Wanfried-Druck als Name verschwunden, H. O. Persiehl stellt Weichen für Sanierung

Es wird weiter gedruckt

+
Die neuen Herren im Haus Wanfried-Druck/H. O. Persiehl: Oben stehend die Brüder Philipp und John-Moritz Persiehl, Christoph von Nitzsch (Geschäftsführer vor Ort in Wanfried), sitzend Roger Mengeler (Leiter Kaufmännische Verwaltung), rechts Wolf-Arthur Kalden. Die Schutzkleidung gehört zu den Hygienvorschriften, weil hier Verpackungen für Lebensmittel bedruckt werden.

Wanfried. Mag man vor Ort noch von Wanfried-Druck reden, der 151-jährige Familienbetrieb heißt bis hin zum Klingelschild an der Sprechanlage seit 1. Januar H. O. Persiehl (GmbH & Co.) KG. Um den Fortbestand der Firma zu sichern und einen Großteil der Arbeitsplätze zu erhalten, hat der 59-jährige Eigentümer Wolf-Arthur Kalden den Betrieb an das ebenfalls in Familienhand befindliche Unternehmen H. O. Persiehl aus Norderstedt bei Hamburg verkauft.

„Wir haben lange gesucht, glauben an Wanfried und haben deshalb investiert, das passt alles“, sagen die Brüder Philipp und Moritz Persiehl. Ihr Stammhaus in sechster Generation produziert anspruchsvolle Verpackungen beispielsweise für Imperial Tobacco (Davidoff), Reemtsma, Toffifee und Meßmer Tee. Wanfried-Druck und H. O. Persiehl waren in der Branche keine direkten Konkurrenten, ergänzen sich dennoch ideal.

In Norderstedt sind es 240 Mitarbeiter, wie in Wanfried Drucker, Verpackungsmechaniker und Mediengestalter. In Wanfried sind es jetzt 116 Mitarbeiter plus elf Auszubildende. 42 Arbeitsplätze mussten wegen der Sanierung abgebaut werden, die Bemühungen, andere Arbeit für die Betroffenen zu finden, seien „vorbildlich“, sagen die Persiehl-Brüder, „keiner ist in ein Loch gefallen.“ Sie tragen und finanzieren zusammen mit dem Land Hessen, der Arbeitsagentur, Verdi und Kalden eine Transfergesellschaft, die 80 Prozent des letzten Nettolohnes zahlt. Drei Leute haben gekündigt, 39 gehörten zunächst der Gesellschaft an, 18 haben ohne sie schon einen anderen Arbeitsplatz gefunden.

Die verbleibenden Beschäftigten haben einen Altersdurchschnitt von 46 Jahren, bekommen Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Überstunden werden bezahlt, sagt Geschäftsführer Christoph von Nitzsch. Das habe es bei Kalden schon lange nicht mehr gegeben.

Weil Großkunden wie Ferrero sich nicht gern nur auf einen Lieferanten verlassen, wird ihnen mit nunmehr zwei Standorten Liefersicherheit gewährleistet, erläutert Philipp Persiehl die Firmenphilosophie. Dazu gehören Ehrlichkeit, Fairness, Zuverlässigkeit und die familiäre Basis, „unsere Väter haben sich schon persönlich gekannt und wir uns auch“, sagt Wolf-Arthur Kalden, der noch für drei Jahre als Berater in der Firma bleibt, „ich habe aber nichts mehr zu sagen.“

Bis 2015 will H. O. Persiehl über den Berg sein, die berühmte schwarze Null oder am liebsten noch mehr schreiben, so der kaufmännische Leiter Roger Megeler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare