Das Konzept überzeugte

Wanfried: Fachwerkmusterhaus auf Platz drei bei Landeswettbewerb

Staatssekretär Dr. Martin Worms (Mitte) steht mit Mitgliedern der Bürgergruppe und Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (zweiter von links) vor dem Fachwerkmusterhaus in Wanfried.
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Neben der Hausnummer ziert nun eine Plakette das Fachwerkmusterhaus: Staatssekretär Dr. Martin Worms (Mitte) mit Mitgliedern der Bürgergruppe (von links) Harald Wagner, Jürgen Rödiger, Wilhelm Gebhard und Dieter Böttcher.

Es hört sich fast wie ein Märchen an und so muss auch der angereiste Staatssekretär Dr. Martin Worms verwundert nachfragen: „Holländer?“.

Eigentlich war er diese Woche nach Wanfried gekommen, um ein Vorzeigeprojekt in Sachen ländliche Förderung mit dem dritten Preis aus dem Wettbewerb „Zusammen gebaut– Zukunft im ländlichen Raum“ zu ehren. Doch es kommt nicht mal zu einer offiziellen Vorstellungsrunde, zu wundersam ist die Wanfrieder Erfolgsgeschichte, die sich hier langsam vor ihm aufdröselt. Eine Geschichte in der maßgeblich Holländer eine tragende Rolle spielen.

Und das Haus selbst, in dem sich alle an diesem Donnerstagmittag für die Preisübergabe sowie Plakettenanbringung versammelt haben. Hierbei handelt es sich um ein Musterhaus für Fachwerk, das das Herzstück der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser ist.

Von 21 Leerständen ist nur noch einer übrig

„Mit diesem Musterhaus können wir zeigen, was alles möglich ist. Dass Fachwerk auch modern und vor allem hell sein kann“, erzählt Harald Wagner von der Bürgergruppe. So bieten sie hier Fachwerkliebhabern Beratung an, geben Tipps zu Baustoffen, zur Vermeidung von Bausünden, vermitteln Handwerker und zeigen, wie man etwas in Eigenleistung realisieren kann.

Und dieses Konzept geht auf. Von den damals 21 Leerständen in der Altstadt, die 2006 Auslöser zur Gründung der Bürgergruppe waren, ist nur noch eines nicht vermittelt – ganz davon abgesehen, dass im Laufe der Jahre neue Leerstände hinzukamen, die ebenfalls einen Käufer fanden.

Ferien- und Alterssitze für Niederländer

Das erste Gebot lautet dabei immer „Privat statt Staat“ und so hörten die Wanfrieder auf den Vorschlag eines holländischen Pärchens, das in den nordhessischen Fachwerkhäusern ideale Ferien- und Altersitze für ihre Landsleute sahen. Der Rest ist besagte Erfolgsgeschichte: Die Bürgergruppe vermarktete die Wanfrieder „Problemimmobilien“ erfolgreich in Holland.

Presse, Funk und Fernsehen stürzten sich auf sie und ehe man sich versehen konnte, erhöhte sich die Nachfrage, sodass es heute sogar eine Warteliste für besonders beliebte Immobilien gibt. „Eine wirklich tolle Idee“, urteilt Worms, der sich angetan von der Geschichte und den, wie er betont „Summe und Gepflegtheit der Fachwerkhäuser“, bereitwillig auf einen Spaziergang durch Wanfried einladen lässt.

1500 Euro Preisgeld für die Bürgergruppe

Insgesamt hatten sich 41 Projekte aus Hessen bei dem Wettbewerb beworben. Vier wurden mit einem Preisgeld sowie einer Plakette geehrt –die Bürgergruppe erhielt 1500 Euro. „Mit einer zeitgemäßen Gestaltung und regionaler Bautradition haben es die Preisträger geschafft, attraktive Orte mit eigener Identität zu schaffen“, heißt es in der Begründung der Jury.

„Die Plaketten weisen nun zusätzlich auf die vorbildhaften und zukunftsweisenden Projekte hin und rücken die Bauten dauerhaft in den Blickpunkt“, erklärte Dr. Worms. Über die Anerkennung zeigte sich die Bürgergruppe sichtlich erfreut. „Unsere Arbeit findet kein Ende, da immer wieder Häuser von Leerstand bedroht sind“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

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