77-Jähriger war in Nordhessen unterwegs auf Suche nach geöffneter Hautarztpraxis

Ein Patient auf Odyssee

Unglücklicher Urlauber: Der gebürtige Wanfrieder Horst Hieronimus (77) wollte am Montag in Bad Wildungen, Fritzlar und Kassel seine Wunde am Rücken von einem Hautarzt versorgen lassen. Das sollte sich zwischen den Jahren als kompliziert herausstellen. Foto: Ludwig

Kassel/Wanfried. Horst Hieronimus (77) wollte eigentlich ein paar schöne Wintertage in Nordhessen verbringen. Der Rentner aus Frankfurt macht derzeit Urlaub in einer Pension in Reinhardshausen bei Bad Wildungen. Montagfrüh entdeckte er Blutflecken auf dem Bettlaken. Seine Brandwunde am Rücken hatte sich wieder geöffnet. Also machte er sich auf den Weg, um einen Hautarzt zu suchen, der ihn versorgt. Es sollte eine Odyssee durch Nordhessen werden.

Diese begann um 9 Uhr in der Apotheke in Reinhardshausen. Der alleinstehende Mann, der ursprünglich aus Wanfried im Werra-Meißner-Kreis stammt, erkundigte sich dort, welcher Hautarzt ihn zwischen den Jahren behandeln könne. Die Wunde, die durch einen Heizstrahler entstanden war, nässte sehr. Der Apotheker sagte, in Bad Wildungen werde er kein Glück haben und schickte ihn nach Fritzlar. Also stieg Hieronimus in den Bus und fuhr in die Domstadt. Dort angekommen ging er zu der empfohlenen Praxis. Doch dort stand er vor verschlossenen Türen. Diese sollten sich erst wieder am 5. Januar öffnen, war an der Tür zu lesen.

Also ging Rentner Hieronimus, der zudem sehbehindert ist, zum Ärztehaus in Fritzlar. Auch dort Fehlanzeige. Keiner der Ärzte war an seinem Arbeitsplatz und kein Hinweis an der Tür, an wen sich Patienten wenden können. Also stieg der Frankfurter wieder in den Bus. Das Ziel: Kassel. Er machte sich Hoffnungen, in der Großstadt fündig zu werden. Vom Hauptbahnhof ging er zur Geschäftsstelle der Barmer, bei der er versichert ist. Dort ließ er sich eine Liste der Kassenärztlichen Vereinigung mit Hausarztadressen ausdrucken.

Die erste Praxis auf seiner Liste an der Wolfsschlucht hatte geschlossen. Nicht anders sollte es bei seinen nächsten Stationen an der Oberen Königsstraße und der Kölnischen Straße sein – alle empfangen erst nächste Woche wieder Patienten. „Was mich besonders ärgert, ist, dass es kein Problem gewesen wäre, wenn die Ärzte wenigstens einen Zettel an die Tür gehängt hätten, an wen man sich im Notfall wenden kann“, sagt Hieronimus. Inzwischen war es 14 Uhr und der 77-Jährige verzweifelt. Doch nach seiner fünfstündigen Tour durch die Kälte fand er doch noch einen Arzt, der am 29. Dezember arbeitete: Den Allgemeinmediziner Dr. Peter Horstmann, der seine Praxis hinter dem City-Point hat. Er versorgte seine Wunde. Nun kann der wanderlustige Frankfurter doch noch ein paar freiwillige Streifzüge durch das winterliche Nordhessen unternehmen – so, wie er es vorgehabt hatte.

Von Bastian Ludwig

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