Sägewerk im Bahnhof Großburschla will Energie zur Holztrocknung aus Biogasanlage  beziehen

Hier liegt viel Arbeit: Lars Ruhlandt vor dem Rundholzlager des Sägewerks. Um am Markt bestehen zu können, muss sich der Betrieb im östlichsten Zipfel Hessens vergrößern. Das funktioniert nur, wenn das Holz auch getrocknet werden kann. Foto: Stück

Großburschla. Das Sägewerk Holz Ruhlandt GmbH steckt in einem Dilemma. Um am Markt bestehen zu können, müssen sie sich vergrößern.

Anstatt bisher 8000 Festmeter wollen sie in Zukunft 12 000 Festmeter umsetzen. Absetzen können sie ihr Laubholz aber nur, wenn die entsprechende Trockenheit gegeben ist. Ihr 500-Kilowatt-Kessel gibt es aber kaum her, mehr Holz zu trocknen. Inzwischen zeichnet sich aber eine Lösung des Problems ab. Die nahe gelegene Biogasanlage bei Heldra sorgt für die Energie zur Trocknung des Holzes. Für beide Betriebe entsteht so eine sogenannte Win-Win-Situation.

Die Trocknung

Vonseiten der städtischen Gremien gab es bereits grünes Licht für die Erweiterung der Biogasanlage am Kurshagen in Heldra (wir berichteten). Wann die Vergrößerung stattfindet, steht noch nicht fest. Auch nicht, ob überschüssige Wärme per Fernleitung zum Sägewerk in Bahnhof Großburschla oder Gas geliefert wird. Zurzeit nutzt Holz Ruhlandt anfallendes Sägemehl, um die Trocknungsanlage zu heizen. Auf etwa 60 Grad erhitzt die Anlage die Trockenhalle. Im Inneren fühlt man sich wie in einer finnischen Sauna. Im Winter stößt der Kessel an seine Grenzen. Dann dauert es je nach Stärke und Holzart bis zu zwei Monaten, bis das Holz getrocknet ist. Bis sich nur noch acht bis zehn Prozent Feuchtigkeit im Holz befindet, werden die Bretter veredelt. „Das verlangt die Industrie so“, sagt Geschäftsführer Lars Ruhlandt (26).

Die Qualität

Die Industrie, das sind hauptsächlich Abnehmer für Innenaustattungen. Eichen- und Buchenstämme werden im größten Laubholz-Sägewerk des Kreises in dem Wanfrieder Stadtteil zu Brettern verarbeitet. Eiche wird später hauptsächlich für Böden verwendet, Buche für den Möbelbau. Das Holz stammt aus einem Umkreis von maximal 100 Kilometern. „Mehr lohnt sich nicht“, sagt Ruhlandt. Alle Rohstoffe kommen aus nachhaltiger Forstwirtschaft, sind FSC-zertifiziert. Die Qualität sei unterschiedlich. „Man merkt deutlich, wenn ein Wald gut beförstert und über Generationen gepflegt wurde“. Ruhlandt Holz gibt das Holz in drei verschiedenen Qualitätsstufen an die Kunden weiter. Die besten Stücke gehen an kleine hochklassige Manufakturen in Deutschland. Die Massenware geht ins Ausland. China ist größter Abnehmer in Bahnhof Großburschla. „Die Wirtschaft boomt, es wird Holz gebraucht“, sagt Ruhlandt.

Der Standort

Bahnhof Großburschla liegt eigentlich ungünstig. Ein Sägewerk sei ein Logistik-Betrieb. „Die fehlende Autobahn ist ein echter Standortnachteil“, sagt Seniorchef Hans-Heinrich Ruhlandt (79). Bis zu 50 Euro müsse man zusätzlich pro Fracht an die Holzlieferanten zahlen, weil man so abseits der Hauptverkehrsrouten liege. Doch der Standort war in den vergangenen 70 Jahren selten optimal. Vor der Grenzöffnung war die An- und Ablieferung des Holzes nur in eine Richtung möglich. Nach der Grenzöffnung ließ sich der Marktführer der Branche nur wenige Kilometer weiter im thüringischen Creuzburg nieder. „Sie bestimmen den Markt im Einkauf“, sagt Lars Ruhlandt. Den Firmensitz selbst nach Thüringen zu verlegen, um dort nach der Wiederverenigung Subventionen abzugreifen, kam für Ruhlandt nie in Frage. „Das wäre unredlich“, sagt Hans-Heinrich Ruhlandt. Obwohl ein Teil des Unternehmens auf thüringischem Gebiet liegt. „Wir haben aber früher von unserer Lage im Westen profitiert.“

Die Zukunft

Im nächsten Jahr feiert die Ruhlandt Holz GmbH ihr 90-jähriges Bestehen. Dann möchte das Unternehmen am liebsten schon mit Energie aus der Biogasanlage versorgt werden. Die etwa ein Kilometer lange Leitung – egal ob Fernwärme oder Gas – legt die Heldra Agrar GmbH. „Die ersten Auswirkungen davon werden wir 2019/2020 spüren“, sagt Lars Ruhlandt. Bis dahin muss sich die siebenköpfige Firma auch personell vergrößert haben. Schon jetzt werden Fachkräfte gesucht.

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