Wildschwein-Frischling aufgenommen

Tierarzt-Familie Kalden aus Wanfried hat verwaisten Frischling aufgenommen

Vor dem Kamin ist es schön warm: Dackeldame Urmel hat den Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Bei Familie Kalden wächst das verwaiste Wildschwein nun auf. Mehr
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Vor dem Kamin ist es schön warm: Dackeldame Urmel hat den Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Bei Familie Kalden wächst das verwaiste Wildschwein nun auf. Mehr

Die freche Wildsau im Wohnzimmer von Familie Kalden aus Wanfried: Der kleine Frischling Beethoven hält alle auf Trab. Vor allem aber, hat er immer Hunger.

Wanfried – Im Wohnzimmer von Familie Kalden aus Wanfried herrscht Gewusel. Denn neben den drei Hunden im Haus und zahlreichen Tieren im Garten hält ein nicht einmal zwei Wochen alter Frischling die fünfköpfige Familie auf Trab. Das verwaiste Wildschwein namens Beethoven wurde den Kaldens vor Kurzem gebracht. „Wir gehen davon aus, dass seine Mutter umgekommen ist.

Denn das Letzte, was eine Wildschweinmutter aufgibt, sind ihre Kinder“, erklärt Friederike Kalden.

400 Milliliter Milch bekommt der kleine Keiler am Tag aus der Flasche. Binnen Sekunden hat er die Flasche leergesaugt. Den Rest übernimmt Hündin Urmel. Denn ganz zufällig ist sie scheinschwanger mit Milcheinschuss, erklärt Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden, was nach der Läufigkeit bei Hunden nicht selten ist. Als Ziehmutter kümmert sich die Dackeldame nun um den kleinen Frischling. Und das ist auch wichtig: „Soziale Kontakte, insbesondere Körperkontakt, ist für die Kleinen entscheidend“, erklärt der Tierarzt. Ab nächster Woche soll Beethoven dazu festere Kost bekommen. Begonnen wird mit Schmelzflocken und Banane.

Schlafplatz ist in einer Box im Wohnzimmer - zwischen drei Hundekörbchen

In einer großen Box im Wohnzimmer ist Beethovens Schlafplatz. Eine Infrarotlampe wärmt ihn, seine Körpertemperatur kann er noch nicht selbst halten. Neugierig und frech ist der kleine Keiler trotzdem. „Er ist eine echte Wildsau, vor allem beim Fressen“, sagt Friederike Kalden und lacht. „Beethoven will immer nur die Flasche, seine Mama Urmel und dann seine Ruhe“, erzählt auch die zehnjährige Sienna Kalden.

Das Wildschwein später wieder auszuwildern wird nicht möglich sein, sind sich die Kaldens sicher. „Er ist dann zu sehr auf den Menschen bezogen.“ Sie sprechen aus Erfahrung, denn Beethoven ist nicht das erste verwaiste Tier, dass sie mit der Flasche großgezogen haben. Auf dem zwei Hektar großen Gelände der Kaldens wohnen bereits zwei Hirsche, drei Rehe und zwei Mufflon-Schafe, zahlreiche Hühner, Tauben und Fasane und weitere Tiere. Derzeit päppelt die Familie auch einen Falken hoch.

„So viele Tiere kann man nur halten, wenn die ganze Familie an einem Strang zieht“, sagt Kalden. Alle helfen mit: Die Töchter füttern etwa morgens schon vor der Schule die Vögel. „Ich finde es richtig schön mit so vielen Tieren“, sagt die sechsjährige Sophia. Die Kaldens betonten aber, vermeintlich verwaiste Wildtiere nie einfach mitzunehmen.

Familie Kalden aus Wanfried zieht einen verwaisten Wildschwein-Frischling im Wohnzimmer auf

Wildschwein-Frischling Beethoven hält Familie Kalden aus Wanfried auf Trab. Der aufgeweckte gut anderthalb Wochen alte Keiler wird von seiner Ziehmutter, Dackeldame Urmel, versorgt.
Wildschwein-Frischling Beethoven hält Familie Kalden aus Wanfried auf Trab. Der aufgeweckte gut anderthalb Wochen alte Keiler wird von seiner Ziehmutter, Dackeldame Urmel, versorgt.
Wildschwein-Frischling Beethoven hält Familie Kalden aus Wanfried auf Trab. Der aufgeweckte gut anderthalb Wochen alte Keiler wird von seiner Ziehmutter, Dackeldame Urmel, versorgt.
Wildschwein-Frischling Beethoven hält Familie Kalden aus Wanfried auf Trab. Der aufgeweckte gut anderthalb Wochen alte Keiler wird von seiner Ziehmutter, Dackeldame Urmel, versorgt.
Familie Kalden aus Wanfried zieht einen verwaisten Wildschwein-Frischling im Wohnzimmer auf

Wildtiere aber nicht einfach mit nach Hause nehmen

Keine Frage: Tierbabys sind süß. Und findet man sie ganz alleine im Wald vor, erregt das beim Menschen auch schnell Mitleid. Doch der Wanfrieder Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden warnt davor, vermeintlich verwaiste Tiere einfach mit nach Hause zu nehmen. Er erklärt, worauf zu achten ist.

Rehmütter suchen für ihre Rehkitze oft ein ihrer Ansicht nach sicheres Versteck, wenn sie selbst auf Futtersuche gehen. Zum Beispiel im hohen Gras. „Dort sind die Kitze gut getarnt. Außerdem haben sie noch keinen Eigengeruch, wodurch Füchse sie nicht so gut aufspüren können“, erklärt Kalden. Bei Gefahr ducken sie sich instinktiv und bewegen sich nicht weg. Die Mutter bleibt meist in der Nähe, kehrt aber manchmal erst nach Stunden zum Rehkitz zurück. „Die sind auch mal einen halben Tag weg.“

Findet man also ein Rehkitz allein auf Wiesen oder in Wäldern, sollte man abwarten und am nächsten Tag noch einmal an der Stelle nachschauen, ob das Tier noch dort liegt. Dann kann man dem jeweiligen Jagdpächter oder Förster Bescheid sagen. „Das Tier sollte man aber nicht einfach mitnehmen“, sagt er. Das gilt auch für andere Tiere, etwa bei Wildschweinen und Hasen. Es gebe aber keine pauschale Verhaltensregel. Man solle stets mit Bedacht reagieren. „Bei Wildschweinen muss man aber vorsichtig sein, das kann sehr gefährlich werden“, betont Kalden. Denn eine Wildschweinmutter würde alles tun, um ihre Kinder wieder zu bekommen.

„Findet man einen Frischling alleine im Wald, sollte man sicher sein, dass die Mutter tot ist. Denn hebt man ihn hoch, schreit er wie am Spieß. Das hört die Mutter aus unvorstellbar weiter Entfernung und die kommt dann und holt ihn sich wieder“, schildert er. Das kann lebensgefährlich werden.

Bei Extremtemperaturen wie zurzeit sind Tierbabys alleine im Wald schnell unterkühlt und können erfrieren. Daher sollte man den Jagdpächter oder Tierarzt anrufen und sich Rat einholen. Die Zuständigen erfährt man bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung, der Unteren Jagdbehörde oder auch bei der Polizei. (Von Jessica Sippel)

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