Stadt sieht keine Alternative

Wanfried: Anwohner sammeln Unterschriften gegen Neubaugebiet im Lerchensgrund

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Möchten ihre grüne Lunge vor der Haustür bewahren: Tim Pippart und Ilona Huber sammeln Unterschriften gegen das von der Stadt geplante Neubaugebiet.

Die Verblüffung der Anwohner war groß: „Wir haben von dem geplanten Neubaugebiet aus der Zeitung erfahren“, erzählt Tim Pippart.

Zusammen mit seiner Nachbarin Ilona Huber hat er sogleich eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Lerchensgrund gestartet. „Mit unserer Aktion wollen wir zum Nachdenken anregen und einen Dialog, um neue Lösungsansätze eröffnen.“

Anfang Juni beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Wanfried einstimmig, das Neubaugebiet „Im Boden“ zu erweitern sowie ein neues „Im Lerchensgrund“ zu entwickeln. „Momentan prüfen wir, ob sich der Lerchensgrund als neues Baugebiet eignet“, erklärt Christoph Hoffmann von der Stadt Wanfried. Sobald die Pläne konkreter werden, soll dann auch die Bevölkerung in Form von Bürgerbeteiligungen eingebunden werden. „Wir wollen die Anwohner ernst nehmen und berechtigte Bürgeranliegen berücksichtigen“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der aber auch zu Bedenken gibt, dass der Prüfungsauftrag von den gewählten Volksvertretern im Stadtparlament kam.

Treffpunkt für Spaziergänger und Jogger

Hier könnten zehn neue Häuser entstehen: Die markierte Fläche zeigt das potenzielle Neubaugebiet im Wanfrieder Lerchensgrund.

Den Anwohnen ist klar, dass sie mit ihrer Aktion früh dran sind, doch ihnen geht es um mehr als eine unverbaute Aussicht: „Der Lerchensgrund ist ein beliebter Treffpunkt für Spaziergänger, Jogger, Hunderunden, für Alt und Jung. Es wäre sehr schade, wenn dieses Kleinod und damit ein Stück Wanfried verloren ginge“, sagt Ilona Huber. In den unberührten Flächen an der ehemaligen Bahnstrecke, die dort verläuft, ließen sich viele seltene Tiere, Insekten und Pflanzen finden. Tim Pippart würde hier gerne ein Naturschutzgebiet sehen, das etwa für Schulklassen als Anschauungsgebiet dienen könnte.

Laut den Anwohnern wäre es sinnvoller, am aktuellen Neubaugebiet „Im Boden“ weiterzubauen. Dort ist momentan auch der Neubau von zehn weiteren Grundstücken geplant. Das geht den Anwohner aber nicht weit genug. „Der Lerchensgrund ist von der Fläche her viel kleiner und bietet weniger Entwicklungspotenzial als das Areal ,Im Boden'“, so Tim Pippart.

"Lerchensgrund ist die beste Lösung"

Einen der Gründe, dass die Stadt hier nicht mehr Häuser plant, sehen er und seine Mitstreiter darin, dass es in diesem Gebiet zu Überschwemmungen gekommen sei. Durch Renaturierungsmaßnahmen etwa könnte man hier Abhilfe schaffen und so viel neues Bauland gewinnen. Die Stadt kann dies nicht bestätigen. „Im Norden ist das Gewerbegebiet, im Westen die Werra und im Osten liegt die Umgehungsstraße. Es bleibt nur der Süden und hier ist der Lerchensgrund die beste Lösung“, sagt Christoph Hoffmann.

,Im Boden' sei einfach zu steil, der Lerchensgrund hingegen sei eine Ackerfläche, mit deren Bebauung man nun eine „Lücke im Gesamt-Stadtbild schließen“ könnte. „Uns bleibt kaum eine andere Alternative oder wir müssen uns dazu entscheiden, dass Wanfried nicht weiter wachsen kann“, sagt Wilhelm Gebhard, für den das Baugebiet im Lerchensgrund eine unumgängliche und sinnvolle Entscheidung ist. „In den letzten 15 Jahren war unser oberstes Ziel, Leerstände zu vermeiden. Nun sind wir aber an einem Punkt angelangt, wo wir eine Neubesiedlung nicht weiter umgehen können.“

Bedarf an Bauplätzen

Grund hierfür ist der in den vergangenen drei Jahren stetig zunehmende Bedarf an Bauplätzen in Wanfried – es gibt bereits eine Warteliste. ,Im Lerchensgrund' wäre hierbei eine naheliegende Lösung, da es seit 40 Jahren Wohnerwartungsland ist. Die Spazierstrecke sowie die gewachsene Flora und Fauna an der ehemaligen Bahnstrecke könnten laut Gebhard erhalten bleiben.

Die Anwohner setzen entgegen, dass man, anstatt Wanfried zu vergrößern, lieber die Ortsteile attraktiver machen sollte – hier gebe es noch viel ungenutztes Potenzial. Da das Baurecht hochkomplex ist, ist momentan noch ungewiss, wann und ob überhaupt im Lerchensgrund gebaut werden kann.

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