Parallelen zur Entwicklung der Bundes-SPD

Fraktionsvorsitzender Benjamin Franke verlässt Wanfrieder SPD

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Hat den SPD-Fraktionsvorsitz in Wanfried abgegeben: Benjamin Franke. Die Nachfolge steht noch nicht fest. Drei könnten sein Mandat übernehmen.

Mit seinem Statement zum Ende der Sitzung hat SPD-Fraktionsvorsitzender Benjamin Franke für ein Luftanhalten im Plenum gesorgt.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Mitteilungen“ ergriff der 37-Jährige das Wort und kündigte seinen Abschied aus der Stadtverordnetenversammlung an. Frankes Weggang ist der vorläufige Höhepunkt einer zusammenschmelzenden Volkspartei, die vor wenigen Jahren noch die absolute Vormachtstellung in Wanfried hatte. Parallelen zur Bundespartei lassen sich nicht verleugnen.

Eitel Sonnenschein vor 15 Jahren 

Noch vor 15 Jahren herrschte eitel Sonnenschein bei den Wanfrieder Sozialdemokraten. Sie stellten den Bürgermeister im Rathaus, die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und folgerichtig auch den Parlamentsvorsitzenden. So waren die Verhältnisse seit dem Zweiten Weltkrieg und niemand in der Wanfrieder SPD dachte daran, dass sich etwas ändern würde. Doch dann begann die Übermacht zu bröckeln.

Los ging es mit der überraschenden Wahlniederlage von Bürgermeister und Amtsinhaber Otto Frank im Jahr 2007. Seit 1989 fest an der Spitze der Stadt etabliert, unterlag er dem Herausforderer Wilhelm Gebhard (CDU) überraschend im ersten Wahlgang. Zu diesem Zeitpunkt hatte die SPD ihre Dominanz im Stadtparlament schon eingebüßt. 2001 wählten noch drei von fünf Wanfriedern die SPD, 2006 war es „nur“ noch jeder Zweite. Für die absolute Mehrheit reichte es dennoch.

Machtverhältnisse kehrten sich um

Das sollte sich 2011 ändern. Die Machtverhältnisse in Wanfried kehrten sich um. Die SPD kam nur noch auf 43 Prozent. Und auch die Bürgermeisterwahl 2013 sollte nicht die Trendwende bringen. Denn: Einen eigenen Kandidaten stellte die Partei in diesem Jahr nicht auf.

Inhaltlich setzte die SPD von da an wieder mehr auf Attacke. Erwin Neugebauer setzte die Union immer wieder gezielt unter Druck, ohne dabei seine unaufgeregte Art aufzugeben. Aus gesundheitlichen Gründen stellte er vor zwei Jahren sein Amt zur Verfügung; Benjamin Franke und Lisa Susebach, zwei junge, frische Abgeordnete, versprachen neuen Schwung. 2019 hatte die SPD auch wieder einen eigenen Kandidaten. Wirkliche Siegchancen räumte dem mutigen, aber politisch unerfahrenen Matthias Philipp niemand so wirklich ein, was sich am Ende bestätigte. Viele Stimmen, auch aus den eigenen Reihen, hätten sich zu diesem Zeitpunkt gewünscht, dass die Fraktionsspitze um Lisa Susebach oder Benjamin Franke ins Rennen gegangen wären. Immerhin sind sie waschechte Wanfrieder und trotz ihres jungen Alters politisch erfahren.

Inhaltlich nicht in Bedeutungslosigkeit versinken

Aber vielleicht wusste Benjamin Franke vor einem Jahr schon, dass seine Motivation für die Lokalpolitik nicht mehr bei 100 Prozent liegt. „Man soll Dinge beenden, bevor man sie schlecht macht“, sagte er am Dienstagabend vor dem Parlament, dem man das Bedauern durchaus anmerkte. Denn Franke war jemand, der Schwung in das Parlament brachte, weil er für sozialdemokratische Werte einstand und sie gut anzubringen wusste.

Die SPD in der Stadtverordnetenversammlung muss jetzt aufpassen, dass sie inhaltlich nicht in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Schon am Dienstag gab es trotz zukunftsweisender Themen wie dem neuen Gewerbegebiet keine Wortmeldung dazu. Und die Konkurrenz bringt sich neun Monate vor der Kommunalwahl 2021 in Stellung. Der Ortsverband Die Linke hat sich im September gegründet und versucht nun, die inhaltliche Lücke zu schließen, die die SPD auflässt. Sie hat sich auch ohne Mandat zum Gewerbegebiet geäußert und war am Dienstag im Zuschauerraum stark vertreten.

Die SPD muss um ihre Daseinsberechtigung kämpfen – schon allein wegen ihrer Verdienste in der Vergangenheit – in Wanfried wie im Bund.

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