Den Weg frei gemacht

Vor 25 Jahren: Bauunternehmen Zinngrebe baut fünf Grenzübergänge aus

Mit Gummiradwalze, Fertiger und statischer Walze: Die Firma Zinngrebe hat im Dezember 1989 zuerst den Grenzübergang passierbar gemacht und im Frühjahr die Straße zwischen Wanfried und Mühlhausen auf elf Kilometern ausgebaut. Foto: Gerhard Zinngrebe/nh

Wanfried/Eschwege. Gerne denkt Gerhard Zinngrebe an jene unbürokratischen Tage nach der Grenzöffnung 1989 zurück. „Es war alles so einfach damals“, erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer des Bauunternehmens Zinngrebe in Eschwege.

Am Abend des 12. November meldete sich die Straßenbauverwaltung Eschwege bei dem Unternehmer. Ob sein Betrieb noch Kapazitäten frei habe, wollte die Behörde wissen. Der Grenzübergang Katharinenberg bei Wanfried müsse passierbar gemacht werden. Zinngrebe hatte Kapazitäten. Damit begannen spannende Monate für das Unternehmen.

Nach kurzer Planung, schnellem Baubeginn und der konstruktiven Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen Beck und Bommhardt wurde innerhalb kürzester Zeit der Grenzübergang Katharinenberg fertiggestellt. Mit dem Hydraulikhammer riss die Firma Zinngrebe Straßensperren und Zäune nieder. Innerhalb von nur drei Tagen wurde mit den konkurrierenden Firmen eine „Straße des Friedens“ gebaut, wie der damalige Landrat Dieter Brosey das erste Verkehrsprojekt Deutsche Einheit nannte. Dabei wurde der wirtschaftliche Wettbewerb hintenangestellt.

Eine Ausschreibung gab es nicht, allen Firmen wurden Einheitspreise gezahlt. 700 000 D-Mark kostete der erste hergerichtete Grenzübergang. Die Kosten übernahm damals das Land Hessen. Aus einer Schlammpiste wurde innerhalb von vier Wochen eine stabile Straße. Die war auch bitter nötig. Der Ansturm in den ersten Wochen war immens. Rund 4000 Autos passierten den Grenzübergang damals Tag für Tag.

An insgesamt fünf Grenzübergängen war die Firma Zinngrebe beteiligt. Sie machte auch den Weg nach Großburschla, nach Geismar und von Bad Sooden-Allendorf aus nach Wahlhausen und Asbach frei. „Weil der Übergang Frieda-Geismar noch vor Heiligabend fertig wurde, konnten Menschen aus Ost und West problemlos die heilige Messe auf dem Hülfensberg feiern“, sagt Gerhard Zinngrebe. Überhaupt wurde in diesen Tagen viel gefeiert. Bei jeder Straßenfertigstellung gab es ein großes Fest.

Nach den spontanen Arbeiten 1989 folgten die langfristigen Planungen. Im Frühjahr 1990, vor genau 25 Jahren, wurden die ersten Projekte fertiggestellt. Zwischen Wanfried und Mühlhausen wurden rund elf Kilometer Straße neu gemacht. „Die Strecke war in einem desolaten Zustand und entsprach nicht mehr den Anforderungen, die Kraftfahrer an den modernen Straßenverkehr stellen“, sagt Zinngrebe. Außerdem kümmerte sich Zinngrebe um die B 80 zwischen Uder und Arenshausen und die Ortslage von Leinefelde.

Von Tobias Stück

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