Zwei Festnahmen in Heldra zum Freipressen

Historiker forscht nach Vorfällen an DDR-Grenze vor über 60 Jahren

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Idyllischer Blick auf Großburschla, Heldra, Wanfried, Werratal: Im Vordergrund

Zwei der Männer – der Kraftfahrer Mexner aus Erfurt von der Allgemeinen Transport-Vereinigung (ATV) sowie Karl Danz aus Farnroda, der Leiter der Bauunion Eisenach – wurden festgenommen und der Wagen sichergestellt.

Mexner und Danz wurden zunächst zur Zollaufsichtsstelle in dem heutigen Wanfrieder Stadtteil Heldra gebracht, die beiden anderen Insassen hingegen durften unbeschadet sofort in die DDR zurückkehren. Dieser Vorfall ereignete sich im Jahr 1952. Der Bericht darüber dient dem Autor Gerhard Schätzlein dazu, Zeitzeugen über die Zeit insbesondere von 1945 bis 1950 an der Demarkationslinie zwischen Ost- und Westdeutschland zu finden.

Der Historiker, der im Auftrag des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin Hinweise auf Ereignisse an der damaligen Grenze vor über 60 Jahren sucht, will Licht in viele Vorfälle dieser „damaligen ungesetzliche, dramatischen, schweren Zeit“ bringen. Die Werra-Rundschau unterstützt ihn dabei. Ziel der Festnahme am 17. Juni 1952 in Heldra war, so zumindest wurde es damals von der Deutschen Grenzpolizei (Ost) geschildert, einen Mann namens Ruhland freizupressen.

Ein Kapitän des CIC, der damaligen Spionageabwehr des US-Militärs, drohte dem Bericht zufolge bei der Vernehmung der Festgenommenen in Eschwege nämlich damit, dass noch weitere 20 Bürger der DDR festgenommen würden, wenn der gewisse Ruhland nicht wieder in die Westzone entlassen wird. Tatsächlich wurde auf Anweisung eines Grenzkommandeurs der Stasi in Eisenach der „R.“ wieder in die Westzone entlassen. Im Gegenzug kamen auch Mexner und Danz samt Auto „aus dem Westen zurück“.

Hintergrund

Der Historiker und Buchautor Gerhard Schätzlein aus Willmars (Landkreis Rhön-Grabfeld) sucht „Überlieferungen zu Todesfällen an der Zonengrenze“ zwischen 1945 und 1949. Gleichzeitig nutzt er die wohl letzte Möglichkeit, diese Zeit intensiver zu untersuchen. Er bittet die Zeitungsleser mitzuteilen, was in den ersten Jahren nach 1945 an der einstigen Grenze vorgefallen ist. Ihn interessieren nicht nur Zeit- und Ohrenzeugen von besonderen Vorfällen, sondern auch Briefe, Fotos und Berichte mit Hinweisen auf. Die WR wird alle Informationen weiterleiten. (sff)

Kontakt: Werra-Rundschau, Vor dem Berge 2, 37269 Eschwege, redaktion@werra-rundschau.de.

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