Rittergut hat wieder eine Zukunft: Auf dem Anwesen ist ein Wohnprojekt geplant

Mehr und mehr verfallen: Ein älteres Ehepaar hatte zuletzt bis zu seinem Tod eine der Etagen bewohnt. 2013 musste bereits ein Wirtschaftsgebäude aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Jetzt soll hier ein genrationenübergreifendes Wohnprojekt entstehen. Fotos: Tobias Stück

Für das Rittergut im Herzen von Aue scheint sich eine Rettung abzuzeichnen. Das vieretagige Herrenhaus mit den Wirtschaftsgebäuden steht vor dem Verkauf.

Heute sollen die Verträge unterzeichnet werden. Für die weitere Nutzung gibt es bereits ein Konzept. Damit soll das 444 Jahre alte Gebäude vor dem weiteren Verfall gerettet werden.

Während eines Ortstermins konnte die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser erstmals einen Blick in das Innere des Gebäudes werfen. Der Nachlasspfleger hatte zusammen mit dem interessierten Investor den Termin möglich gemacht. Vor fast genau einem Jahr waren die letzten Besitzer, ein älteres Ehepaar, das eine Wohnung von etwa 60 Quadratmetern in der dritten Etage bewohnte, verstorben. Seitdem war das Amtsgericht Eschwege auf der Suche nach Erben des Ehepaars. Nur ein unter Betreuung stehender Bruder des Eigentümers wurde gefunden. Das Anwesen mit rund 12 000 Quadratmeter Grundstück und dem Herrenhaus ging in den freien Verkauf. Ein Arzt aus dem Werra-Meißner-Kreis, der schon seit Längerem ein Auge auf das Anwesen geworfen hatte, war der ernst zu nehmendste Interessent. Heute wird der Verkauf wohl dingfest gemacht.

Der Arzt plant, selbst in dem Gebäude zu wohnen, es aber auch für altersgerechtes Wohnen herzurichten. „Ich wünsche mir, dass hier ein genrationenübergreifendes Wohnprojekt entsteht“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Bis zur Fertigstellung hat er sich einen Zeitrahmen von drei Jahren gesteckt. Einige behördliche Angelegenheiten müssten noch geklärt werden, dann könne es losgehen. Die Sicherung der Dachflächen der Wirtschaftsgebäude, die den öffentlichen Raum tangieren, müssen zunächst erledigt werden. 2013 hatte der Werra-Meißner-Kreis aus Sicherheitsgründen den Abriss der westlichen Wirtschaftsgebäude angeordnet. Der Bürgersteig vor den Scheunen ist wegen herabfallender Ziegel bereits abgesperrt.

Im Inneren ist einiges zu tun. Allein die Entrümpelung des noch teilweise möblierten Gebäudes wird Wochen dauern. „Bevor die Umbauarbeiten aber endgültig starten, möchte ich das Gebäude noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt der potenzielle neue Eigentümer. Einen genauen Termin wird er noch bekannt geben.

Die Bürgergruppe war begeistert von dem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Die Substanz sei in Ordnung, im Inneren wurde wenig verbaut, sagte Sprecher Jürgen Rödiger. Diana Wetzestein war vom Dachstuhl, der vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, angetan. „Hier ist alles noch original“, schätzte sie den guten Zustand ein. Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der mit dem Leiter des Fachbereichs Ordnung, Alexander Henke, vor Ort war, sagte dem künftigen Eigentümer ebenfalls die volle Unterstützung zu.

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