächen mit der Behörde. Für das Problem Werrabrücke sei Abwarten angesagt.

Wenn beide Baustellen abgeschlossen sind, wird alles schick sein. Für die nächsten Jahrzehnte wird erst mal nicht gebaut. Bis dahin kann man bei aller Freundlichkeit der Gastgeber aber noch viele Kunden verlieren.

Von Tobias Stück

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