Mit 29 Pfeifen begegnet Peter Trierweiler der Krise 

Peter Trierweiler Aue 
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Durch die Straßen von Aue: Jeden Sonntag ist Peter Trierweiler derzeit mit seiner Drehorgel unterwegs. 

Der Ur-Berliner Peter Trierweiler zieht mit seiner Drehorgel durch Aue und leistet so seinen persönlichen Beitrag in der Krise. 

Aue.  Wenn es in die Höhenlagen von Aue geht, muss Peter Trierweiler kräftig schieben. Immerhin 45 Kilogramm wiegt die Drehorgel, mit der der 81-Jährige seit einigen Wochen durch das Dorf zieht. Der Lohn entschädigt ihn. Die Menschen aus Aue spenden ihm nach seinen Liedern ordentlich Applaus.

Gelungene Integration

Peter Trierweiler ist ein Ur-Berliner. 2006 hat es ihn und seine Frau Uschi dennoch ins Werratal verschlagen. Sie haben das Haus eines Familienmitglieds übernommen. Seitdem sind sie der beste Beweis, wie gut Integration funktionieren kann – trotz oder wegen der großen Berliner Klappe. Peter Trierweiler ist mittlerweile Mitglied in allerhand Wanfrieder und Auer Vereinen. Seine Frau hat er im Standesamt von Wanfried geheiratet, gemeinsam vermieten sie Gästezimmer. Auf den Weihnachtsmärkten in Wanfried oder Frieda spielte er schon regelmäßig die Drehorgel.

Sonntags immer mit Leierkasten unterwegs 

Während der Corona-Krise hat er seinen Leierkasten wieder hervorgeholt. „Ich möchte den Menschen, die uns so toll aufgenommen haben, eine kleine Freude bereiten“, sagt der ehemalige Boxer, den in Berlin alle nur Billy nannten. Jeden Sonntag um 16 Uhr zieht er dann mit seiner Musik durch verschiedene Straßen von Aue. Zuletzt war der bergige Höhenweg an der Reihe.

Vom Schlager bis zum Heimatlied reicht das Repertoire

Seine Drehorgel von 1938 hat er einem krebskranken Drehorgelspieler abgekauft, nachdem sie sich auf einem Jahrmarkt kennengelernt hatten. Im unbekannten Kaufpreis inklusive waren 40 Papierrollen mit je acht Liedern. 29 Pfeifen hat das Instrument jetzt. „28 im Leierkasten und icke dahinter“, wie Trierweiler scherzhaft berlinert. Sein Repertoire ist vielfältig und reicht von Schlagern bis zu Heimatliedern. Besonders gerne spielt er alte Volkslieder. „Die wecken gerade bei den Älteren, die jetzt das Haus nicht verlassen dürfen, Erinnerungen“, sagt Trierweiler, der früher auch schon in Seniorenheimen für Unterhaltung gesorgt hat. Geld will er nicht haben. Trotzdem wird ihm immer mal wieder etwas zugesteckt. Ein kleines Sümmchen ist schon zusammengekommen. Das hat er Ortsvorsteher Bernd Auweiler gegeben, der das Geld für das Dorf verwenden möchte. „Seine Initiative, den Leuten in schweren Zeiten ein Lächeln zu bescheren, finde ich großartig“, sagt Auweiler.

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