Im Wohnzimmer standen mal Gäule

Serie altes Haus, neues Leben: Ehepaar Erndwein schafft sich Altersruhesitz in Wanfried

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Fühlen sich sichtlich wohl in ihrem neuen Zuhause: Ingrid Möllemann-Erndwein und Joachim Erndwein. In ihrem alten Haus von etwa 1880 mit modernem Anspruch, das an die ehemalige Wanfrieder Dampfbrauerei grenzt, standen früher einmal die Pferde der Brauerei.

Lieber ein Haus im Bestand herrichten als neu zu bauen, das ist ein Trend. Wir stellen Bauherren vor, die historische Häuser in moderne Schmuckstücke verwandelt haben.

Dort, wo Ingrid Möllemann-Erndwein und Joachim Erndwein jetzt entspannt die Füße hochlegen, standen früher einmal die Gäule der Wanfrieder Dampfbrauerei. Im Innenhof einer alten Fachwerkanlage an der Mühlhäuser Straße haben sich die Erndweins einen Altersruhesitz geschaffen – und dabei das in die Jahre gekommene Fachwerkhaus von 1880 in modernen Wohnraum verwandelt.

In Wanfried alt zu werden war nicht das große Ziel des Ehepaares. Eigentlich waren sie in Eggenstein bei Karlsruhe zu Hause. Der Diplom-Ingenieur arbeitet dort als Bauberater. Beide bewohnten das Haus seiner Eltern. Für die Zeit nach dem Berufsleben wollten sie sich aber noch mal verändern. Nordhessen war eine Option, weil sie als Sportlehrerin einige Jahre in Bad Hersfeld lebte. Durch Zufall stießen sie auf das Fachwerkhaus in Wanfried, das sich in einer Zwangsversteigerung befand. „Von Wanfried hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört“, sagt Joachim Erndwein. Das sollte sich ändern.

Niedriger fünfstelliger Betrag 

Für einen niedrigen fünfstelligen Betrag „schoss“ Joachim Erndwein das Gebäude. Für Karlsruher Verhältnisse undenkbar. Betreten hatte er zu diesem Zeitpunkt das Haus noch nicht. Nur von außen konnte er sich ein Bild machen. „Das Dach war in Ordnung, das hat mir genügt“, sagt Erndwein. Die Ernüchterung folgte dennoch. Denn von innen war das 140 Jahre alte Haus nahezu baufällig.

Vorher: Im Inneren befand sich das Haus von 1880 in einem baufälligen Zustand. 

Dadurch war aber Raum für Veränderung. Die Erndweins legten beim Umbau Wert auf Großzügigkeit, Helligkeit, Schwellenfreiheit und moderne Ansprüche. Einige Wände wurden herausgerissen. Der Wohnbereich ist hell und offen und wird nur durch die freigelegten Balken unterbrochen. Hingucker im Wohnraum ist die offene Treppe, die kunstvoll gestaltet wurde. Für alle Fälle ist sie so groß und stabil, dass hier auch ein Treppenlift eingebaut werden kann. Denn in der oberen Etage der 160 Quadratmeter Wohnfläche befinden sich Schlafzimmer und eines von zwei Bädern. Im Badezimmer im Erdgeschoss hat Joachim Erndwein seine Sauna einbauen können. Neue Fenster und Dämmung wurden auch eingebaut. Das alte Haus entspricht einem KFW-Effizienzhaus 100.

Wenig Eigenleistung 

Nachher: Die kunstvoll gestaltete Treppe ist der Hingucker im Wohnraum. Das Fachwerk wurde freigelegt.

Eigenleistung hat der Bauberater wenig einfließen lassen. „Ich wollte, das alles perfekt wird, und das geht am besten mit guten Handwerkern.“ Die hatte er in Wanfried und Eschwege gefunden. Durch seinen Beruf, in dem er alle Gewerke kennengelernt hat, kann er sich dieses Urteil erlauben. Ins nordhessische Wanfried zu gehen, war für die Erndweins ein Glücksfall. Seit 2012 lebt das Ehepaar jetzt hier mit erstem Wohnsitz. Sofort waren sie in die Gemeinschaft integriert. Bürgermeister Wilhelm Gebhard und die Stadtverwaltung halfen von der ersten Minute den Neubürgern. Die Nachbarin lud sie gleich am ersten Tag zum Apfelkuchen ein.

Joachim Erndwein wurde sofort Mitglied im Hafenverein und beim VfL. Und: „Hier stimmt die Infrastruktur“, sagt der Badenser. Das sei ausschlaggebend gewesen. Da verzeiht man auch, dass im Wohnzimmer mal Pferde standen.

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