Stundenlang eingewickelt

Großer Andrang beim Strohbärentag in Heldra

Heldra. Die Erlösung kommt erst am späten Nachmittag. Doch bis dahin heißt es: Wärme und Harndrang ignorieren und wenn es irgendwo kneift und juckt, notfalls um Hilfe bitten. Die vier jungen Männer, die für den Strohbärentag in Heldra in die Bündel eingewickelt werden, nehmen für das Traditionsfest so einiges auf sich.

Levin Nitschke, Marco Sippel, Stefan Migenda und Eike Sieland machen trotzdem gerne und freiwillig mit. Viele Alternativen gibt es wohl auch nicht, denn eine Bedingung gibt es: Die Strohbären müssen aus Heldra stammen, und von den rund 500 Einwohnern dürfen jene, die den Strohbär schon zehnmal verkörpert haben, nicht mehr mitmachen. Sie sind die „Altbären“, die Nitschke und seine Kollegen jetzt in jeweils bis zu 30 Kilo Stroh einwickeln. Der 21-Jährige ist angesichts des eher kühlen Wetters froh: „Richtig schwierig wird es, wenn es draußen ohnehin warm ist.“ Denn schon so werde es im Kostüm bis zu 50 Grad warm. Nitschke weiß, wovon er spricht. Er verkörpert bereits zum dritten Mal einen Strohbär. Dass er sich schon bald für mehrere Stunden nicht mehr bewegen kann und sich daher von seiner „Bärenführerin“ an einer Kette durchs Dorf leiten lassen muss, macht ihm dagegen nichts aus. „Die Eigenständigkeit abzugeben, ist doch auch mal ganz schön“, sagt er augenzwinkernd.

Das Zuschauerinteresse ist schon beim morgendlichen Einwickeln groß. „Den Aschermittwoch trägt sich hier jeder sofort als freien Tag ein“, sagt Miriam Felsberg, die gemeinsam mit anderen Helferinnen Stroh um meterlange Stangen wickelt, die später an den Kostümen der Bären befestigt werden. Die Prozedur des Wickelns erfordert viel Geduld. Die Helfer reißen und rucken an den Seilen, mit denen das Stroh festgebunden wird. Manchmal hilft auch ein heftiger Tritt, um die Halme in die richtige Position zu bringen. Begleitet wird das alles von mehreren Kamerateams. Der Strohbärentag, der im ehemaligen Hugenottenort eine lange Tradition hat, interessiert auch außerhalb der Region. Der Hessische Rundfunk und RTL sind gekommen, um das Fest, mit dem das Austreiben des Winters symbolisiert wird, zu begleiten. Früher seien es mal Tiere gewesen, die man mit dem Stroh verkleidet hätte, erzählt Eike Sieland. Warum das nun seit etwa 70 Jahren Menschen sind, weiß er auch nicht.

Nicht ganz geheuer sind die riesigen Strohbären den kleinen Kindern, die mit großen Augen auf die Fantasiewesen starren. Einige trauen sich, zaghaft über das Stroh zu streichen. Andere halten lieber ein paar Schritte Abstand. Immerhin dürfen sie ganz nah dabei sein, während einige der Anwesenden sich heftig beklagen, dass in Wanfried nicht alle Schüler aus Heldra, wie in den Jahren zuvor, rechtzeitig zum Umzug freigestellt wurden.

Strohbärentag in Heldra

Von Lasse Deppe

Rubriklistenbild: © WR/Deppe

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