Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis

Nachbargemeinde zieht die Reißleine: Blaue Lagune zieht Besucher magisch an - Zufahrten abgesperrt

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Schluss mit lustig: Bürgermeister Andreas Henning (rechts) sperrt mit den Bauhofmitarbeitern Christian Diete und Michael Lehm (links) den Waldweg ab.

Trotz Corona hat das Wetter am Samstag auch im Werra-Meißner-Kreis viele Menschen ins Freie gelockt - nicht nur aufs eigene Grundstück, sondern auch in den öffentlichen Raum.

Werra-Meißner-Kreis - Während die Polizei am Eschweger Werratalsee trotz zahlreicher Spaziergänger und Radfahrer nicht einschreiten musste, sperrte die Gemeinde Südeichsfeld die sogenannte Blaue Lagune an der thüringisch-hessischen Landesgrenze am Samstagnachmittag (28.03.2020) für Besucher.

Am Werratalsee seien zwar viele Menschen unterwegs gewesen, der Sicherheitsabstand wegen Corona sei aber immer gewahrt gewesen, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. Die Disziplin im Werra-Meißner-Kreis sei "einwandfrei".

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Nicht alle zeigen Verständnis

Das Ziel zahlreicher Wanderer und Schaulustiger aus dem Unstrut-Hainich-, Wartburg- und Werra-Meißner-Kreis war, wie schon in den Tagen zuvor, ein blau-grün schimmernder kleiner See, den der Volksmund inzwischen „Blaue Lagune“ getauft hatte, zwischen Heldra und Wendehausen. Das Kleinod befindet sich in einem Privatwald, an dem der öffentliche Weg vorbeiführt. Laut Eigentümer ist der Teich während des Winters entschlammt worden.

Bauhof-Mitarbeiter und Bürgermeister Andreas Henning hatten nach Hinweisen aus der Bevölkerung den öffentlichen Waldweg von der Landesstraße 1019 zwischen Wendehausen (Thüringen) und dem hessischen Heldra mit einer Absperrung versehen. Die Vorsichtsmaßnahme stieß allerdings nicht bei allen Fahrzeugführern auf Verständnis. Henning verwies auf die dringend gebotene Kontaktsperre. Auf einer Wiese standen auf einem illegalen Parkplatz zeitweise bis zu 20 Autos.

Blaue Lagune: Ein Feuchtbiotop im Wald an der Landesgrenze zieht seit Tagen Schaulustige wie magisch an.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Schaulustige werden magisch angezogen?

Gespeist wird der Teich über eine Zuleitung der Walsbachquelle. In dem Gewässer haben inzwischen jede Menge Kröten und Molche gelaicht, sodass es auch nicht abgelassen werden kann. Das stark kalkhaltige Wasser habe jetzt erstmals zu der besonderen Färbung des Feuchtbiotops geführt, was Schaulustige nach Mitteilungen in sozialen Medien offenkundig wie magisch anzieht. Eine Wandergruppe aus Altenburschla habe beispielsweise über die Mund-zu-Mund-Propaganda von der Attraktion erfahren.

Die Quelle befand sich bis zur Grenzregulierung 1732 im Heldraer Wald in Hessen und wurde dann Thüringen zuerkannt. Im vorigen Jahrhundert hat der Walsbach gleich mehrere künstlich angelegte Seen gespeist. In den 1920er-Jahren war die Waldbachquelle als Wasserversorgung für Heldra geplant. Bei Untersuchungen musste man feststellen, dass die Schüttung der Quelle nicht zuverlässig genug war. So wurde das Projekt dann am kleinen Goldberg gegenüber realisiert.

Von Reiner Schmalzl

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