Zuschlag für 165.000 Euro

Das Schloss ist verkauft: Neuer Eigentümer will Seminar- und Gästehaus einrichten

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Nicht mehr im Besitz der Stadt Wanfried: Das Keudell’sche Schloss, für das die Kommune Jahr für Jahr zuzahlen musste, wurde für 165 000 Euro an Wilfried Glembock aus Bad Seckingen verkauft.

Wanfried – Das Keudell’sche Schloss in Wanfried wird einen neuen Besitzer bekommen. Der Magistrat hat sich in dieser Woche entschieden, an wen sie das Objekt im Herzen der Altstadt verkaufen werden.

Für 165.000 Euro hat Wilfried Glembock aus Bad Seckingen den Zuschlag ab 1. Juli bekommen, der in dem rund über 350 Jahre alten Gebäude ein Seminar- und Gästehaus einrichten möchte.

Wilfried Glembock,Käufer

„Herr Glembock hat nach unserer Meinung das solideste Konzept präsentiert“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard für den Wanfrieder Magistrat. Der 57-Jährige plant den Umbau des Herrenhauses zu einem Seminarhaus, um sich in seinem Ruhestand einer neuen Aufgabe zu widmen. Seit zwei Jahren ist der Großhandelskaufmann Pistolen-Trainer des Hessischen Schützenverbandes. Besonders die Arbeit mit Jugendlichen reizt ihn. Seine Kontakte aus Jugendarbeit und Sport will er auch für das Seminarhaus nutzen, sich aber nicht darauf beschränken. „Die Lage in der Mitte Deutschlands ist ideal, um hier Seminare für Menschen aus ganz Deutschland anzubieten“, sagt Glembock.

Seit etwa einem Jahr ist Glembock auf der Suche nach einem passenden Objekt. Im Sommer war er bereits auf das Keudell’sche Schloss aufmerksam geworden, das zwischenzeitlich aber nicht mehr verfügbar war. Als es im Herbst wieder angeboten wurde, nahm er mit der Stadt Wanfried Kontakt für eine Besichtigung auf. Neben der zentralen Lage schätzt er an Wanfried die Ruhe, die kulturellen Möglichkeiten, Infrastruktur und das touristische Potenzial. Das Schloss möchte er so umbauen, dass etwas 30 Gästebetten entstehen. Dazu kommen Küche, Speiseraum und die Seminarräume auf vier Etagen. Im Gewölbekeller soll eine Bar eingebaut werden. Zwei Jahre Umbauzeit plant er ein. „2021 könnte eröffnet werden, wenn alles rund läuft“, sagt Glembock.

Der Magistrat befindet, neben Schule oder bald Kindergarten, eine gute Nutzung des Schlosses gefunden zu haben. Zur Alternative standen ein Tischler, der hier eine Werkstatt eröffnen wollte und ein Japaner, der ein Hostel für Touristen aus Fernost plante. Die bisherigen Mieter müssen jetzt ausziehen. Für das Heimatmuseum und das Dokumentationszentrum ist am Jahresende Schluss. Auch der DRK-Ortsverein muss raus. Die Flüchtlingsunterkunft wird bis Mitte 2020 das Schloss räumen. 

Nach Dreißigjährigem Krieg errichtet

Die Geschichte des Keudell’schen Schlosses am Standort Marktstraße ist über 1000 Jahre alt. Das heutige Haus wurde erst nach dem Dreißigjährigen Krieg gebaut, nachdem das Vorgängergebäude durch Tillys Truppen 1626 weitestgehend vernichtet wurde. 

Nach dem Ende des Kriegs wurde auf den Kellermauern das neue Herrenhaus errichtet. Bei der Renovierung durch Carl-Xaver von Scharfenberg Ende des 19. Jahrhunderts erhielten die Fachwerkstockwerke eine Fassadenverblendung aus Greppiner Klinker, was dem Bau sein auffälliges Erscheinungsbild gibt. Das Keudell’sche Schloss wurde danach Privatschule, nach dem Ersten Weltkrieg auch Landschulheim. Nach dem Schulneubau entstand die Stadtbücherei. 1981 wurde hier das Heimatmuseum untergebracht, 1992 kam das Dokumentationszentrum hinzu, 2016 eine Flüchtlingsunterkunft.

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