Tradition an Aschermittwoch: So war es beim Strohbären-Tag in Heldra

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Was ein richtiger Strohbär werden will, braucht seinen Bärenzipfel: (Hinten) Für Julian Rimbach (21) ist es schon das dritte Jahr im Stroh, Elias Steube (18) ist das erste Mal dabei.

Heldra – In Heldra gehen die Strohbären um. Die Anfänge dieser Tradition liegen im Dorf über 200 Jahre zurück, wann und wie genau es begonnen hat, ist unbekannt. Klar ist: Der Brauch wird durch die Generationen weitergegeben.

Ein Strohbär im Entstehen: Er lässt sich gerne einwickeln.

Kinder werden zuerst als „Schwarzmacher“ in die Tradition eingeführt, frühestens mit Erreichen der Volljährigkeit dürfen sie sich zu Strohbären machen lassen – denn die Anstrengung, die mit Kostüm und Umzug verbunden ist, ist nicht zu unterschätzen. Das Bärengewand wiegt fast 50 Kilogramm und durch die Isolation, die das Stroh bietet, kann es innendrin mitunter ziemlich warm werden. Die, die dem Strohbärenalter entwachsen sind, kümmern sich um alles, was für die Organisation des Festes wichtig ist; wie zum Beispiel um die Beschaffung des Strohs. Und sie geben die Wickeltechnik an die nächste Generation weiter.

Was das alles soll? Weit verbreitet ist die Ansicht, dass es sich bei dem Umtrieb der Strohbären um ein Ritual handelt, mit dem die Austreibung des Winters bewirkt werden soll. Historisch geht der Strohbär aber auf die Figur des „Wilden Mannes“ zurück. Einer Figur, der metaphorisch die Bedeutung der dem Menschen feindlich gegenüberstehenden chaotischen Natur zukommt. Das Umtreiben und das anschließende Verbrennen der Strohbären am Abend kann als eine Darstellung der Konfrontation des Sieges über dieses Chaos verstanden werden.

Reges Treiben: Schon Stunden vor Beginn des Umzuges kamen viele Eltern mit ihren Kindern zum „Wickelplatz“.

Hierzu passt auch die wirre Katzenmusik, die beim Umtreiben im Umzug am Nachmittag gespielt wird, sowie die Tatsache, dass die Schwarzmacher unvorsichtige Zuschauer mit Ruß anschwärzen. Gemeinsam wurde bei Eiern und Speck im Anschluss gefeiert.

Die fünf Bürgermeisterkollegen aus der thüringisch – hessischen Grenzregion nach Heldra gefahren, um die Tradition des „Strohbärentags“ zu erleben.

Am Mittwoch stand außerdem ein wichtiges Vorbereitungsgespräch mit Vertretern beider Staatskanzleien aus Wiesbaden und Erfurt für die zentrale Gedenk– und Festveranstaltung „30 Jahre Grenzöffnung“ auf dem Programm, die am 9. November 2019 in Großburschla/Bhf. Großburschla stattfinden wird. Die hessischen und thüringischen Kommunen Geismar (Landkreis Eichsfeld), Landgemeinde Südeichsfeld (Unstrut-Hainich-Kreis) und die Stadt Treffurt (Wartburgkreis)“ sowie die beiden hessischen Kommunen Weißenborn und Wanfried wollen die zentrale Gedenkveranstaltung der Länder Hessen und Thüringen zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung in die Region holen. Im Anschluss daran sind die fünf Bürgermeisterkollegen Martin Kozber (Geismar), Andreas Henning (Südeichsfeld), Wilhelm Gebhard (Wanfried), Thomas Mäurer (Weißenborn) und Michael Reinz (Treffurt) aus der thüringisch – hessischen Grenzregion nach Heldra gefahren, um die Tradition des Strohbärentags zu erleben.

Von Tobias Müller

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