BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER

Mit Liebe zum Detail: Die Restaurierung der Patronatsstube in Wanfried ist abgeschlossen

Probesitzen in der Patronatsstube: Andreas von Scharfenberg (links) und Wolf-Arthur Kalden vom Förderverein Stadtkirche und vom Kirchenvorstand präsentieren mit Stolz die frisch restaurierte Loge.
+
Probesitzen in der Patronatsstube: Andreas von Scharfenberg (links) und Wolf-Arthur Kalden vom Förderverein Stadtkirche und vom Kirchenvorstand präsentieren mit Stolz die frisch restaurierte Loge.

In der Wanfrieder Stadtkirche gehen die Restaurationen voran. Nach mehr als einem Jahr ist nun auch die Patronatsstube fertig. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wanfried – Betritt man in der 1885 erbauten Wanfrieder Stadtkirche heute die frisch restaurierte Patronatsstube, fühlt man sich ein paar Jahrhunderte zurückversetzt: Die roten Polster der sieben Sitzplätze sind frisch bezogen, die gemusterten Fenster mit Buntglas strahlen und das geschwungene Holz glänzt. Und es gibt noch mehr zu sehen – von detaillierten Goldmustern auf roten Textil-Wänden bis zu bemalten Holzschnitzereien an der Decke. So muss es im Jahr 1888 hier ausgesehen haben, als der damalige Neubau der Wanfrieder Stadtkirche im neugotischen Stil nach nur vier Jahren fertiggestellt war.

Die Patronatsstube in Wanfried vorher: Alles wurde in den 1960er mit weißer Farbe überstrichen. Bei der Restaurierung wurde das Holz wieder freigelegt.

Bis zu der Restaurierung sah es hier aber noch ganz anders aus, denn die Kirche wurde in den 1960er-Jahren schon einmal renoviert. Damals wurden die Decken und Wände in der Kirche samt ihrer typischen Muster mit weiß-grauer Farbe überstrichen. „Das Bunte und Reiche wollte man nicht mehr in dieser Zeit, sondern einfache und klare Linien. Alles sollte so schlicht wie möglich gehalten werden“, erklärt Wolf-Arthur Kalden vom Kirchenvorstand und Vorsitzender des Fördervereins Stadtkirche zu Wanfried.

Restauriert wurde die Patronatsstube von Christiane Opitz, die restauratorische Baubegleitung und Voruntersuchung übernahm Stephanie Schmitt. Die Voruntersuchung fand bereits 2016 statt mit Gesamtkosten von knapp 4600 Euro. Die Hälfte davon hat das Landesamt für Denkmalpflege übernommen und die andere Hälfte die Gemeinde. Der Architekt Walter Henning betreute das Projetkt. Die Zusage für eine Förderung kam im Januar vergangenen Jahres.

Gesamtkosten von 96 000 Euro

Die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck bezuschusste den Förderverein bei seinem Vorhaben der Restaurierung mit 35 000 Euro. 40 000 Euro trug der Förderverein mit Spenden zusammen. „Aber diese eingeplanten 75 000 Euro haben noch nicht ausgereicht, um die Kosten zu decken“, sagt Kalden.

Letztendlich kostete die Restaurierung, bei der neben der Patronatsstube auch die dazugehörigen Windfänger sowie die Sakristei bearbeitet wurden, 96 000 Euro. Die restlichen 21 000 Euro wurden dann gedrittelt: 7000 gab es noch einmal von der Landeskirche, ebenso wie vom Kirchenkreis und vom Förderverein. „Das war nicht einfach, aber wir haben es hinbekommen“, sagt Kalden.

Das fertige Ergebnis: Das Holz wurde freigelegt, die Polster der Sitze bezogen, die Fenster erstrahlen in neuem Glanz und die Wände sind mit Liebe zum Detail verziert.

Aber was ist nun genau in der Patronatsstube passiert? Im Einzelnen wurden zum Beispiel die Fenster restauriert, ebenso wie die Steinrahmen, die zusätzlich dekoriert wurden. „Worher waren sie einfach drau angepinselt“, erzählt Kalden. Zudem wurde die Holzdecke freigelegt und rekonstruiert, die Sitzplätze wurden neu bezogen. Schwierig bei den Arbeiten nichts zu zerstören wurde es bei den Wänden, die teilweise aus Leinwand bestehen. Doch auch das haben die Restaurateure gut hinbekommen. Detailarbeit zeigt sich an dem Psalm 25 aus dem ersten Kapitel Jacobus, der um die Stube herum unter der Decke zu lesen ist. Mehrere Tage hat Restaurator Jens Schirmer dafür gebraucht, sagt er. Auch der zuvor fast völlig zerstörte Ofen in der Stube konnte dank des ehrenamtlichen Engagements von Holger Döhring gerettet und wieder eingebaut werden. „Es ist besonders schön geworden, aber auch teurer als geplant“, sagt Kalden.

Eine Patronatsstube ohne Patronat: Die Entstehungsgeschichte

Direkt in einer Nische neben dem Altar befindet sich die Patronatsstube. Entstanden sind solche Stuben in einer Zeit, als Adelige insbesondere finanzielle Verantwortung für die Kirche übernahmen, etwa was die Baulast angeht. Durch sogenannten Patronate sind die Adeligen vertragliche Verpflichtungen eingegangen, bestimmte Kosten für die Kirche zu übernehmen. Im Gegenzug erhielten sie eine gesonderte Loge für die Gottesdienste – die Patronatsstuben.

„Unsere Patronatsstube hat aber eine andere Geschichte“, sagt Kalden. Denn dass die Kirche ab 1884 neu erbaut wurde, ist maßgeblich Karl Xaver von Scharfenberg zu verdanken, dem Urgroßvater von Andreas von Scharfenberg aus Wanfried.

„Er hat den Neubau nach vielen Jahren des Stillstands wieder in Anregung gebracht“, sagt Kalden. Auch trug einer einen großen finanziellen Anteil, denn er bezuschusste die Baukosten in Höhe von insgesamt 45 000 Mark er mit 10 000 Mark, erklärt Andreas von Scharfenberg. Nachzulesen ist das auch in der Stadtchronik von Wanfried.

Als Anerkennung für diesen Einsatz und die Stiftung für die Kirche wurde für Karl Xaver von Scharfenberg diese Patronatsstube gebaut, erklärt Kalden – aber ohne, dass es ein Patronat war. Die Familienwappen der von Scharfenbergs zieren noch heute die bunten Fenster und sind ins Holz geschnitzt.

„Diese Stube ist aber seit mindestens drei Generationen nicht mehr genutzt worden“, sagt Andreas von Scharfenberg.
Denn damit sei man zu abgekapselt uns sitze während des Gottesdienstes zu weit weg von seinen Mitbürgern in der Gemeinde. (Von Jessica Sippel)

Fotos: Die frisch restaurierte Patronatsstube in der Stadtkirche Wanfried

Mit Liebe zum Detail: Die Restaurierung der Patronatsstube in Wanfried ist abgeschlossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mit Liebe zum Detail: Die Restaurierung der Patronatsstube in Wanfried ist abgeschlossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mit Liebe zum Detail: Die Restaurierung der Patronatsstube in Wanfried ist abgeschlossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mit Liebe zum Detail: Die Restaurierung der Patronatsstube in Wanfried ist abgeschlossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Fotos: Die frisch restaurierte Patronatsstube in der Stadtkirche Wanfried

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare