Aus Sicherheitsgründen musste ein Wirtschaftsgebäude des Gutshofes in Aue abgerissen werden

Große Lücke klafft im Ortsbild

Dem Erdboden gleichgemacht: Die Wirtschaftsgebäude wurden als Sicherheitsrisiko eingestuft und abgerissen. Monatelang war die Straße zum Hohen Rain gesperrt. Foto: Wetzestein

Aue. Der Giebel ist offen. Er lässt einen Blick ins Innere eines imposanten Gebäudes zu. Daneben türmen sich Ziegelsteine, zerborstene Hölzer, Dachziegel und kleinere Sandsteinbrocken. Wo sonst ein Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes an der Hauptstraße in Wanfried-Aue stand, hat man jetzt einen freien Blick auf das Herrenhaus und das Betonsilo vergangener Zeiten. Regen und Sturm können ungehindert den offenen Gebäudeteil weiter angreifen.

Was im April 2012 von der Baubehörde durch Sperrung der Straße als Sicherungsmaßnahme begann, nahm ein Jahr später sein jähes und für Fachwerk schlimmstes Ende. „Wir mussten die Straße über ein Jahr sperren, weil eine Wand einsturzgefährdet war“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der versucht hatte, mit dem Besitzer eine andere Lösung zu finden. „Die Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach versucht, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen.“ Auch der Kreis habe mehrere Anläufe unternommen, den Abriss zu vermeiden. Aufforderungen und Fristen die gestellt wurden, habe der Eigentümer jedoch verstreichen lassen, da er offenbar „kein Interesse an Gesprächen mit der Stadt hatte“, sagt Gebhard. Es habe dann keine Alternative zum Abriss gegeben. Hans-Jürgen Germerodt vom Heimatverein Aue bedauerte dieses Ergebnis. „Seitens des Bauamtes wurde uns versichert, dass das Dach einsturzgefährdet war.“ Denkmalbehörde und Bauamt sahen keine andere Möglichkeit mehr, als den Abriss als Sicherungsmaßnahme in Auftrag zu geben.

Somit klafft jetzt eine große Lücke im Gebäudeensemble des Kulturdenkmals. Der Gutshof ist als „schützenswerte Bausubstanz“ in der Denkmaltopografie des Werra-Meißner-Kreises eingetragen. Und genau davon wurde jetzt etwas weggerissen. Kosten: mehrere Zehntausend Euro.

Was aus dem Bauschutt und dem offenen Gebäudeteil wird, darüber hat Germerodt keine Information. Er bedauert, dass der größte Teil historischer Bausubstanz weggeschafft wurde. Brettziegeln hätten für die Sanierung der Wasserburg verwendet werden können. Ob der Eigentümer mit dem Abtransport der Baustoffe einverstanden war, ist unklar. Für das Ortsbild von Aue ist nicht nur die große Lücke tragisch, sondern auch die Tatsache, dass aufgrund fehlender First- und Gradziegeln auf einigen anderen Gebäuden diesen das gleiche Schicksal droht. (dw)

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