Restaurierung des Kleinods

Die Stadtkirche zu Wanfried soll wieder farbenfroh werden

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Arbeit über Kopf: Diplom-Restauratorin Christiane Opitz entfernt Übermalungen an der Decke der Patronatsnische.

Kein Zweifel, wer die Wanfrieder Stadtkirche zum ersten Mal betritt, ist sofort fasziniert: von der Dimension, der besonderen Atmosphäre und der detailreichen Glasmalerei und Ornamentik, die sich in diesem Bauwerk vereint.

Um ebenjenen Charakter zu bewahren und den bauzeitlichen Zustand der Stadtkirche, die von 1884 bis 1888 errichtet wurde, wieder herzustellen, werden schon seit geraumer Zeit verschiedene Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Nach der aufwendigen Nachbildung des Orgelprospekts nehmen nun die Arbeiten in der Patronatsloge und in der Sakristei Formen an. 

Seit Mai dieses Jahres arbeitet die aus Jena stammende Diplom-Restauratorin Christiane Opitz an diesen beiden Räumen. Die Patronatsloge, in der seinerzeit unter anderem die Familie von Scharfenberg dem Gottesdienst beiwohnte. Die komplette Raumschale, also die Decke, die Wandverkleidung, Fenster und Türen werden in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. „Dabei müssen unterschiedliche Materialien und Untergründe entsprechend ihrer Charakteristika bearbeitet werden“, erklärt Christiane Opitz und spricht von einer fachlich besonders herausfordernden Aufgabe. 

Abstimmung mit Landesdenkmalamt

Restauration in vollem Gange: (von links) Wolf-Arthur Kalden und Christiane Opitz vor der Pastoratsloge.

Ein Beispiel sind die Leinwände, die sich in der Wandverkleidung befinden und die im Zuge der Sanierungsarbeiten in den 1960er-Jahren mit weißer Farbe überstrichen wurden. „Da man diese Bespannungen nicht einfach ausbauen kann, müsste die gesamte Wandverkleidung abgenommen werden, das ist viel zu aufwendig.“ In Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt habe man sich nun entschieden, neue Bespannungen zu rekonstruieren und die Leinwände originalgetreu zu bemalen. 

Dies ist nur eine der vielen detailreichen Arbeitsschritte, welche nötig sind, um die Patronatsloge wieder zu dem farbenfrohen Kleinod zu machen, die sie einmal war. Auch die Decke, die ursprünglich mit Holz und einem Überzug versehen war, wurde vor einigen Jahrzehnten, als ein minimalistischer Zeitgeist für Farben und Formen vorherrschte, weiß überstrichen. „Wir freuen uns, dass wir mit Christiane Opitz eine Restauratorin gefunden haben, die gewissenhaft, fachkundig und zügig diese Arbeiten ausführt“, sagt Wolf-Arthur Kalden vom Förderverein Stadtkirche zu Wanfried.

Kosten belaufen sich auf 70.000 Euro

Voraussichtlich bis September wird die Restaurierung der beiden Räume andauern, die Kosten für dieses Teilprojekt belaufen sich auf 70.000 Euro, die jeweils zur Hälfte aus Spenden sowie aus Mitteln der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Kirche von Kurhessen-Waldeck finanziert werden. Die nächsten Projekte stehen bereits fest, unter anderem müssen an der Kanzel die Ornamente freigelegt werden, die über fünfzig Kirchenbänke müssen von Farbe befreit und neu lackiert und die Empore rekonstruiert werden. „Es steht noch viel an“, so Kalden und schätzt, dass dafür noch mal etwa 300.000 Euro nötig seien.

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