Mein schönstes Hobby

DK2OU plauscht mit der ganzen Welt:Hartmut Vogt ist begeisterter Funkamateur

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Gibt seine Begeisterung weiter: Hartmut Vogt erklärt seinen Enkelkindern Otto (links) und Ava Mikrofon und Morsetaste seiner Kurzwellenfunkanlage.

Wanfried. Seit seiner Jugend ist der Wanfrieder Hartmut Vogt ein begeisterter Funkamateur. Wir stellen ihn und sein Hobby vor.

Elektrizität hat Hartmut Vogt aus Wanfried schon immer fasziniert. Durch den Beruf seines Vaters ist er am und im E-Werk in Wanfried aufgewachsen. Vollkommen geschehen ist es um ihn, als er mit 13 Jahren zu Weihnachten einen Kosmos-Baukasten mit dem Namen „Radiomann“ geschenkt bekommen hat. „Meine Eltern konnten damals noch nicht ahnen, welches Feuer sie damit für mein jetziges Hobby und auch den späteren Beruf in mir entfachten“, sagt Vogt heute.

Mit diesem Baukasten konnte man unter Einsatz der inneren Rolle von Toilettenpapier ein Radio basteln, das ganz ohne zusätzlichen Strom funktionierte. Auf die Papprolle wurden zahlreiche Windungen von Kupferlackdraht gewickelt und das Ganze dann mit einem Drehkondensator und einer Diode aus dem Baukasten verbunden. 20 Meter Draht in den nächsten Baum als Antenne gespannt, und schon konnte man mit einem Kopfhörer auf Empfang gehen. „Ich werde mein Leben lang diesen Moment nicht vergessen, als ich in den Abendstunden als 13-jähriger mit diesem einfachen selbst gebauten Empfänger erstmals im Kopfhörer Radio Monte Carlo hören konnte.“

Aufregende Zeit: Schwarzfunken als Schüler

Es folgten komplexere Basteleien mit Röhrenempfängern. „Manche Röhren konnte man auch zum Senden verwenden, was streng verboten war.“ Schwarzfunken mit einem Klassenkameraden sei eine sehr aufregende Zeit gewesen, sagt Vogt. Immer mit Herzklopfen und Blick auf die Straße, ob nicht der gelbe Peilwagen der Bundespost schon in der Nähe kreiste.

Mit 17 Jahren, nach bestandener Prüfung der Amateurfunklizenz, erhielt Hartmut Vogt von der Fernmeldebehörde das internationale Rufzeichen DK2OU. Im Kurzwellenbereich nutzen die Funkamateure die Ionosphäre, die durch die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung wie ein Spiegel wirkt. In 400 bis 600 Kilometern Höhe werden die Kurzwellenausstrahlungen zur Erde zurückreflektiert und von dort geht es in 1000- bis 2000-Kilometer-Sprüngen wieder nach oben, rund um den Erdball. Jeder Punkt der Erde ist für Funkamateure ohne Handy, Smartphone und Netzbetreiber erreichbar.

Freundschaften rund um den Globus gefunden

Rund um den Globus entwickelte Vogt persönliche Freundschaften unter den weltweit rund 2,8 Millionen Funkamateuren. In Deutschland sind es rund 70 000, darunter auch Prominente wie der Astronaut Alexander Gerst und Friedrich Merz. Funkamateure sind die einzige Gruppierung, die nach gesetzlichen Vorgaben Sender und Empfänger selbst bauen und in Betrieb nehmen dürfen. 

Erst vor einigen Wochen haben Funkamateure einen eigenen geostationären Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Jeder hat seine speziellen Vorlieben. Hartmut Vogt mag noch die alte Betriebsart des Morsens und den persönlichen Plausch. „Sprachbarrieren gibt es eigentlich nicht.“ In Kombination mit wenigen englischen Grundkenntnissen und den internationalen Kürzeln könne man sich mit Chinesen genauso verständigen wie mit Mexikanern, Russen oder Afrikanern.

Eines habe sich allerdings sehr gewandelt, sagt Vogt schmunzelnd. „Durch den Einzug von Computern in unser Hobby müssen heute unsere jüngeren Mitglieder im Eschweger Amateur-Radio-Club den Älteren so manche komplexeren Funktionen der Digitaltechnik näher erklären. 

www.ov-f28.de

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