Ein Anwesen mit viel Geschichte

Rittergut Völkershausen: Ein Blick auf den Hof und ins Innere

Halten das Anwesen in Schuss: Martina Freifrau und Peter Freiherr Roeder von Diersburg im Innenhof mit Herrenhaus vor dem Eingangstor, das zum früheren Wirtschaftshof führt.
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Halten das Anwesen in Schuss: Martina Freifrau und Peter Freiherr Roeder von Diersburg im Innenhof mit Herrenhaus vor dem Eingangstor, das zum früheren Wirtschaftshof führt.

Die Geschichte des Ritterguts in Völkershausen reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Gutsbesitzer, Martina und Peter von Roeder, gaben uns eine Führung über das Anwesen.

Völkershausen – Lange Flure, Porträts und Gemälde in goldenen Bilderrahmen zieren die hohen Wände auf jeder Etage. Wohin man auf dem Rittergut in Völkershausen auch blickt, in jedem Stein steckt ein Stück Geschichte. Das heute etwa fünf Hektar große Anwesen befindet sich seit 1953 im Besitz der Familie Roeder von Diersburg. Zuvor lebten bereits Kurfürsten und Landgrafen dort.

Martina Freifrau und Peter Freiherr Roeder von Diersburg führen über das Gut, auf dem sie seit 2006 gemeinsam leben – in drei der etwa 45 Zimmer. Das Rittergut selbst wurde zwar im 14. Jahrhundert als Sitz der Familie von Völkershausen erbaut. „Der Hof jedoch wurde bereits erstmals urkundlich im Jahr 876 erwähnt“, erzählt Peter von Roeder. Auf dieses Zeitalter weisen auch Überreste hin, die die von Roeders während einer Renovierung in den 1970er-Jahren gefunden haben: Eine Hufeisenapsis befand sich direkt unter dem Altar der Kirche. Historiker sind sich hier einig, dass diese ebenfalls aus dem achten Jahrhundert stammen.

Es könnte daher sogar sein, dass der heilige Bonifatius während seiner christlichen Missionierung in dieser Gegend zu dieser Zeit diese Kirche erbauen ließ, erklärt Peter von Roeder. Der Kirchturm ist das älteste erhaltene Bauwerk des Gutes. Ebenfalls auf dem äußeren Hof befinden sich noch die früheren Ställe sowie die ausgebaute Eventscheune und die historische Möbelausstellung, in denen heute oft Hochzeiten gefeiert werden. Denn auf dem Gut befindet sich auch ein Standesamt.

Im goldenen Rahmen: Im Eingangsflur im Erdgeschoss zieren Porträts der früheren Gutsbesitzer die Wände.

Martina und Peter von Roeder renovieren das Anwesen seit 2011

Martina und Peter von Roeder schlendern über die Pflastersteine durch das kleine Tor vom äußeren Wirtschaftshof in Richtung Innenhof zum Herrenhaus. Das Kopfsteinpflaster war zuletzt einbetoniert gewesen. „Die haben wir alle wieder freigelegt. Wir wollten die schönen Steine wiederhaben“, sagt die Hausherrin. Alles soll nach und nach wieder im alten Glanz erstrahlen.

Seit 2011 renoviert und saniert das Juristenehepaar, das sich während des Studiums kennengelernt hat, die Gebäude und den Hof. „Und die Arbeit nimmt kein Ende. Wir renovieren eigentlich die ganze Zeit“, sagt Peter von Roeder und lacht. Er hat seine gesamte Kindheit auf dem Gut verbracht, bevor er zur Bundeswehr und zum Studium nach Göttingen ging.

Die zweistöckige Veranda am südlichen Flügel des Herrenhauses bietet einen umfassenden Blick über den großzügigen direkt an der Werra gelegenen Schlosspark – mit einer Allee, Bäumen und Rosenbüschen. „Am 15. April 1882 hat der damalige Besitzer, Otto Freiherr von und zu Gilsa, den früheren Barockgarten zu einem Landschaftspark umgebaut“, erklärt Peter von Roeder.

Im Inneren des Ritterguts: Lange Flure, hohe Decken und Gemälde der Gutsbesitzer

Betritt man das Herrenhaus heute, so fühlt man sich Jahrhunderte zurückversetzt. Lange Flure münden an weiteren langen Fluren, die Wände sind dekoriert mit Gemälden früherer Gutsbesitzer. Stolz stellt sich Peter von Roeder neben eines davon: „Das war mein Vater.“

Zwei Generationen: Peter von Roeder vor einem Porträt seines Vaters.

