Die Goldene Generation der Grün-Weißen

Gute Freunde haben viel bewegt: Völkershäuser Handballer waren eine Macht

Die Handballer vom TSV Völkershausen beim Mannschaftsfoto.
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Die Grünweißen vom TSV Völkershausen aus alten Tagen: (vorne von links) Reiner Lieberum, Volker Kalwinsky und Bernd Bogatsch. Hintere Reihe von links: Horst Böhning, Gerhard-Heinz Ritzau, Wolf-Peter Ritzau, Peter Schmerfeld, Hans-Jörg Rathgeber, Manfred Schneider.

Der Handballsport hat sie gute Freunde werden lassen, und sportlich reifte sie zur starken Macht: die goldene Generation des TSV Völkershausen.

Leider mussten die Nachfolger der Generation im Jahre 2013 den Schlussstrich unter eine Ära ziehen, die zuvor 64 von viel Erfolg gekrönte Jahre andauerte.

„Völkershausen ist ein kleines Dorf, wir mussten immer hart kämpfen, um im Handball personell spielfähig zu bleiben“, weiß der 73-jährige Manfred Schneider zu berichten, dass sich der TSV mit Ausnahme der sechs Jahre, als mit Weißenborn eine Spielgemeinschaft gebildet wurde, die Männermannschaft weitgehend aus Spielern des TSV rekrutiert hat.

„Ja, wir können auf viele Eigengewächse stolz sein, das war nicht nur in unserer langen Karriere so, auch später kam die über Jahre praktizierte gute Jugendarbeit zum Tragen“, weiß Manfred Schneider, der neben Gerhard Ritzau, Horst Böhning, den Brüdern Peter und Werner Voss sowie Klaus und Volker Kalwinsky, Jörg Rathgeber, Jürgen Weyh, Horst und Reiner Lieberum zu den Legenden gehörte, die das grünweiße Trikot getragen haben.

Verstärkung vom Eschweger TSV

„Einen Spieler können wir da mal besonders hervorheben, weil er von Frieda aus den Weg nach Völkershausen gefunden hat. Als Torwart des früheren Verbandsligisten hat Bernd Bogatsch schon für den ETSV Geschichte geschrieben, dass er unser Altherrenteam enorm verstärkt hat, haben wir dankbar registriert“, erklärt Manfred Schneider beim WR-Gespräch.

„Es hat schon sehr wehgetan, als wir 2013 die Entscheidung treffen mussten, uns aus dem aktuellen Spielbetrieb zurückzuziehen“, blickt er auf die Überschrift der Werra-Rundschau, die da lautete: „Das Ende der grünweißen Wand.“

Warum grünweiße Wand? „Das ist schnell erklärt, schon seit der Gründung in 1949 waren Grün und Weiß unsere Vereins- und entsprechend auch unsere Trikotfarben. Und die Wand stand schon sehr gut in der Defensive mit den vielen groß gewachsenen Spielern, die natürlich aufgrund der Körpergröße auch im Angriff Wurfstärke demonstrierten. Aber das Einreißen der besagten Wand war unumgänglich“, bedauert Manfred Schneider die Auflösung.

64 Jahre Handballgeschichte mit zahlreichen Anekdoten

64 Handballjahre haben natürlich viele Geschichten, lustige Anekdoten oder ganz einfach Erlebnisse ans Tageslicht gebracht, die in die TSV-Annalen eingegangen sind.

„Das begann auf dem Großfeld, wegen fehlender Hallen waren seinerzeit nur Spiele auf den Sportplätzen im Kreis möglich, auch Kleinfeldhandball hielt erst viel später Einzug. Wenn wir sonntags gespielt haben, war das ganze Dorf auf den Beinen, gerade bei den heißen Duellen gegen Wanfried oder Röhrda. Schon vor dem Anpfiff bekamen wir Angebote von unseren treuen Anhängern: Wenn ihr heute gewinnt, gibt es beim anschließenden Schoppen in der Schenke die ersten drei roten Würste von mir. Duschräume gab es damals noch nicht, und als wir nach der gemütlichen Siegesfeier, an der, nicht wie heute, ausnahmslos alle teilgenommen haben, mit reichlich Schlagseite nach Hause kamen, ging es gleich in die Falle. Den Dreck vom Sportplatz haben wir am anderen Morgen auf der Toilette an der Arbeit von den Knien gekratzt“, schmunzelt Manfred Schneider, wenn er daran zurückdenkt.

„Als sich der Hallenhandball etablierte, mussten wir zu den Spielen zum Bundesgrenzschutz auf die Rinne nach Eschwege fahren, eine andere Sporthalle gab es nämlich nicht. Unser Peter Voss, den es zwischenzeitlich nach Pforzheim zog, war Garant, dass wir 1966 alle Serienspiele gewonnen haben. Doch den Kreismeistertitel wollte uns der VfL Wanfried entreißen, legte Protest ein, weil angeblich Peter Voss noch nicht spielberechtigt war. Als aber aus Pforzheim die ordnungsgemäße Abmeldung vorlag, wurde uns der Titel doch zugesprochen“, blickt Manfred Schneider auf das nächste Spiel gegen Wanfried.

„Wir haben uns mit sechs Spielern in die Abwehr gestellt und die Wanfrieder unbedrängt werfen lassen, weil wir wegen des Protestes stinksauer waren. Als wir bei der damals verkürzten Spielzeit, verkürzt deshalb, weil dort auf der Rinne alle Kreismannschaften nach genauen Plänen in Turnierform gefordert waren, mit 0:11 zurücklagen, drohte der Schiedsrichter mit Abbruch. Da haben wir dann aufgedreht und 16:14 gewonnen“, weiß der 73-Jährige zu erzählen.

Ottmar Sutter war zu Gast

„Unser leider viel zu früh verstorbener Gerhard Tippach pflegte einen engen Kontakt zum Feldhandball-Nationalspieler Ottmar Sutter aus Harleshausen, spendierte ihm einen einwöchigen Urlaub in Völkershausen mit der Verpflichtung, jeden Abend mit uns zu trainieren. Das hat uns riesigen Spaß bereitet, die Schulung in Sachen Technik, Taktik und Wurfvarianten war einmalig, und wer uns kennt, der weiß, dass auch jeden Abend die Biergläser geflogen sind. Übrigens: Die Sutter-Elf nahm in den 50er-Jahren sechsmal an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teil.“

Handball gegen Fußball

Auch ein freundschaftlicher Vergleich mit dem VfL Wanfried sei zu Beginn der 70er- Jahre reizvoll gewesen. „Erst haben wir Fußball gespielt, dabei zählte jedes Tor für uns dreifach, beim Handball für die Fußballer doppelt. Selbst als eines der Tore umgefallen ist, haben wir reagiert, sind nach Aue gefahren und haben weitergespielt. Dank meiner beiden Tore beim Fußball haben wir 6:4 gewonnen“, spricht Manfred Schneider den hohen Spaßfaktor an und dass er und seine „grünweißen Freunde“ eine wunderbare Zeit mit einzigartigem Gemeinschaftsgeist hatten. „Das war einfach nur schön“, sagt Schneider.

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