25 Jahre nach dem Mauerfall

HR-Fernsehen drehte Dokumentation „Grenzenlos“ in Altenburschla

Altenburschla. Im beschaulichen Altenburschla drehte der Hessische Rundfunk am Freitagabend nicht „Fackeln im Sturm“, sondern mit einer „Fackel-Kette“ an der Werra eine Zeitreise 25 Jahre zurück, als die deutsch-deutsche Grenze fiel. „Grenzenlos“ heißt der filmische Rückblick auf die wohl glücklichsten Tage deutscher Geschichte im Jahr 1989.

HR dreht Dokumentation "Grenzenlos" in Altenburschla

Damals, wie jetzt für die Dreharbeiten, trafen sich viele Menschen in Altenburschla, um mit einer Lichterkette entlang der Werra ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard war seinerzeit 13 Jahre jung und ging in die siebte Klasse der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege. „Am 11. Juni 1988 hatte der Coop-Markt in Wanfried geschlossen. Im November 1989 öffnete er wieder und hatte monatelang nur Südfrüchte im Angebot“, erinnert er sich.

Gebhard und Altenburschlas Ortsvorsteher Ulrich Flender hatten die Bevölkerung aufgerufen, mit Fackeln und Kerzen als „Schauspieler“ für die Fernsehsendung Geschichte nochmal zu erleben. Flender war vor 25 Jahren beim Bundesgrenzschutz in Eschwege und hatte Dienst an der Straßensperre Wanfried-Katharinenberg.

Andreas Gehrke, Moderator der Sendung, kam beim Dreh auf dem Dorfanger auch mit Elli Dingel (62) ins Gespräch über jene Zeit vor 25 Jahren. Die Nacht vom 12. auf den 13. November. Elli Dingel war damals Wirtin der Gemeindeschänke: „Der Fackelzug zum Bahnhof Großburschla war schon seit drei Wochen mit Flugblättern geplant. Wir laden ein zum Grenzspaziergang bei Kerzenschein war darauf zu lesen.“ 500 Menschen kamen nach Altenburschla, sogar vom Edersee und aus Bad Wildungen. „Eine Freundin, die am Bahnhof Großburschla wohnt, rief mich um 10 Uhr an und sagte: Sofort kommen. Die Grenze geht auf“, weiß Elli Dingel noch.

Am Freitagabend liefen 50 Komparsen zur Werra, um mit Fackeln die Lichterkette nachzuspielen. Menschenverachtend, gnadenlos, tödlich - so war Deutschland hier geteilt. Mauer, Metallgitter, Stacheldraht, Selbstschuss- und Hunde-Lauf-Anlagen, Minen und Wachtürme verhinderten den Menschen den Weg in den freien Westen. Die Sehnsucht der Bürger in der DDR nach Freiheit war stärker als die „Diktatur des Proletariats“, die das Regime nicht länger aufrecht erhalten konnte. So öffnete sich die Grenze zwischen Hessen und Thüringen.

Die Sendung „Grenzenlos“ erinnert an Trennung und Leid, die diese Grenze den Menschen brachte. Aber auch an die grenzenlose Freude, als sie überwunden wurde. Andreas Gehrke trifft Menschen, deren Schicksal eng mit ihr verbunden war. Auf Menschen, die gezwungen waren, die Grenze zu sichern und auf andere, die sie unter Einsatz ihres Lebens überwanden. So berichtet er von Menschen, die ihre Heimat verloren, von ihren Familien getrennt wurden, und fragt nach, was wir heute wissen und denken von dieser Zeit. Was ist geblieben von jener Freude im November vor 25 Jahren? Die Freude, mit Fackeln an der Werra Geschichte nachzuspielen.

Sendetermin ist am Dienstag, 4. November, um 21 Uhr im HR-Fernsehen.

Von Ludger Konopka

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