Wanfrieder Geschichte aus mehreren Jahrhunderten lagert auf 103 Regalmetern

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Tief in die Geschichte der Stadt Wanfried eingetaucht: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (links) und Dekan Dr. Martin Arnold, der zum Dreißigjährigen Krieg in Wanfried forscht.

Im Hessischen Staatsarchiv in Marburg lagern 76 Regalmeter Dokumente aus der Stadt Wanfried, die noch unverzeichnet sind. Einige sind beschädigt und sollen aufgearbeitet werden. 

Das haben Dekan Dr. Martin Arnold und Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard jetzt bei ihrem Besuch herausgefunden. 

Die Stadt Wanfried hatte 1950 und 1985 das Material dem Archiv überlassen. Bislang wurden die Dokumente noch nicht detailliert geprüft. Insgesamt nimmt die Wanfrieder Stadtgeschichte im Staatsarchiv 103 Meter an Regalen ein.

Viele Dokumente noch nicht gesichtet

Arnold und Gebhard sichteten das Material, weil der Dekan auf der Suche nach mehr Informationen über Wanfried im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) war. Der Historiker Dr. Francesco Roberg und der Diplom-Archivar Dominik Brendel begleiteten sie dabei bei ihrer Suche. Die unverzeichneten Dokumente seien ohne detaillierte Prüfung übernommen worden, da scheinbar im Rathaus wegen Umbaumaßnahmen Platz gebraucht wurde, erklärten die Mitarbeiter.

Stichprobenartig gestöbert

Beim stichprobenartigen Stöbern in der Wanfrieder Stadtgeschichte fanden Arnold und Gebhard bereits einige interessante Dokumente: Ein Buch mit Stadtrechnungen aus den Jahren 1644/1645, Polizeiakten aus dem Jahr 1923, Akten zum Schulbau im 19. Jahrhundert und Dokumente zum Feuerlösch- und Rettungswesen aus dem Jahr 1904 sowie die Satzung des Wanfrieder Schützenvereins im Jahr 1950. „Besonders interessant fand ich aus familiärer Sicht ein Protokoll einer Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1908, welches von meinem Urgroßvater Dr. Ernst Gebhard, damaliger Stadtverordnetenvorsteher, unterzeichnet war“, berichtet Gebhard, der sich nach eigener Aussage gerne noch stundenlang in Marburg aufgehalten hätte.

Dokumente beschädigt

Das Archivgut ist teilweise stark verschmutzt. Einige Dokumente weisen Moderschäden auf. Dieser Zustand sei der früheren Notübernahme geschuldet. „Eine Situation, die keinesfalls zufriedenstellend ist“, erklärte Gebhard.

Archivgut soll erhalten werden

Mit dem Staatsarchiv wurde die weitere Vorgehensweise abgestimmt. Zunächst einmal soll die Eigentumsfrage des Archivguts geklärt werden, da im Januar 2006 in beiderseitigem Einvernehmen der Depositalvertrag aufgekündigt wurde. Seitdem gibt es einen Schwebezustand. Das Staatsarchiv Marburg wird klären, ob im eigenen Haus eine Vorbewertung des unverzeichneten Archivguts vorgenommen werden kann. Anschließend wollen Stadt und Staatsarchiv gemeinsam mit der Archivberatungsstelle in Darmstadt klären, ob für die Reinigung und Aufarbeitung Fördergeld in Aussicht gestellt werden kann. Danach wird entscheiden, wer das übrig gebliebene Archivgut dokumentieren und verzeichnen kann und wo es aufbewahrt wird. „Den Erhalt und die Aufarbeitung des Wanfrieder Archivguts sollten wir in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wanfried und dem Landesarchiv angehen“, erklärt Dr. Francesco Roberg.

Das ist das Hessische Staatsarchiv in Marburg

Das Hessische Staatsarchiv in Marburg ist einer der drei Standorte des Hessischen Landesarchivs. Es dient neben dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt als Regionalarchiv. Das Hessische Staatsarchiv Marburg ist zuständig für Nord- und Teile Mittelhessens und damit auch für den Werra-Meißner-Kreis. Es wurde 1869 durch das Königreich Preußen zunächst mit kurhessischen Altbeständen gegründet. Vom Umfang seiner Bestände her ist das Marburger Archiv das größte in Hessen. Der zeitliche Rahmen der Überlieferung erstreckt sich vom Jahr 760 bis in die Gegenwart. Mehr als 130 181 Urkunden, 78,6 Regalkilometer Akten und Amtsbücher, Salbücher, Protokolle, Rechnungen und Kataster, 348 961 Karten, Pläne und Plakate und 291 968 Fotografien lagern dort. Seit 2004 besitzt das Staatsarchiv mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein (Witzenhausen) eine Außenstelle, die mit ihren bedeutenden Sammlungen einen Kristallisationspunkt für einschlägige Forschungen darstellt.

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