Leerstand: Treffurt will von Wanfrieder Erfahrungen profitieren

Kamen zusammen, um sich über die Nutzung von Fachwerkhäusern zu unterhalten: Die Treffurter Stadträte sowie der Bürgermeister waren zu Gast in Wanfried. 

Wanfried. Die Nachbarstadt Treffurt will bei der Vermarktung ihrer leerstehenden Häuser von den Erfahrungen aus Wanfried profitieren. Bürgermeister und Stadträte waren jetzt zu Besuch. 

Die beiden Fachwerkstädte an der Werra, Treffurt und Wanfried, haben viele Gemeinsamkeiten: die Lage an der Werra, den Landesgrenzen und ähnliche Einwohnerzahlen, aber auch eine historisch wegweisende Geschichte. Die Jahrhunderte alte Fachwerkarchitektur zeugt davon, sie zu erhalten ist nicht leicht. Spätestens mit den Denkmalschutzgesetzen wird das Eigentum eines Einzelnen zum Kulturgut aller, was nicht immer leicht ist für die Besitzer denkmalgeschützter Häuser. Dennoch sind gerade Wanfried und Treffurt deshalb so attraktiv, weil sie historische Bausubstanz haben.

Aktive Bürgergruppe

Wie diese Gebäude attraktiv beworben und sinnvoll saniert werden können, das zeigt die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser im Fachwerkmusterhaus der Stadt Wanfried. Das Bauberatungszentrum für ökologische Baustoffe und energetische Sanierung steht seit sieben Jahren für jeden offen, der wissen will, was Fachwerk bietet. Am vergangenen Samstagvormittag sahen sich zwölf Stadträte und Bürgermeister Michael Reinz aus Treffurt dort um. Denn auch für Treffurt könnte das Musterhaus eine Hilfe bei der Beratung der Bürger und Neubürger der Stadt und der Dörfer sein.

Treffurt hat es nicht leicht bei der Vermarktung der Häuser: oft in Steilhanglange sowie klein und ohne Parkplatz. „Wir haben in den vergangenen Jahren Schwerpunkte für die Stadtentwicklung festgelegt“, erzählte Michael Reinz. So werden aktuell eine Fahrradpension und ein Haus für altersgerechtes Wohnen gebaut. „Zudem konnten wir das kommunale Immobilienportal schon 2012 einrichten, weil wir den Hinweis darauf von Bürgermeister Gebhard umgesetzt haben.“ Reinz nannte den Bauherrenstammtisch aus Schnellmannshausen als eine bestehende erfolgreiche Gruppe. Möglich, dass es dort Ansätze für eine Kooperation der Ehrenamtlichen gebe.

„Es ist in Wanfried gelungen, den Leerstand durch die Bürgergruppe aktiv anzugehen“, sagte Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Die ehrenamtliche Arbeit dieser Gruppe sei ein wichtiger Teil der Stadtentwicklung, da die kostenlosen Beratungsleistungen den Hausbesitzern direkt zugutekämen. „Es gibt seit 2011 wieder mehr Zuzüge als Wegzüge bei uns“, so Gebhard. 1993 hatte Wanfried noch 1312 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, 2005 waren es nur noch 666. Im Jahr 2007 wurde die Gruppe aktiv, 2016 konnten wieder 730 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gezählt werden. Junge Familien seien zurückgekehrt, die Steuereinnahmen, Übernachtungszahlen und der Umsatz bei Bauhandwerk hätten sich erhöht. Aus Sicht einer Neubürgerin erklärte Birgit Maske-Pagel, die hohe Servicebereitschaft sei für ihre Standortwahl entscheidend gewesen.

Bürgermeister Reinz sah in der Ausgangssituation Wanfrieds durchaus eine Parallele zu Treffurt. Darum soll die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden.

Von Diana Wetzestein

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