Denkanstoß zur Nachbarschaftshilfe

Fachwerkhaus-Sanierung in Wanfried in Eigenleistung und mit wenig Geld

Die Vorderseite ist schon in Arbeit: Marcel Meng, (von oben links), Reiner Graf, Manuel Möller, Martin Jacob und Dr. Helmut Pippart sanieren ein Fachwerkhaus.
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Die Vorderseite ist schon in Arbeit: Marcel Meng, (von oben links), Reiner Graf, Manuel Möller, Martin Jacob und Dr. Helmut Pippart sanieren ein Fachwerkhaus.

Dr. Helmut Pippart, Reiner Graf und ihr Team sanieren gerade ein 1618 erbautes, denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in Wanfried – in Eigeninitiative und kostenlos.

Wanfried - „Sonst wäre das Häuschen verfallen“, sagt Pippart. 250 Euro sind vor einigen Wochen bei einer Spendenaktion am Tag des Denkmals für das Haus zusammengekommen. „Das hat gereicht, um die Farbe zu kaufen“, erklärt Pippart. Aktuell gehe es erst einmal darum, die Fassade des Hauses zu sanieren.

Dazu haben die gelernten Handwerker und fachlich erfahrenen Helfer unter anderem schon das Holz des Fachwerks von der alten, falschen Farbe befreit. Wie Pippart erklärt, handelte es sich um eine auf Kunststoff basierte Farbe, die dem Holz eher schadet. Nun soll eine Ölfarbe auf das Fachwerk kommen. Zudem wurden die Fächer der Fassade renoviert und neu verputzt. Eine Silikatfarbe wird hier nun für Atmungsaktivität sorgen und Schimmel vorbeugen.

Als nächstes soll das fehlende Stück eines früheren Torbogens, der den Eingang des Hauses von der Wanfriederin Susanne Haag ziert, ergänzt werden. Ansonsten müssten an dem Haus noch die Fenster gemacht werden sowie diverse Renovierungsarbeiten im Innenbereich. Das lasse sich aber nicht ohne Weiteres finanzieren und stehe daher zunächst nicht auf der Aufgabenliste von Pippart und den Arbeitern. Aber darum geht es auch gar nicht, betonen Pippart und Graf. „Wir wollen bei den Menschen die Motivation und auch den Mut für Altbausanierungen schaffen“, erklären sie. Sie wollen zudem einen Denkanstoß geben und bei Menschen die Bereitschaft wecken, anderen zu helfen. Das sei aber das Schwierigste daran, erklärt Graf. Viele seien sehr bequem geworden.

Der Hauptgedanke der Initiatoren Pippart und Graf beruht auf dem Gedanken der privaten Nachbarschaftshilfe, in der Bürger einander helfen und sich miteinander für den Erhalt ihrer Stadt einsetzen – losgelöst vom Staat und ohne Erwartungen auf behördliche Fördermittel. „Weniger Staat, mehr privat“, lautet das Motto von Pippart, der schon mehrere Projekte dieser Art betreut hat, etwa in Heldra, Aue und Mühlhausen. „Die Innenstadt muss attraktiv bleiben“, sagt er. „Nicht nur für Touristen, sondern auch für die heimischen Bürger.“

Die Sanierung des Hauses in Wanfried soll zeigen, was man in Eigenleistung und mit wenig Geld schaffen kann. Insgesamt arbeiten etwa acht Personen am Haus mit, heute sind neben Graf und Pippart drei dabei. „Jeder hilft so, wie er kann und es zeitlich schafft“, sagt Pippart. Das dauere zwar etwas länger, sagt er, stärke aber umso mehr die Gemeinschaft.

„Es ist wichtig, dass die Altstädte erhalten bleiben, damit historische Gebäude nicht zu Parkplätzen werden“, sagt Helfer Martin Jacob aus Bad Sooden-Allendorf. Es gehe sonst Geschichte und Denkmal verloren, in einer Region, die geprägt sei vom Fachwerk. (Jessica Sippel)

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