Freiwillige Feuerwehr Wanfried

Menschen in Gefahr: Wanfrieder Feuerwehr bei geheimer Alarmübung im Wald

Die Beine sind eingeklemmt: Mit großer Sorgfalt befreien die Wanfrieder Feuerwehrleute die Puppe, indem sie mit dem Spreizer den Baum anheben und für mehr Stabilität immer wieder mit Holzkeilen unterfüttern.
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Die Beine sind eingeklemmt: Mit großer Sorgfalt befreien die Wanfrieder Feuerwehrleute die Puppe, indem sie mit dem Spreizer den Baum anheben und für mehr Stabilität immer wieder mit Holzkeilen unterfüttern.

Die Sirenen heulen, die Freiwillige Feuerwehr Wanfried eilt zum Unfallort im Wald. „Menschenleben in Gefahr“, meldet die Zentrale. Was die Männer nicht wissen: Es ist eine geheime Übung.

Wanfried – Nur wenige Menschen wussten von der geheimen Alarmübung, zu der die Freiwillige Feuerwehr Wanfried am Dienstagabend ausgerückt ist. Die Einsatzzentrale meldet den Feuerwehrleuten gegen 18.30 Uhr den Code „H-Klemm 1 Y“. Übersetzt: Hilfeleistung für eingeklemmte Personen – Menschenleben in Gefahr. Die Mission: Zwei schwer verletzte Waldarbeiter retten.

Aber alles auf Anfang: Eine Stunde früher treffen sich Wanfrieds stellvertretender Stadtbrandinspektor und Wehrführer Benjamin Kleinpeter, sein stellvertretender Wehrführer Daniel Ohnesorge und Maurice Deubel von Hessen-Forst an der Feuerwache. Die drei haben diese Übung ausgeheckt. Eingeweiht sind nur wenige. Darunter Stadtbrandinspektor Benedikt Beckmann sowie die Behörden, mit denen diese Übung vor einigen Tagen abgesprochen werden musste, etwa die Leitstelle, die Polizei, Hessen-Forst und der Bürgermeister.

Die Vorbereitungen

Für den Aufbau der Übung geht es in den Wald an der Kreisstraße 13 von Wanfried in Richtung dem thüringischen Döringsdorf. Auf etwas mehr als halber Höhe befindet sich der geplante Unfallort – verborgen auf einem Hang hinter dichten Bäumen. Unter je einem gefällten Baum drapieren Kleinpeter, Ohnesorge und Deubel zwei lebensgroße Puppen, die 50 und 80 Kilo wiegen.

Sie platzieren die beiden 50 und 80 Kilogramm schweren Puppen im Wald: Wanfrieds stellvertretender Wehrführer Daniel Ohnesorge (von links), Maurice Deubel von Hessen-Forst und Wehrführer Benjamin Kleinpeter.

Das Szenario: Zwei Forstwirte hatten einen schweren Unfall bei ihren Waldarbeiten. Einer liegt mit dem Oberkörper eingeklemmt unter dem Baum und ist lebensbedrohlich verletzt. Beim anderen sind die Beine unter dem schweren Stamm eingequetscht. „Wir wollen zwei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade schaffen“, erklärt Benjamin Kleinpeter, während er sein Funkgerät aus dem Auto holt. Es sei ein Einsatz, den man nicht alle Tage hat.

Der Einsatz

Um 18.33 Uhr ruft Benjamin Kleinpeter auf der Leitstelle an: „Es geht los.“ Ein paar Sekunden ist es mucksmäuschenstill im Wald. Einzig der Wind raschelt leise in den Bäumen. „Das ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt Daniel Ohnesorge. Dann piepen laut die Funkmelder. „Jetzt sind in Wanfried einige ganz nervös“, sagt Kleinpeter mit einem Grinsen.

