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Der Heldrastein bietet mehr als nur einen idyllischen Blick

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Von: Jessica Sippel

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Idyllischer Blick vom Heldrastein über das Werratal und darüber hinaus: Der Name leitet sich von der Gesteinsformation „heller Stein (Kalkstein)“ ab. Archiv
Idyllischer Blick vom Heldrastein über das Werratal und darüber hinaus: Der Name leitet sich von der Gesteinsformation „heller Stein (Kalkstein)“ ab. © Tobias Stück

Der Heldrastein als beliebtes Wanderziel im Werratal bietet nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch eine spannende Geschichte.

Werra-Meißner – Majestätisch ragt er als eine der höchsten Erhebungen aus dem Ringgauplateu empor. Der Heldrastein ist etwas ganz Besonderes. Dessen sind sich die Mitglieder der IG Heldrastein bewusst, weshalb sie es sich auch zur Aufgabe gemacht haben, den Ausflugspunkt zu erhalten und zu schützen.

Mitten im Wald an der hessisch-thüringischen Grenze gelegen, bietet der Kalksteinfelsen einen weiten Blick über das Werratal, zieht Jahr für Jahr zahlreiche Wanderer an. Der Heldrastein birgt jedoch nicht nur einen beliebten Ausflugspunkt für Naturliebhaber, es ist auch ein geschichtsträchtiger Ort.

40 Jahre unerreichbar

Der Heldrastein liegt genau im ehemaligen Grenzgebiet beziehungsweise dem ehemals militärischen Sperrgebiet. Für Einheimische – weder aus dem Osten noch aus dem Westen – war er 40 Jahre lang nicht zu erreichen. Zu Zeiten der DDR durften ausschließlich Partei- und Staatsfunktionäre sowie hohe Militärs das Sperrgebiet und somit den Heldrastein betreten. Das geht erst seit dem Mauerfall.

Die IG Heldrastein

Seit der Grenzöffnung 1989 ist das Gebiet wieder für jedermann zu erreichen – genauer gesagt am Heiligabend 1989, als das Terrain der Hüneburg und des Heldrasteins zum ersten Mal nach 40 Jahren wieder betreten werden durfte. 500 Menschen von beiden Seiten der Grenze strömten an diesem Tag auf das Plateau. „Ich war bei der Gründung damals 30 Jahre alt und konnte meine Heimat bis dahin nie richtig kennenlernen“, erzählte Andreas Müller aus Schnellmannshausen kürzlich unserer Zeitung.

Daraus folgte für die Interessensgesellschaft Heldrastein, die sich kurz darauf gründete, auch die Tradition, am Heiligabend auf dem Heldrastein zu einer geselligen Andacht mit Musik zusammenzukommen. Die IG Heldrastein gründeten Heimatfreunde aus Thüringen und Hessen gemeinsam, bis heute setzt sich auch der Vorstand aus Mitgliedern beider Länder zusammen.

In Eigenleistung legten die Mitglieder der IG Heldrastein in den darauffolgenden Jahren etwa Wanderwege und Rastplätze an, bauten Schutzhütten und Ruhebänke, um diesen geschichtsträchtigen Ort für alle Menschen zugänglich zu erhalten. „Das ist ein ganz besonderer Ort. Hier sollen Menschen aus Ost und West zusammenkommen“, erklärten die derzeitigen Vorsitzenden der IG Heldrastein, Andreas Müller aus Schnellmannshausen und Ludwig Weller aus Wanfried, kürzlich unserer Zeitung. Ziel sei es, dieses Symbol der deutschen Einheit für die folgenden Generationen zu erhalten. Denn die Grenze – findet sie sich zwar noch in manchen Köpfen wieder – existiert nicht mehr.

Turm der Einheit

Perfekt lag der Heldrastein zu DDR-Zeiten an der Grenze mit weiten Sichtmöglichkeiten. Durch diese strategisch gute Lage wurde durch die Grenztruppen der DDR in den 1960er-Jahren ein Horchposten in Form eines 30 Meter hohen Turms auf dem Heldrastein gebaut. Ein NVA-Funkturm. Nachdem die Mauer fiel, sollte der Stasi-Turm aber eine neue Bedeutung erhalten.

So sah der Stasi-Turm früher aus. Repro: Tobias Stück
So sah der Stasi-Turm früher aus. © Repro: Tobias Stück

Die IG Heldrastein setzte sen Umbau zu einem Aussichtsturm durch. Viele Hürden mussten auch wegen des Naturschutzes überwunden werden, die alten Baupläne des Stasi-Turms waren ebenfalls nicht auffindbar. Aber die IG konnte allen Widrigkeiten trotzdem. Im Januar 1996 wurde endlich die Baugenehmigung erteilt. Der offene Holzturm mit abgetrennter Kuppe sollte 205 000 D-Mark kosten, was unter anderem über Förderungen, Sponsoren und die Eigenleistung der IG Heldrastein gestemmt wurde. Über den Verkauf einzelner Treppenstufen an die Bevölkerung wurden allein 41 000 D-Mark eingenommen. Am 8. Mai 1997 konnte der Turm letztendlich feierlich eingeweiht werden.

Turm der Einheit: Heute symbolisiert der 30 Meter hohe Aussichtsturm die deutsche Einheit.
Turm der Einheit: Heute symbolisiert der 30 Meter hohe Aussichtsturm die deutsche Einheit. © Jessica Sippel

Der Volksglaube

Um den Heldrastein wurden zahlreiche Sagen und Geschichten überliefert. Zu Pfingsten etwa sollen junge Burschen und Mädchen aus den Orten den Heldrastien hinaufklettern, um zu zweien die aufgehende Sonne zu beobachten. Knecht Ruprecht soll aus tiefen Felsspalten am Heiligen Abend kommen. Auch kochen die Füchse am Heldrastein ihren Kaffee, wenn Nebelschwaden tief in den Bäumen sitzen. Zuletzt gibt es aber nicht nur Geschichten über den Heldrastein und er hat auch nicht nur Geschichte geschrieben – er ist selbst Geschichte.

Weitere Infos gibt es in dem Buch „Der Heldrastein“, das die IG im Gajewski Verlag herausgegeben hat und auf ig-heldrastein.de.

Von Jessica Sippel

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