Premiere für die Hanfernte: Nutzpflanze erstmals im Kreis angebaut

+
Bei der Cannabisernte in Wanfried erwischt: (von links) Uwe Roth und Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband sowie Max Ulrich Aschhoff, Mitglied der Landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft. 

Wanfried. Öl, Bier, Brötchen, Dämmstoff: Das Potenzial von Hanf ist vielfältig und soll nun auch im Werra-Meißner-Kreis voll ausgeschöpft werden.

Die pflegeleichte und ertragreiche Pflanze wurde dieses Jahr erstmals im Kreis angebaut. Beim Dreschen in Wanfried hat uns Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, darüber aufgeklärt.

Nutzhanf macht nicht high

Sehr schlechter Stoff: „Von dem Zeug hier wird niemand so schnell high – da ist nichts drin“, erklärt Max Ulrich Aschhoff von der Landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft im Werra-Meißner-Kreis. 

Als Nutzhanf bezeichnet man eine von der Europäischen Union zertifizierte Sorte der Gattung Cannabis mit einem Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) von höchstens 0,2 Prozent. Er enthält einen höheren Faseranteil und ist somit ertragreicher als klassische (illegale) Hanfsorten.

Anbau des Nutzhanfes auf 45 Hektar

Besonderes Gefährt: ein speziell umgerüsteter Mähdrescher vom Bodensee bei der ersten Hanfernte im Kreis.

„Es ist der Initiative von Erich Böck zu verdanken, dass der lokale Hanfanbau in die Wege geleitet wurde“, betont Landwirt Uwe Roth. Auf insgesamt 45 Hektar haben Mitte März neun Landwirte im Kreis Nutzhanf angebaut. Die bis zu vier Meter hohen Pflanzen sind sehr pflegeleicht: Sie wachsen dicht und geben Unkraut keine Chance. „Außerdem sorgen sie durch ihre stabilen Wurzeln für einen positiven Wasserhaushalt“, fügt Stefanie Wittich vom Bauernverband hinzu.

Die Ernte erfolgt mithilfe eines Mähdreschers, der für die stabilen Hanffasern ausgelegt ist. Zuerst werden nur die Hanfsamen geerntet; im zweiten Arbeitsgang wird die Röste eingesammelt. Sie bleibt mindestens vier Wochen lang liegen, kann jedoch auch mehrere Monate auf dem Feld bleiben, da Hanffasern über Jahrzehnte nicht verrotten. Der Anbau erfolgt in Wanfried, Niederdünzebach, Weidenhausen, Jestädt, Witzenhausen und Neu-Eichenberg.

Nutzhanf findet vielseitige Verwendung

Aus Hanfsamen werden Öle gepresst, die als äußerst gesundheitsfördernd gelten. Neben Bier und Brötchen werden daraus auch Duftstoffe extrahiert und entspannend wirkende Massageöle produziert. Die Hanffasern sind Hauptgrund der Produktion: Sie sind stabil, resistent gegen Umwelteinflüsse und eignen sich exzellent als Dämmstoff. 

Ob der lokale Anbau wirtschaftlich ist, soll sich in den nächsten Wochen herausstellen. Laut Uwe Roth scheint sich der Boden im Kreis gut zu eignen, doch trotz des großen Ertrags muss man die Transport- und Weiterverarbeitungskosten abwarten.

Nutzhanf-Anbau muss genehmigt sein

Eine vorherige Genehmigung ist nicht einzuholen, jedoch muss zertifiziertes Saatgut erworben werden und eine Meldung über die Anbauflächen beim Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung erfolgen. Eine Wiederaussaat der Samen ist unzulässig, da der ursprüngliche THC-Gehalt zurückkehren kann.

Von Lorenz Schöggl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare