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Bürgerversammlung in Wanfried

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Von: Theresa Lippe

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Bei der Bürgerversammlung im Hotel „Zum Schwan“ gab Bürgermeister Wilhelm Gebhard Ein- und Ausblick in aktuelle und zukünftige Großprojekte der Stadt Wanfried.
Bei der Bürgerversammlung im Hotel „Zum Schwan“ gab Bürgermeister Wilhelm Gebhard Ein- und Ausblick in aktuelle und zukünftige Großprojekte der Stadt Wanfried. © Christoph Braun/nh

Am Dienstagabend (21. Juni) fand nach langer Zeit wieder eine Bürgerversammlung in Wanfried statt. Das sind die Entwicklungen und Ausblicke:

Wanfried – Zu einer gut besuchten Bürgerversammlung im Wanfrieder Hotel „Zum Schwan“ begrüßte Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Niklass am Dienstagabend (21. Juni) 80 Gäste. Schon lange konnten die Wanfrieder wegen der Pandemie nicht mehr in diesem Rahmen zusammenkommen, weshalb die Veranstaltung schlussendlich rund 2,5 Stunden dauerte. Hier die Beiträge des Bürgermeisters.

Entwicklungen

Als ersten Punkt auf der Agenda präsentierte Wilhelm Gebhard die aktuellen Entwicklungen der Stadt. So zeigte er anhand verschiedener Graphen die Einwohnerentwicklung der Kernstadt und ihrer Gemeinden.

Einwohnerentwicklung: In einem sogenannten Hildesheimer Bevölkerungsmodell hatten Experten vor einigen Jahren noch prophezeit, dass Wanfried (Kernstadt und Stadtteile) im Jahr 2022 keine 3900 Einwohner mehr hätte und die Zahl der Bewohner ab dem Jahr 2011 rapide sinken würde.

Es sei erfreulich, dass diese Prognose der Einwohnerentwicklung falsch gewesen sei, so Gebhard. Mit viel Arbeit und Einsatz hätte man Wanfried nach vorne gebracht und könne seit 2015 wieder steigende Einwohnerzahlen verzeichnen. Inzwischen seien die Zahlen stabil und Wanfried die Heimat für rund 4200 Menschen. Eine neue Bevölkerungsprognose für die Jahre 2019 bis 2027 hätte sogar einen Anstieg auf 4325 prophezeit. „Das ist jedoch etwas zu euphorisch“, sagt der Bürgermeister scherzend, der im Laufe des Abends auf nur noch wenig adäquaten, freistehenden Wohnraum in Kernstadt und Stadtteile verwies.

Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze: Stand 2020 gebe es über 1400 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in Wanfried, 801 von ihnen würden nicht nur in Wanfried leben, sondern auch arbeiten.

Finanzsituation: Dank des Schutzschirms, der vor zehn Jahren griff, seien seit einigen Jahren alle Kassenkredite entfernt und zurückgeführt worden. „Das war ein harter Weg“, sagt der Bürgermeister und erinnert an Steuererhöhungen. Langfristige Darlehen seien noch vorhanden, hier steigt die Kurve. Dabei handle es sich aber um Investitionen, die dringend gemacht werden müssten, beispielsweise für Feuerwehren, Kitas und vieles mehr.

Ausblick

In einer weiteren Präsentation gab Gebhard einen Ein- und Ausblick in aktuelle und zukünftige Großprojekte der Stadt Wanfried.

Kitas: Mit Illustrationen der Bauplaner erläuterte der Bürgermeister die bereits bekannte Problematik beim Thema Kinderbetreuung und dem Ausbau des zukünftigen Schulcampus der Anne-Fank-Schule (wir berichteten mehrfach).

Glasfaserausbau: Auch in Wanfried will man zeitnah schnelleres Internet. Einen Grundsatzbeschluss zum Ausbau gab es dafür bereits im November 2021. In der Stadtverordnetenversammlung am Freitag soll beschlossen werden, ob man am damaligen Beschluss festhält, bei dem 90 Prozent der Kosten öffentlich gefördert und zehn Prozent Eigenanteil (knapp 1,2 Millionen Euro) anfallen würden. Alternativ könnte der Ausbau mit einem privaten Anbieter gemacht werden – dann ohne städtische Eigenmittel. „Das ist ein sehr komplexes Thema“, sagt der Bürgermeister.

Brandschutz: „Riesen Thema, riesen Baustelle, riesen Verantwortung“ lauten Gebhards Worte zum Punkt Brandschutz. Massive Investitionen aufgrund von gestiegenen Anforderungen seien bereits getätigt worden und stünden noch aus. So wird in Völkershausen an das Feuerwehrgerätehaus eine größere Fahrzeughalle angebaut (etwa 400 000 Euro), die bisherige Halle wird zu Umkleiden und Sanitäranlagen umgebaut. In Wanfried Kernstadt wird eine neue Absauganlage eingebaut, um den geforderten Standards gerecht zu werden (zirka 50 000 Euro). In Aue braucht es eine neue Fahrzeughalle, „etwa in der gleichen Größenordnung wie in Völkershausen“, so Gebhard. Angebaut wird an das bestehende Feuerwehrgerätehaus. Für Heldra und Altenburschla gebe es eine besondere Herausforderung, denn beide Gerätehäuser stehen in einer Denkmal geschützten Gesamtanlage, „da können wir nichts machen“, sagt der Bürgermeister. Aktuell stünde zur Debatte, dass die zwei Wehren eine gemeinsame Bereichsfeuerwehr bilden. So müsste am Ende nur ein neues Gerätehaus gebaut werden, was auch dem Steuerzahler entgegen käme.

Klimakommune: Dank hoher Fördersätze, die Wanfried als Klimakommune erhält, wurde eine Starkregenanalyse in Auftrag gegeben.

Zukunft Innenstadt: Mit einem Zuschlag des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ von 250 000 Euro durch das Land Hessen wird aktuell ein integriertes Stadtentwicklungskonzept und ein Verkehrskonzept finanziert. Gebhard verweist auf den auswärtigen Verkehr, der aus Süden kommend nicht die Umgehungsstraße nutze, sondern in Wanfried die Marktstraße befahre. Diese komplett für den Verkehr zu sperren, sei jedoch auch keine Option.

NS-Geschichte: Mit einem Budget von 25 000 Euro wird die wissenschaftliche Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in Wanfried finanziert. Dazu bald mehr.

Die Punkte „Baugebiet“ und „Gewerbegebiet“ werden separat aufgearbeitet. Ebenso wird der Themenblock zur Energieversorgung noch in einem eigenen Artikel behandelt.

Von Theresa Lippe

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