Während Wanfried sein Jubiläum noch plant, wird in Altenburschla bereits gefeiert

Dorfleben richtig erleben

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Die Altenburschlaer wissen zu feiern: Hier die Landfrauen als Waschfrauen beim Renaissancefest 2008 in Wanfried. Rechts: Die Originalurkunde von Altenburschla des Mönches Eberhard aus dem Marburger Archiv.

Altenburschla. Während in Wanfried die Vorbereitungen zur 1200-Jahr-Feier auf Hochtouren laufen, hat Altenburschla für seinen „Geburtstag“ schon fast alles in trockenen Tüchern. Am Sonntag, 23. Juni um 9 Uhr geht es mit einem Familiengottesdienst in der Kirche los, um 10 Uhr eröffnet dann das Marktgeschehen.

„Der Gast wird das Dorfleben vom 9. Jahrhundert bis heute erleben“, verspricht Ortsvorsteher Ulrich Flender. Über die urkundliche Ersterwähnung, die hier gefeiert werden soll, gibt es bislang unterschiedliche Quellen, „die Jahre 860, 817 und jetzt 813 standen im Raum“, so Flender. Neueste Erkenntnisse belegen, dass die Siedlungsplätze Altenburschla, Wanfried und weitere 30 Güter von ihrem Besitzer, dem fränkischen Grafen Erpho dem Kloster Fulda und dem Hochstift Würzburg vermacht wurden.

„Da der Graf im Jahr 813 starb und das in einem Totenbuch vermerkt ist, können ,In wanen In Riden‘, Wanfried und ,Brustlohun‘, Altenburschla, dieses Datum zum urkundlichen Nachweis des Siedlungsplatzes annehmen“, sagt der Historiker Walter Henze, obgleich die thüringischen Besitztümer, zu denen beide gehörten, bereits vor dem Tod des Adligen „zur Rettung seiner Seele und zum Gewinn des ewigen Lebens“ übertragen worden seien.

Ulrich Flender beruft sich auf ein wichtiges Dokument aus dem frühen 12. Jahrhundert. „Im Codex Eberhardi wird über die Anfänge von Siedlungen und Orten bis in die Zeit der Frankenkönige (5. bis 9. Jahrhundert) berichtet, da wird Brustlohun erwähnt“, so Flender, der eine Kopie dieser Urkunde im Archiv aufbewahrt.

„Ritter werden mit Schwertern aufeinander losgehen.“

1200 Jahre nach der Ersterwähnung hat Altenburschla also allen Grund zum Feiern. Im idyllischen Fachwerkdorf kommt dann das auf den Tisch, was es in den Bauerngärten immer noch zu ernten gibt. Landfrauen zeigen, was Waschfrauen alles leisten mussten, Handwerker werden noch einmal kräftig ins Schwitzen kommen.

Aus dem täglichen Brot früherer Zeiten sind heute kulinarische Köstlichkeiten geworden. Ahle Wurst, Saumagen, Bratwurst, Fettenbrot mit Gurke, Wildgulasch, Kartoffelpuffer, hausgemachter Apfelwein und Met, davor oder danach Kaffee und selbstgebackener Blechkuchen und Eisenkuchen, das alles können die Besucher kosten. Die Landwirtschaft war in dem Ort, der im Jahr 1365 Altenborsla hieß und vom thüringischen Westgau für 70 Mark Eschweger Währe an den Landgrafen Otto von Hessen-Kassel verkauft wurde, für viele Familien die Existenz. Darum werden auch die Gerätschaften, die die Arbeit leichter und den Ertrag größer machten, zu sehen und zu erleben sein. „Ritter werden mit Schwertern aufeinander losgehen“, sagt Ulrich Flender und den Kindern verspricht der Ortsvorsteher viel Spaß mit echten Tieren und lustigen Gauklern, die durch die Straßen ziehen.

Als das „Dorf an der Grenze“ war Altenburschla während der deutsch-deutschen Teilung bekannt, dafür sorgte Flenders Vorgänger und Schwiegervater Karl Montag. „Er hat alles gesammelt, was es über Altenburschla und die angrenzenden Orte gab“, so Flender, der jetzt auf ein bemerkenswertes Archiv zurückgreifen kann. Auch das wird neben vielen Exponaten vergangener Zeiten im Dorfgemeinschaftshaus ausgestellt.

• Eintritt: Erwachsene in Gewandung zwei Euro, sonst drei Euro, für Kinder unter Schwertmaß frei. www.dorffest-altenburschla.de.

Von Diana Wetzestein

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