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Die Lettern, die Willi Busch hinterließ: So kam der Schriftzug ans Wanfrieder Rathaus

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Von: Jessica Sippel

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Der Schriftzug des Wanfrieder Rathauses wirkt, als sei erschon immer da gewesen. Doch dahinter steckt eine skurrile Geschichte, die auf den Filmdreh des Willi-Busch-Reports zurückgeht.
Der Schriftzug des Wanfrieder Rathauses wirkt, als sei erschon immer da gewesen. Doch dahinter steckt eine skurrile Geschichte, die auf den Filmdreh des Willi-Busch-Reports zurückgeht. © Jessica Sippel

Die Gesichte, wie der Schriftzug eigentlich ans Wanfrieder Rathaus kam, ist schon skurril. Alles geht zurück auf das Wanfried der 1970er-Jahre, dem Schauplatz eines Filmdrehs.

Wanfried – Ganz selbstverständlich prangen die großen Lettern am Wanfrieder Rathaustor und zeigen stolz: Hier ist das Rathaus. Die Buchstaben wirken, als seien sie schon immer da gewesen. Doch tatsächlich gibt es sie erst seit den 1970er-Jahren – und sie wurden nicht von den Wanfriedern dort angebracht. Dahinter steckt eine skurrile Geschichte.

Wir schreiben das Jahr 1979. Wanfried ist Schauplatz eines Filmdrehs, dem Willi-Busch-Report. Die ganze Stadt ist aus dem Häuschen. „Es war aufregend, tagelang waren die Kameraleute und Schauspieler auf unseren Straßen unterwegs“, erinnert sich Holger Döring noch heute. Damals war er noch ein Schuljunge.

Der Willi-Busch-Report

In der Patenstadt Wanfried fanden 1979 die meisten Dreharbeiten für die Szenen im fiktiven Ort Friedheim statt. Im Film versucht der Provinz-Reporter Wilhelm Busch seine Zeitung „Werra-Post“ vor dem Ruin zu retten. Denn das einst florierende Städtchen Friedheim (Wanfried), das direkt an der innerdeutschen Grenze zur DDR liegt, ist zu einem verschlafenen und abgelegenen Nest geworden. Nichts passiert mehr.

Daher beschließt Willi Busch, etwas dagegen zu unternehmen. Für die Schlagzeilen in seiner Zeitung sorgt er fortan selbst, inszeniert Skandale, erfindet Sensationen. So entstehen Nachrichten wie „Ist Friedheim das Zentrum eines Spionagerings?“, „Mädchen (5 Jahre) sieht die Wiedervereinigung voraus!“ oder auch „Goebbels, Bürgermeister von Friedheim“. Die Auflage der Werra-Post explodiert daraufhin schlagartig – und dadurch pilgern auch wieder mehr und mehr Besucher nach Friedheim.

„Und damit die Gäste und die Zuschauer des Films wussten, wo das Rathaus sein soll, hat unser Rathaus von den Filmemachern damals einen entsprechenden Schriftzug erhalten“, erklärt Zeitzeuge Holger Döring, der heute in Wanfried das Heimatmuseum mitbetreut. Und als die Filmemacher nach den Dreharbeiten aus Wanfried abzogen, ist der Schriftzug schlicht und einfach hinterlassen worden – ganz zur Freude der Wanfrieder Bürger, von denen sich viele noch gerne an die Drehzeit erinnern.

Lausbubenstreich in den 1979ern: Den Filmdreh sabotiert

Olaf Prehm, Stadtführer und ebenfalls Museumsbetreuer, konnte sogar eine alte Postkarte aus den Jahren vor dem Filmdreh ausmachen, auf der das Rathaus noch ohne entsprechende Lettern zu sehen ist. „Das ist quasi der Beweis, dass es wirklich vorher noch nicht da war“, sagt Prehm und lacht. Wo und wer diesen Schriftzug aber angefertigt hat, das wissen auch Prehm und Döring nicht genau.

Auch zum Traditionshotel „Wanfrieder Hof“ wissen die beiden eine Anekdote zu erzählen. Denn für den Film – wie sollte es anders sein – bekam das Hotel den Namen „Friedheimer Hof“. Ein entsprechendes Schild sollte auch hier darauf hinweisen.

Bis heute erhalten: Beim Lausbubenstreich haben junge Burschen aus Wanfried während der Dreharbeiten dieses Schild gestohlen.
Bis heute erhalten: Beim Lausbubenstreich haben junge Burschen aus Wanfried während der Dreharbeiten dieses Schild gestohlen. © Jessica Sippel

Eines Nachts aber haben sich ein paar unbekannte Wanfrieder Burschen nach einer Kneipentour zu einem Lausbubenstreich hinreißen lassen: „Sie sind beim Wanfrieder Hof durchs Fenster gestiegen und haben das Schild einfach mitgenommen“, weiß Holger Döring aus Erzählungen. Er lacht.

Das hat die Dreharbeiten für ein paar Tage sabotiert. Die Filmemacher haben dann extra ein neues Schild für den Friedheimer Hof hergestellt. Und wo ist das alte Schild gelandet? Das wird bis heute im Dachstuhl einer Scheune in einer Wanfrieder Nebengasse sicher verwahrt.

Von Jessica Sippel

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