Bedenken wegen öffentlicher Sicherheit

Kein Interesse an einem Urwald: Drei Positionen, die Wanfrieder Gegner von Flächenstilllegungen vorbringen

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Idylle pur: Unbewirtschaftete Waldflächen, wie hier im nordhessischen Reinhardswald, erinnern an die Reinform der heimischen Wälder. Nicht bei allen kommen diese naturbelassenen Waldformen gut an.

Wanfried. Gegen die geplante, aber noch nicht bestätigte Flächenstilllegung von Forstwald in der Gemarkung Wanfried, haben sich jetzt Vertreter unterschiedlicher Interessensverbände zusammengetan, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Wir fassen die drei Positionen zusammen.

1.Öffentliche Sicherheit: Die Stadt Wanfried befürchtet, dass die öffentliche Sicherheit nicht mehr gegeben ist, wenn der Wald nicht mehr bewirtschaftet wird. Durch das Gebiet rechts und links des Plessefelsens, das unbestätigten Berichten zufolge nicht mehr bewirtschaftet werden soll, ziehen sich zwei Premiumwanderwege. Herunterfallende Äste und umstürzende Bäume könnten zur Gefahr werden, findet die Stadt Wanfried. Außerdem sei die Zukunft des Plesseturms in Gefahr. Für die marode Aussichtsplattform wird gerade an einem Zukunftskonzept gearbeitet. Fast 24 000 Euro an Spenden wurden gesammelt. „Die Mühe können wir uns dann sparen“, sagt Vorstandsmitglied Wilhelm Gebhard.

Peter Feußner, der sowohl die Landwirte als auch die Jäger vertritt, hat ein weiteres Problem ausgemacht. Seinen Informationen zufolge würden die 800 Hektar sogenannten Urwalds dann nicht mehr bejagd werden können. „Dieser Wald wird ein Rückzugsort für Wildschweine werden, die in der Landwirtschaft großen Schaden anrichten können“, sagt der Ortslandwirt und Vorsitzende der Jagdgenossen.

2.Wirtschaftliche Interessen: Für Sägewerkbetreiber Lars Ruhlandt ist die regionale Wertschöpfung, durch die er sich mit seinem kleinen Betrieb am Markt halten konnte, dahin, wenn er sein Holz nicht mehr aus den umliegenden Wäldern beziehen kann. Gerade hat er einen mittleren sechsstelligen Betrag in die Modernisierung seines Familienbetriebs investiert. „Das hätte ich natürlich nicht gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass mir die Existenzgrundlage entzogen wird“, sagt Ruhlandt. In diesem Jahr stand das Sägewerk schon einmal vier Tage lang still, weil die Rohstoffe aus der näheren Umgebung ausgeblieben sind. Ruhlandt vermutet, dass die Lieferschwierigkeiten Vorboten der Flächenstilllegung im hessischen Staatswald sind. Normalerweise hat er sein Holz aus einem Umkreis von 50 Kilometern bezogen – mittlerweile sind es 150 Kilometer. Das ist jetzt nicht nur ein ökonomischer, sondern auch ein ökologischer Nachteil.

3.Umweltgedanke: Nach Meinung von Lars Schmidt, Generalsekretär des Bundesverbandes der Holzindustrie und Forstwirt, seien nichtbewirtschaftete Flächen schlecht für das Klima. Die Waldbewirtschaftung reduziere die CO2-Emission. Außerdem könne man auf weite Holzimporte verzichten.

Der Artenschutz sei weiter gegeben. Nach seinen Angaben sei durch die Bewirtschaftung des Waldes noch keine einzige Art ausgestorben. Die Forderung nach solch großen Flächen an Urwald sei mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt heute mehr als genug Flächen“, sagt Schmidt. Außerdem könne sich in den unbewirtschafteten Waldflächen Ungeziefer ausbreiten.

Entscheidung bis zum 17. Januar

Der gesamte hessische Staatswald soll nach den FSC-Kriterien des Standards 3.0 zertifiziert werden. Deshalb wurden in zwei ersten Schritten bereits rund acht Prozent der 342 000 Hektar Staatswald stillgelegt. Um das Ziel von zehn Prozent zu erreichen, müssen bis 2023 weitere 6400 Hektar sich selbst überlassen werden. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Januar soll eine Entscheidung fallen, welche Flächen infrage kommen, bestätigt der Sprecher des Umweltministeriums Misch Brüssel de Laskay. Danach wird von Hessen-Forst zusammen mit dem Forstamt Wehretal eine Informationsveranstaltung mit den örtlichen Kommunen, Naturschutz- und Tourismusverbänden einberufen. (ts)

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