Im Treppenhaus prangt eine nachgemalte Kopie des Jakobssegens von Rembrandt – in Originalgröße mit über zwei Metern Länge. „Dieses Gemälde hängt seit über 200 Jahren hier.“ Am Ende der geschwungenen Treppe hinauf zum zweiten Stock, der Beletage, erstrecken sich zwei weitere lange Flure – mit zahlreichen Zimmern, darunter auch die früheren Kinderzimmer und ein großer Raum mit Anschluss an die obere Veranda. Hier werden auch heute noch größere Familienfeste gefeiert.

Von Roeder zeigt auf einen etwa 60 Quadratmeter großen Teppich: „Diesen Teppich wollten Amerikaner, die 1945 hier ihren Gefechtsstand hatten, einfach mitnehmen. Er ist aber so schwer, dass sie ihn nicht heben konnten.“

Wechselnde Besitzer gaben dem Rittergut in Völkershausen über die Jahrhunderte seine Form

Über die Jahrhunderte lebten zahlreiche Kurfürsten und Landgrafen auf dem Anwesen in Völkershausen. Die Grundform, wie man sie heute kennt, erhielt das Rittergut von dem niederländischen General Wolf Dieter Freiherr von Verschuer etwa in den Jahren 1728/1729.

Die Beletage: In der zweiten Etage direkt hinter den früheren Kinderzimmern kommt Familie von Roeder auch heute noch zu großen Festen zusammen.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts erwarb Landgräfin Wilhelmine von Hessen-Philippsthal-Barchfeld das Gut. Sie baute das Herrenhaus als klassischen Fachwerkbau mit Schmuckfassaden aus. Wenige Jahre später ging das Landgrafenschloss in Kurfürstenbesitz über, als Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel Gut und Schloss kaufte, um es seinem Sohn, Prinz Moritz von Hanau, zu schenken. Wie man sich heute erzählt, musste dieser die Ländereien wegen seiner Spielschulden 1872 verkaufen.

Von da an ging es langsam in Richtung der Roederischen Familie. Denn der Käufer war damals Otto Freiherr von und zu Gilsa. „Er war Soldat und hat etwas sehr Schlaues gemacht“, sagt Peter von Roeder: „Gilsa heiratete eine reiche Frau.“ Denn der Vater seiner Frau Anni besaß etwa 70 Segelschiffe, mit denen er Waren wie Tee und Gewürze von Indien nach England brachte. In dieser Zeit kam es 1916 zu einem Großbrand, der große Teile des äußeren Wirtschaftshofes fast vollständig vernichtete. „Kinder haben nach der Ernte im Heu gespielt und gezündelt“, weiß Peter von Roeder heute. Fünf Jahre später wurde das Gebäude wieder aufgebaut.

Vererbt hat das Paar das Anwesen dann an ihren unverheirateten Sohn Friedrich Freiherr von und zu Gilsa. Dieser übertrug das Rittergut 1953 an seinen Neffen Hans-Egenolf Freiherr Roeder von Diersburg, der in seiner Kindheit bereits häufig aus dem badischen Diersburg anreiste. „Und das war mein Vater“, sagt Peter von Roeder schlicht, in dessen Besitz sich das Gut seit 1986 befindet. (Von Jessica Sippel)

Einblicke in das Rittergut in Völkershausen von Familie Roeder von Diersburg

Die Geschichte des Ritterguts in Völkershausen reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Gutsbesitzer, Martina und Peter von Roeder, gaben uns eine Führung über das Anwesen.
Die Geschichte des Ritterguts in Völkershausen reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Gutsbesitzer, Martina und Peter von Roeder, gaben uns eine Führung über das Anwesen.
Die Geschichte des Ritterguts in Völkershausen reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Gutsbesitzer, Martina und Peter von Roeder, gaben uns eine Führung über das Anwesen.
Die Geschichte des Ritterguts in Völkershausen reicht viele Jahrhunderte zurück. Die Gutsbesitzer, Martina und Peter von Roeder, gaben uns eine Führung über das Anwesen.
Einblicke in das Rittergut in Völkershausen von Familie Roeder von Diersburg

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