Interview

Wanfrieder Brombeermann verrät: „Seit Wochen zähle ich die Tage, bis es wieder losgeht“

Übernimmt am Samstagabend die Herrschaft über die Stadt: Der Wanfrieder Brombeermann (seit 1998 Uwe Roth) wird dabei von seinen Elfen und Zwergen unterstützt. Foto: Jürgen Katzer/nh

Vor dem Wanfrieder Schützenfest stand und der Brombeermann Rede und Antwort. 

Vom 12. bis 15. Juli feiern die Wanfrieder ihr Volks-, Schützen- und Heimatfest. Vom reinen Vogelschießen hat sich die Veranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg zum Fest für jedermann entwickelt. Ab Samstagabend regiert die Wanfrieder Symbolfigur Brombeermann über die Stadt. Mit ihm führten wir ein Interview.

Lieber Brombeermann, wie groß ist die Vorfreude auf das nächste Woche beginnende Fest?

Die Vorfreude ist riesig. Seit Wochen zähle ich die Tage, bis es wieder losgeht.

Wie hast du die Zeit seit dem letzten Fest verbracht? Ist es nicht furchtbar langweilig für dich zwischen den Festen?

Nein. Ich habe das ganze Jahr über ein tolles Leben in den Taterslöchern über dem Kalkhof. Dort erfreue ich mich der schönen Natur des Werratals und lasse mich von meinen Elfen und Zwergen mit veganen Speisen verwöhnen. Ich freue mich aber schon mächtig, wenn ich am Samstag wieder in die Stadt geführt werde.

Volks-, Schützen- oder Heimatfest: Welcher Teil ist dem Brombeermann am wichtigsten?

Das Heimatfest. Mit einem Volksfest verbinde ich in erster Linie die Feierei. Ein Heimatfest birgt aber die Tradition, die mir sehr wichtig ist. Es gibt einen klaren, sich wiederholenden Ablauf. Den Schützen bin ich aber sehr dankbar, dass sie Jahr für Jahr das finanzielle Risiko auf sich nehmen und den Wanfriedern ein Fest ausrichten. Der Schützenverein versteht es, aus einem Vereinsfest ein Heimatfest zu machen.

Wie meinst du das?

Bezeichnend ist für mich der Montagnachmittag. Am Schützenheim kommen alle zusammen, weil sie wissen wollen, wer der neue König des Vereins wird. Es ist aber nicht nur der König des Vereins. Die Wanfrieder sagen: „Es ist unser Schützenkönig, es ist unser Schützenfest“. Der Verein schafft es also, die Schnittstelle zwischen Schützen- und Heimatfest zu sein.

Vier Tage wird gefeiert: Auf welchen Tag freut sich der Brombeermann am meisten?

Auf den Samstagabend natürlich. Es unheimlich schön, wenn meine Elfen und Zwerge mich zum Rathaus begleiten. Der Weg hat fast etwas Meditatives. Ich bekomme jetzt schon Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, wie die Kinder mich bewundern werden. Das hat etwas Erhabenes und Ehrfürchtiges – fast wie an Weihnachten.

Am Samstagabend übernimmst du mit dem Stadtschlüssel die Herrschaft über Wanfried. Was sind dann deine Aufgaben?

Ich habe keine besonderen Aufgaben. Wenn ich den Stadtschlüssel bekommen habe, herrscht Anarchie – denn Wanfried ist im Ausnahmezustand. Die Schlüsselübergabe ist der Startschuss zu diesem Ausnahmezustand.

Was würde der Brombeermann in Wanfried gerne verändern, wenn er länger als zwei Tage das Sagen hätte?

Ich würde in Wanfried mehr Dinge wie die Kindergärten und das Schwimmbad umsetzen, die sich nicht unbedingt rechnen. Für die nachwachsenden Generationen würde ich Lebenswertes schaffen, das sich nicht unbedingt betriebswirtschaftlich rechnet. Außerdem würde ich dafür sorgen wollen, dass der Geist des Schützenfestes das gesamte Jahr über Wanfried weht. Wir brauchen mehr Höhepunkte wie unser Schützenfest und G.G. oder Karat an der Schlagd, die die Menschen verbindet.

Ein Tipp zum Schluss: Wo gibt es in Wanfried die besten Brombeeren?

In freier Wildbahn? Vor der Plesse natürlich. Qualität und Menge werden dieses Jahr übrigens hervorragend sein.

Zur Person

Der Brombeermann ist spätestens seit dem 30. August 1608 die Symbolfigur der Wanfrieder. Damals hatte Landgraf Moritz für die Verleihung der Stadtrechte verlangt, dass die Wanfrieder ihm jeden Sommer zwei große Körbe voll reifer Brombeeren nach Eschwege bringen sollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brombeermann auch Teil des Wanfrieder Volksfestes, das von nun an nicht nur als Schützen-, sondern auch als Heimatfest gefeiert wurde. 

Seitdem wurde er von Wolfgang Günther, Fritz Sieland, Heinrich Roth und Uwe Roth verkörpert. Immer am zweiten Wochenende im Juli kommt der Brombeermann mit seinem Gefolge in die Stadt, um vom Bürgermeister die Herrschaft zu übernehmen. Der Brombeermann ist nicht verheiratet und hat unzählige Elfen und Zwerge.

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