Strohbären treiben den Winter aus: Fünf Männer laufen eingewickelt in Stroh durch Heldra

Strohbärenumzug durch Heldra: (von links) Marcus Sippel, Stefan Migenda, Julian Rimbach, Julian Schädler und Elias Steube Fotos: josephine ruhlandt

In Heldra zogen am Mittwoch wieder die Strohbären durch die Straßen, um den Winter auszutreiben. Das Spektakel hat in dem Wanfrieder Stadtteil eine lange Tradition.

Seit 9 Uhr wurden Marcus Sippel, Julian Rimbach, Elias Steube, Stefan Migenda und Julian Schädler mit Stroh eingewickelt. Vier bis fünf Meter hoch werden die Spitzen der Strohbären, bis zu 30 Kilo schwer wird das Stroh und bis zu 50 Grad warm kann es darunter werden.

Nach den traditionellen Regeln darf man nur zehn Mal als Strohbär mitlaufen und muss außerdem aus Heldra stammen. Marcus Sippel läuft das zehnte Jahr in Folge mit. Eigentlich sein letztes Jahr. „Wenn ich heute das letzte Mal mitlaufe, macht mich das eher traurig als froh“, sagt Sippel. „Das Interesse an der Tradition wird leider langsam weniger“, sagt er. Als er vor zehn Jahren das erste Mal mitgelaufen ist, seien sie noch sieben Männer gewesen.

„Viele gehen weg, um zu studieren und der Strohbärentag fällt leider auch immer in die Prüfungsphase“, erklärt Sippel. Da nur noch so wenig Männer mitmachen, könne er sich vorstellen, dass er nächstes Jahr auch wieder mitlaufen wird. „Wir haben die Regeln etwas aufgelockert. Um ein Strohbär zu sein, muss man auch nicht mehr zwingend aus Heldra stammen. Es reicht, wenn die Freundin aus Heldra kommt oder wenn man viel mit Heldra zu tun hat“, ergänzt Sippel.

„Beim Wickeln ist es am wichtigsten, die Stricke immer schön festzuziehen, sonst fällt das ganze Stroh wieder raus“, sagt Marco Schmidt. Er ist seit 25 Jahren dabei, elf Jahre davon ist er selbst Strohbär gewesen. In die Spitze kommt ein Stock, um besseren Halt zu geben. Wenn soweit alles fertig ist, werden Arme und Beine der Strohbären sozusagen gebrochen. „Das Stroh wäre sonst zu steif und die Männer könnten sich nicht bewegen“, sagt Schmidt. Die sogenannten Bärenschwänze werden allein von den Bärenführerinnen angefertigt. Sie versorgen auch den ganzen Tag die Bären, denn essen und trinken ist alleine mit dem Kostüm nicht möglich.

Ein weiterer Brauch sind die beiden Schwarzmaler, die alle Leute mit schwarzer Farbe anmalen. „Früher wurden die angemalten Mädchen von den Bären gefangen und gerubbelt und geschubbert“, sagt Elias Steube. Das habe ihnen die Flausen aus dem Kopf treiben sollen.

Nach dem Wickeln wurden die Strohbären auf einem Hänger zur Bushaltestelle des Dorfes gefahren. Dort wurden ihnen dann ihre Bärenschwänze angebracht, und sie bereiteten sich auf den Umzug vor, der dann um 14 Uhr von dort aus startete.

Der Umzug durch das Dorf wurde musikalisch begleitet von einer Kapelle und vielen Zuschauern an der Strecke. Insgesamt zwei Stunden liefen die Strohbären durch Heldra, bis sie dann am Sportplatz ankamen.  jr

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