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Schaft schafft Landschaft sorgt für Hotspot der biologischen Vielfalt

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Von: Stefanie Salzmann

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Experten aus ganz Deutschland waren auf Exkursion entlang des ehemaligen Todesstreifens bei Wanfried.
Experten aus ganz Deutschland waren auf Exkursion entlang des ehemaligen Todesstreifens bei Wanfried. © Salzmann, Stefanie

„Schaf schafft Landschaft“ – Experten aus ganz Deutschland trafen sich in Wanfried, um Umsetzungserfolge des Projektes anzuschauen und das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Wanfried – Einst Todesstreifen, heute Grünes Band. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze konnte sich im Schutz der martialischen Befestigungen eine einzigartige Artenvielfalt entwickeln. Diese Biodiversität zu erhalten und zu fördern, hat sich das Projekt „Schaf schafft Landschaft“ auf die Fahnen geschrieben.

Seit drei Jahren läuft das Projekt der Uni Kassel und am vorigen Freitag haben sich Experten aus Wissenschaft, Verwaltungen und Institutionen aus ganz Deutschland getroffen, um die Umsetzungserfolge im Bereich Wanfried – nämlich am ehemaligen Kolonnenweg – zu sehen und zu besprechen.

Wie Anne Hopf von der Uni Kassel schildert, biete der Streifen zwischen Wald und Kolonnenweg einen ungeheuren Artenreichtum – ein „Hotspot der biologischen Vielfalt“. Dort würden sich sowohl Schattenarten, aber auch Arten wohlfühlen, die eher Offenland und Licht bevorzugen und brauchen.

Und dabei spielt die Beweidung der Flächen eine große Rolle. „Schaf schafft Landschaft“ arbeitet in dem sogenannten „Hotspot 17“ hier in Nordhessen und in Thüringen mit 18 Schäfereien – darunter auch der Betrieb der Familie Timmerberg aus Wanfried – zusammen, die mit ihren Tieren auf Beweidungskorridoren unterwegs sind und so Landschaftspflege betreiben.

So ist zu erkennen, dass entlang des Kolonnenweges oberhalb des Plesseturmes bei Wanfried sich zwar Sträucher und Bäume ansiedeln, mithilfe sanfter Beweidung aber verhindert werden kann, dass aus den artenreichen Gebieten Wald wird. „So gelingt es auch, seltene Saumarten zu erhalten“, sagt Vincent Aljes, der als Forscher das Projekt begleitet.

Bei dem auf Jahre angelegten Naturschutzprojekt „Schaf schafft Landschaft“ sind inzwischen einige Protagonisten involviert. Dazu gehören neben der Uni Kassel der Naturpark Frau-Holle-Land, die Stiftung Naturschutz Thüringen und auch der „Landschaftspflegeverband Eichsfeld, Hainich, Werratal“ sowie der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. „Wichtig ist, die Beweidungskorridore über Grenzen hinaus zu denken“, sagt Dr. Sabine Budde vom Naturpark Frau Holle-Land. So hat der Landschaftspflegeverband aus Thüringen zunächst bei Wanfried händisch auf dem wertvollen Streifen Dornengestrüpp entfernt, um das Gebiet licht zu halten und überhaupt beweidefähig zu machen, schildert Kerstin Wiesner vom thüringischen Landschaftspflegeverband. Nun ginge es darum, dieses Übergangsstadium zu erhalten, das die Artenvielfalt so ermöglicht.

„Wir haben uns dazu entschieden, um vor allem die Saumarten zu erhalten, weil die sonst kaum noch irgendwo in der Landschaft eine Chance haben“, so Kerstin Wiesner.

Aber das Projekt „Schaf schafft Landschaft“ soll nicht nur dem Naturschutzzielen dienen, sondern auch nachhaltige Strukturen schaffen, die die wirtschaftliche Situation der Schäfereien verbessern und zu einer besseren „Würdigung ihre Leistungen im Naturschutz führen“, heißt es in der Projektbeschreibung.

„Schaf schafft Landschaft“ wurde 2019 ins Leben gerufen, die Laufzeit des Projektes ist auf sechs Jahre angelegt. (Stefanie Salzmann)

Ein enormer Artenreichtum konnte sich im Schatten und Schutz der ehemaligen Befestigungen entlang der innerdeutschen Grenze entwickeln – wie unter anderem hier bei Wanfried. Diese Vielfalt erhalten und entwickeln will das Projekt „Schaf schafft Landschaft“.
Ein enormer Artenreichtum konnte sich im Schatten und Schutz der ehemaligen Befestigungen entlang der innerdeutschen Grenze entwickeln – wie unter anderem hier bei Wanfried. Diese Vielfalt erhalten und entwickeln will das Projekt „Schaf schafft Landschaft“. © STEFANIE SALZMANN

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