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Schützenverein Wanfried: Jede Menge Verantwortung

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Von: Theresa Lippe

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Beim 454. Schützenfest: Die Wanfrieder Schützenbrüder in ihren grünen Uniformen beim Umzug.
Beim 454. Schützenfest: Die Wanfrieder Schützenbrüder in ihren grünen Uniformen beim Umzug. © christoph braun/NH

Vereine halten unsere Gesellschaft zusammen. Seit Jahren haben sie mit Problemen zu kämpfen. Und dann kam auch noch Corona. Wir porträtieren besondere Vereine aus unserer Region.

Wanfried – Wie lange es den Wanfrieder Schützenverein schon gibt, das vermag selbst Wolf-Arthur Kalden nicht genau zu sagen, obwohl er 30 Jahre das Amt des Hauptmanns besetzte. Im Jahr 1568 wurde die Schützengilde Wanfried neu privilegiert. „Geschichtlich belegt waren also nur die Privilegien neu, wohl aber nicht die Schützengilde.“ Ein Blick auf das Vereinslogo: Dort ist das Jahr 1899 datiert. Kalden: „Der Schützenverein ist ein Kind des 19. Jahrhunderts mit Wurzeln, die weit in die Vergangenheit reichen.“ Doch das ist sicher nicht das Herausstellungsmerkmal des Vereins.

Zählt man die Jungschützen mit, kommt man auf etwa 150 Mitglieder – alle männlich. Auf die Frage, ob das nicht frauenfeindlich sei, antwortet Kalden: „Ohne die Frauen an unserer Seite würde beim Schützenfest gar nichts laufen.“ Sie seien ganz sicher kein Verein von Frauenhassern. „Viele Landfrauenvereine sind beispielsweise rein weiblich, im Grunde ist das nichts anderes“, ergänzt der ehemalige Festausschussvorsitzende Gerhard Jansa.

Wanfried: Schützenverein nimmt nur Jungen und Männer auf

„Jungs fehlen häufig männliche Vorbilde“, sagt Kalden. Im Verein würden sie fürsorglich und liebevoll, aber mit einer gewissen Strenge Kameradschaft, Disziplin und Verantwortung lernen. Jugendarbeit sei im Verein sehr wichtig, der Betreuer der Jungschützen sei gelernter Erzieher. Häufig fänden für die Kinder Aktivitäten statt, die nichts mit dem Schießsport zu tun hätten.

Mike Wenzel ist der neue Schützenkönig von Wanfried.  Jung-Schützenkönig wurde sein Sohn Merlin Wenzel.
Mike Wenzel ist der Schützenkönig 2022 von Wanfried. Jung-Schützenkönig wurde sein Sohn Merlin Wenzel. © Lippe, Theresa

Der Verein stehe auf drei Säulen: 1. Dem Schießsport, 2. der Kameradschaft und 3. der Organisation des Schützenfestes, welches der Verein auch finanziert. Wer Mitglied werden möchte – möglich ist das ab dem Grundschulalter – muss keine Aufnahmegebühr zahlen, der Jahresbeitrag beläuft sich auf etwa 100 Euro. Ein Wohnsitz in Wanfried ist kein Muss. „Es muss sich auch niemand ein Luftgewehr kaufen – es gibt vereinseigene Waffen, die man leihen kann“, erklärt Jansa.

Schützenverein Wanfried: viel Verantwortung für die Mitglieder

Was es bei den Wanfrieder Schützen jedoch nicht gebe, sei eine passive Mitgliedschaft. Kalden: „ Das bedeutet nicht, dass man aktiv an den Schießstand muss, aber eine aktive Teilnahme an den festen Terminen wird erwartet.“ Dazu zähle nicht nur der Jahreshöhepunkt des Vogelschießens, sondern auch verantwortungsvolle Aufgaben. „Stirbt ein Schützenbruder, tragen wir den Sarg, die Kompanie nimmt Aufstellung am Grab und so weiter.“ Eine Mitgliedschaft sei also nicht nur Spaß und Sportschießen, sondern auch jede Menge Verantwortung.

Deshalb gibt es eine einjährige Probezeit, in der sich die Jungen und Männer entscheiden können, ob das Vereinsleben, die Arbeitsdienste und der Schießsport das Richtige für sie sind. „Es sollte fester Wille und Wunsch sein, bei den Vereinstraditionen mitzumachen.“ Der Sinn für Gemeinschaft und Verantwortung sei echt, alles andere sei gespielte Disziplin. Kalden: „Wir tragen alle den gleichen grünen Hut und spielen innerhalb eigens gesetzter Grenzen einen gewissen Ernst.“

Wanfrieder Schützenverein hat knapp 150 Mitglieder

Ältestes Mitglied, das noch aktiv am Schießstand ist, sei Ewald Hillebrand mit 86 Jahre. Ältester Schützenbruder sei allerdings Gerhard Richter (94), am längsten dabei sei Karl Kremmer. Ob der Verein zukünftig auch Frauen aufnehme? „Ich will niemals nie sagen, aber aktuell ist das nicht in Planung“, so Kalden. Das Schützenhaus sei aber für alle offen, Frauen könnten dort genauso schießen wie Männer – nur eben nicht im Verein.

Von Theresa Lippe

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