Vor Ort im Unterricht

Unterricht und Lüften: Decken und Schals gehören jetzt zur Grundausstattung

Dicke Jacken, kalte Tage und ein Lächeln im Gesicht: Amy Bierling (von links), Elias Reitz, Paula Polowczyk und Mia-Sophie Grede der Klasse 7a an der Anne-Frank-Schule wappnen sich für die kalte Jahreszeit.
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Dicke Jacken, kalte Tage und ein Lächeln im Gesicht: Amy Bierling (von links), Elias Reitz, Paula Polowczyk und Mia-Sophie Grede der Klasse 7a an der Anne-Frank-Schule wappnen sich für die kalte Jahreszeit.

Hygieneplan 6.0 nennt sich das neue Konzept des hessischen Kultusministeriums. Dieses empfiehlt, alle 20 Minuten bestenfalls eine Quer-, mindestens aber eine Stoßlüftung für je drei bis fünf Minuten.

Werra-Meißner – Lüften ist das A und O zu Corona-Zeiten. Auch in den Pausen bleiben die Fenster geöffnet. „Das hat zur Folge, dass Schülerinnen und Schüler sich dem Wetter entsprechend und verantwortungsvoll anziehen sollten“, sagt Anita Hofmann, Leiterin des staatlichen Schulamts. Der Deutsche Philologenverband ging vergangenen Woche sogar so weit zu sagen, Decken und Schals gehörten im Winter zur Grundausstattung eines jeden Klassenraums dazu.

Verantwortung für warme Kleidung liegt bei jedem selbst

Vom Schulamt gibt es dafür aber keine finanziellen oder materiellen Mittel, wie Hofmann betont. „Es liegt in der Verantwortung eines jeden selbst, wie er sich Jahreszeiten gemäß anzieht“, sagt sie. Sie empfiehlt das Zwiebelprinzip mit Schal und Mütze zum Schutz von Hals und Ohren. Auch die Schulen im Kreis wiesen Schülerschaft sowie Eltern darauf hin, nun vermehrt auf warme und wetterfeste Kleidung zu achten. Denn auch die Pausen sollen die Schüler draußen verbringen.

Anne-Frank-Schule

An der Anne-Frank-Schule in Eschwege gehen die Lehrkräfte und die Schüler kreativ mit der Situation um, berichtet Schulleiterin Kerstin Ihde. In manchen Klassen wird am Smartboard etwa eine Lüftungszeit-Uhr angezeigt oder ein Wecker erinnert die ganze Klasse ans Lüften. Auch wurden die Schüler in Lüftungsdienste eingeteilt.

Schon für den ersten Schultag nach den Herbstferien hätten die Eltern ihren Kindern warme Kleidung, Mützen, Schals und auch dünne Decken mitgegeben. „Bisher bin ich noch entspannt. Aber ich weiß nicht wie er bei minus zehn Grad werden soll und ob unsere altersschwache Heizung mitmacht“, sagt Ihde. „Wenn die Zahlen weiter so steigen, wer weiß, ob Lüften dauerhaft ausreicht.“

Anita Hofmann, Leiterin staatliches Schulamt

Brüder-Grimm-Schule

„Alle Schulen, von Hamburg bis München und Aachen bis Görlitz, müssen jetzt Erfahrungen mit dem häufigen Lüften im Winter machen“, sagt Dr. Claudia Nitschke, Sprecherin der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Diese Erfahrungen müssten dann bewertet und eingeordnet werden. Zudem werde sich im Laufe des Winters zeigen, welche Auswirkungen häufiges Lüften und die damit verbundene geringere Raumtemperatur haben werden, sagt Nitschke. Eltern, Schülerinnen und Schüler arbeiteten aber gut mit und sorgten für angemessene Kleidung. Offensichtlich sei jedoch der Spagat zwischen Bildungsauftrag und der Einhaltung eines Hygieneplans.

Rhenanus-Schule

„Lüften ist wirklich essenziell. Der Gedanke des Kultusministeriums ist vollkommen richtig“, betont Michaela Deutschmann-Weise, stellvertretende Schulleiterin der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Klingt einfach umzusetzen, doch es stellt Schulen auch vor Herausforderungen. Stoßlüften sei kein Problem aber das erwünschte Querlüften funktioniere in den wenigsten Klassen adäquat, sagt Deutschmann-Weise. Meist gebe es lediglich auf einer Seite des Raumes Fenster. Ein weiteres Problem: In manchen Räumen seien die Fenster so alt, dass man sie nicht oder nicht ganz öffnen kann. Auch sei das Vorgehen unökologisch, weil man gegenheizen müsse. „Man kann es nicht hinreichend lösen, aber wir versuchen es, so gut es geht“, sagt Deutschmann-Weise.

Johannisberg-Schule

„Wir müssen alles tun, um den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten“, sagt Schulleiter Andreas Hilmes von der Johannisberg-Schule in Witzenhausen. Da sei der Preis, das Fenster alle 20 Minuten zu öffnen, zumutbar. In dem modernen Gebäude gebe es aber keine Probleme mit dem Lüften, sagt er.

Den Unterricht aus den innenliegenden naturwissenschaftlichen Räumen habe die Schule in andere Klassenzimmer verlagert. Diese Räume würden gar nicht genutzt. „Wem es beim Lüften trotz warmer Kleidung zu kalt ist, darf sich auch eine Decke mitbringen“, sagt Hilmes. „Wir alle müssen unseren Beitrag leisten, damit es nicht zum erneuten Lockdown kommt.“ (Von Jessica Sippel)

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