Viele Stimmen werden eins

Wanfrieder Chöre starten Pilotversuch: Gemeinsame Proben

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Überzeugt vom Chorprojekt: (von links) Claus Wehr (Vorsitzender der Maria-Katzer-Stiftung, die das Projekt finanziert), Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Kathrin Beyer von Omnibus sowie Chorleiter Christoph Havel.

Wanfried. Die Chöre und Gesangsvereine der Stadt Wanfried werden zunehmend von Nachwuchssorgen geplagt. „Das Problem ist im ländlichen Raum nicht neu“, sagt Kathrin Beyer von der Eschweger Freiwilligenagentur Omnibus. „Der Altersschnitt steigert, junge Sänger sind selten – damit haben wir häufig zu tun.“ Doch statt den Abgesang auf die traditionsreichen Wanfrieder Chöre und Singgemeinschaften anzustimmen, sollen sie fitgemacht werden für die Zukunft – mithilfe eines im Werra-Meißner-Kreis einzigartigen Projektes.

Seit Montag erproben die Chorgemeinschaft der Männergesangvereine (Männergesangverein Harmonie Wanfried und Chorverein Völkershausen), die Gemeinschaft der Chöre (Gemischter Chor „Bella musica“ und Meinhard Singers) sowie die Gemischten Chöre Aue 1947 und Heldra das gemeinsame Singen. Auch Mitglieder des von Volker Dotzert ins Leben gerufenen Projektchores waren bei der ersten Zusammenkunft im Bürgersaal des Wanfrieder Gasthauses „Zum Schwan“ dabei.

„Ohne Weiterentwicklung droht das Aussterben“, sagt Beyer. Das Wanfrieder Pilotprojekt sei das Ergebnis einer intensiven Planungsphase. „Entstanden ist die Idee im vergangenen Jahr aus dem Modellvorhaben ,Ehrenamt sicher in die Zukunft’ der Kommunen Wanfried, Eschwege und Großalmerode“, so Beyer.

Die Ehrenamtsagentur sei daraufhin in den Dialog mit Vertretern der Chöre und Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU) getreten, um ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. „Wenn es funktioniert, kann das Wanfrieder Modell ein Beispiel für viele Chöre im ländlichen Raum sein“, sagt Beyer. Bis zum Frühjahr soll getestet werden, wie das gemeinsame Singen angenommen wird.

Für die Proben wurde Christoph Havel als Chorleiter gewonnen. Der 29-Jährige ist studierter Musiker und Feuer und Flamme für das Projekt: „Der Versuch, aus vielen Kleinchören einen großen Singverband zu bilden, ist einzigartig“, sagt Havel. Für die erste der nun folgenden wöchentlichen Proben hat er eine Mischung aus traditionellen Werken von Brahms („Erlaube mir, feines Mädchen“) und schnellen Stücken wie „Come again“ von John Dowland zusammengestellt. „Kein Chor soll aufgegeben werden“, sagte Bürgermeister Gebhard. Es gehe darum, die Freude am Singen zu erhalten. „Auch wenn die Proben nicht im eigenen Stadtteil stattfinden, lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen – um eine Tradition Wanfrieds zu erhalten.“

Von Emily Spanel

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