Um 18.38 Uhr weicht die friedliche Waldstille lautem Sirenengeheul aus dem Tal. Gruppenführer Oliver Fehrmann meldet sich über Funk. Die Ersten sind schon unterwegs. Kurz darauf sind weitere Sirenen zu hören. Die Autos schlängeln sich die kurvige und enge Straße den Berg hinauf. Über Funk laufen weitere Absprachen. Die ersten beiden großen Einsatzfahrzeuge kommen um 18.44 Uhr mit Blaulicht an. Zwei Weitere folgen kurz darauf. Oliver Fehrmann steigt aus, erklimmt den Hang und hastet in den Wald, um die Situation einzuschätzen. Danach geht alles ganz schnell. 20 Feuerwehrleute verlassen die Fahrzeuge, die Gruppenführer Oliver Fehrmann und Tim Stingel unterweisen kurz die Mannschaft.

Dann schwärmen sie aus, jeder hat seine Aufgabe. Die einen sprinten durch das dichte Gestrüpp zum Unfallort, andere holen die notwendigen Geräte aus den Feuerwehrfahrzeugen, einen Kompressor, Tragen und Holzkeile. Gelbe und rote Luftschläuche ebenso wie eine Pressluftflasche werden in den Wald getragen.

Eingeteilt in zwei Gruppen kümmern sich die Feuerwehrmänner parallel um die beiden Fälle. Links werden die eingeklemmten Beine befreit, rechts die Puppe, die ganz unter dem Baum begraben ist. Mit einem Spreizer auf der linken Seite heben sie Stück für Stück den Baum an, rechts stemmen Hebekissen, in die Luft gepumpt wird, den Stamm empor. Holzklötze schieben sie zur weiteren Stabilisierung unter, damit der Baum nicht abrutschen und wieder auf den Verletzten fallen kann.

Rettung geglückt: Auf der Trage transportieren die Einsatzkräfte die Puppe ab.

Nach etwa fünfzehn Minuten ist der Erste befreit, kurz darauf der Zweite. Behutsam heben die Feuerwehrleute die Puppen auf die Tragen, schnallen sie fest. Mit vier bis sechs Mann manövrieren sie die Tragen zwischen den dichten Bäumen hindurch, herausfordernd ist der Hang, den sie die Verletzten zur Straße hinab transportieren müssen. Gegen 19 Uhr ist die erste Puppe geborgen, drei Minuten später die zweite.

Das Fazit

Bei der Nachbesprechung zeigen sich die Organisatoren zufrieden, insbesondere, da die Einsatzkräfte so zügig und zahlreich vor Ort waren und die Aufgabe Ernst genommen haben. Wichtig ist bei der gemeinsamen Nachbesprechung aber auch der Blick darauf, was beim nächsten Mal etwas besser laufen soll. Die Wehrführer wünschen sich zum Beispiel mehr Kommunikation und genauere Absprachen. „Aber dafür sind wir ja heute hier, um genau das zu üben“, sagt Benjamin Kleinpeter. (Von Jessica Sippel)

Noch mehr Fotos vom Einsatz in der Fotostrecke:

Geheime Alarmübung der Freiwilligen Feuerwehr Wanfried im Wald

Zwei Forstwirte liegen schwer verletzt im Wald bei Wanfried, eingeklemmt unter Bäumen. Zu diesem Notfall rückte die Wanfrieder Feuerwehr aus. Was sie nicht wussten: Es ist eine Übung.
Zwei Forstwirte liegen schwer verletzt im Wald bei Wanfried, eingeklemmt unter Bäumen. Zu diesem Notfall rückte die Wanfrieder Feuerwehr aus. Was sie nicht wussten: Es ist eine Übung.
Zwei Forstwirte liegen schwer verletzt im Wald bei Wanfried, eingeklemmt unter Bäumen. Zu diesem Notfall rückte die Wanfrieder Feuerwehr aus. Was sie nicht wussten: Es ist eine Übung.
Zwei Forstwirte liegen schwer verletzt im Wald bei Wanfried, eingeklemmt unter Bäumen. Zu diesem Notfall rückte die Wanfrieder Feuerwehr aus. Was sie nicht wussten: Es ist eine Übung.
Geheime Alarmübung der Freiwilligen Feuerwehr Wanfried im Wald

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