„Am Anfang musste ich schon kämpfen“

Interview: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard ist heute seit genau zehn Jahren im Amt

Seit zehn Jahren Chef im Rathaus: Wanfrieds Bürgermeister Wilhem Gebhard. Foto: privat

Wanfried. Heute ist Wilhelm Gebhard zehn Jahre im Amt des Bürgermeisters. Wir sprachen mit ihm über seine Anfänge, seine schwersten Entscheidungen und über die Zukunft von Wanfried.

Herr Gebhard, mit zehn Jahren Abstand: Fiel Ihnen der Start als Bürgermeister 2007 so leicht wie erhofft?

Wilhelm Gebhard: Nein, am Anfang hatte ich ziemlich zu kämpfen. Alles war neu, alles war anders. Ich spürte eine hohe Erwartungshaltung, hatte auf einen Schlag viel Verantwortung. Man darf dabei nicht vergessen, dass ich zum Amtsantritt noch vergleichsweise jung war. Die Verwaltung hat mich nach 18 Jahren unter meinem Amtsvorgänger Otto Frank auch erst mal kritisch unter die Lupe genommen. Für die Unterstützung und Loyalität bin ich heute sehr dankbar. Es ist ein gutes Miteinander.

Und politisch?

Gebhard: Herrschte zunächst eine raue Gangart. Die SPD konnte es in den ersten Jahren meiner Amtszeit nicht verkraften, dass ich die Wahl gewonnen hatte. Ich wurde ständig angetestet, ob der Neue es auch kann. Den Umgang damit musste ich lernen.

Wann veränderte sich die Stimmung?

Gebhard: Als man merkte, dass ich auf jede Frage eine Antwort habe und spätestens mit der Kommunalwahl 2011, als ich eine politische Mehrheit hinter mir vereinen konnte. Heute arbeite ich mit allen politischen Fraktionen gut zusammen.

Obwohl in den vergangenen zehn Jahren Entscheidungen getroffen werden mussten, die hart diskutiert wurden: Welche zählen Sie zu ihren Erfolgen?

Gebhard: Zunächst den Rückgang der Bevölkerung zu bremsen. Das haben wir geschafft, indem wir viele Neubürger gewonnen haben. Das hängt sicherlich mit der konsequenten Vermarktung der Stadt Wanfried zusammen, die ich mir von Anfang an auf die Fahnen geschrieben habe. Der Bekanntheitsgrad von Wanfried ist dadurch immens gestiegen. Unpopulär, aber richtig war die Entschuldung der Stadt. So konnte es nicht weitergehen.

Für die Entschuldung musste eine unpopuläre Steuererhöhung getroffen werden. Wie sehr hat sie das belastet?

Gebhard:Da hatte ich viele schlaflose Nächte. Wir haben erst interfraktionell nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Erst als es keine mehr gab, haben wir uns an die Steuern herangewagt. Da war es dann leider mit der Einigkeit vorbei, obwohl wir uns vertraglich zu einem ausgeglichenen Haushalt verpflichtet hatten. Die Steuererhöhung habe ich sehr ungern gemacht, aber es war unumgänglich. Es ist mein erklärtes Ziel, die Steuern wieder zu senken, sobald es die Finanzen zulassen.

Wann wird das sein?

Gebhard: Wenn sich der Haushalt weiter so positiv wie im Moment entwickelt, dann vielleicht schon zum nächsten Jahr. Wir arbeiten dran.

Haben Sie ein Konzept, wie man als Bürgermeister sein muss?

Gebhard: Ich bin immer ansprechbar, immer präsent und kommunikativ. Ich kümmere mich gerne auch um die kleinen Dinge, die die Menschen bewegen. Das ist aber kein Konzept, sondern mein Naturell und schafft zudem Vertrauen in die Politik. Allerdings bringt das mein Zeitmanagement oft gehörig durcheinander. Dabei darf man die großen Ziele und die schwierigen Themen nicht aus dem Auge verlieren.

Welche Herausforderungen erwarten Wanfried in der Zukunft?

Gebhard: Wir wollen zunächst den eingeschlagenen Weg konsequent beibehalten. Der Breitbandausbau soll 2019 hier abgeschlossen sein. Gewerbe anzusiedeln ist und bleibt weiter eines meiner großen Ziele. Eine große Herausforderung wird aber die Landarzt-Versorgung sein.

Von sechs Allgemeinmedizinern in Wanfried sind vier schon über 65 Jahre alt. Das Problem ist schon akut, oder?

Gebhard: Ja. Wir müssen jetzt jede Möglichkeit nutzen, um Ärzte aufs Land zu locken. Dazu gehört ebenso ein Landarzt-Stipendium wie auch der regelmäßige Kontakt zu Medizinstudenten, die aus der Region stammen, wie aktuell diskutiert. Ich würde auch nicht ausschließen, dass die Stadt Wanfried einen Mediziner finanziell unterstützt, damit er hier eine Praxis übernimmt. Bundesregierung und Kassenärztliche Vereinigung müssen den Beruf attraktiver gestalten.

Sie sind schon mit 31 Jahren Bürgermeister geworden. Gibt es berufliche Herausforderungen, die sie reizen?

Gebhard: Ich bin mit dem Amt des Bürgermeisters von Wanfried sehr zufrieden, übe es mit großer Leidenschaft und viel Zeitaufwand aus und möchte zudem noch viel für Wanfried erreichen. Im Frühjahr 2019 steht die nächste Bürgermeisterwahl an. Da möchte ich erneut kandidieren. Natürlich kann eine neue Aufgabe immer reizvoll sein. Momentan sehe ich aber keine neue Herausforderung für mich. 

Zur Person:

Wilhelm Gebhard (41) hat nach dem Abitur in Eschwege Betriebswirtschaft in Hannover studiert. Im Wanfrieder Druck-Unternehmen Kalden (heute H.O. Persiehl) und bei Friedola Tech hat er zuletzt im Vertrieb neue Kunden akquiriert und betreut. 2007 wurde Gebhard im Alter von 31 Jahren jüngster Bürgermeister von Wanfried. Am 5. Oktober trat er sein Amt an. 2013 wurde er mit fast 93 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. 

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