Ein Museum zieht um: Wanfrieder Dokumentationszentrum verlässt das Keudell’sche Schloss

Jede Menge Arbeit: Um den Umzug haben sich u.a. (von links) die beiden Restauratorinnen Antje Kreuzberg und ihre Kollegin Agnes Zaleski, Heinz und Heike Stracke sowie Olaf Prehm gekümmert. Foto: Gebhard/NH

Nach dem Verkauf des Keudell’schen Schlosses werden die  Exponate aus dem Wanfrieder Heimatmuseum eingelagert, bis ein neuer Standort gefunden ist.

Jedes Ausstellungsstück wurde einzeln fotografiert. Raum für Raum haben die Helferim Heimatmuseum und Dokumentationszentrum zur deutschen Nachkriegsgeschichte in Wanfried dokumentiert, was dort ausgestellt ist. Warum? Weil das Wanfrieder Museum nach dem Verkauf des Keudell’schen Schlosses auf unbestimmte Zeit verschwindet. Die Exponate werden jetzt erst mal eingelagert, bis ein neuer Standort für die Ausstellungsstücke gefunden werden.

Die Museumsführer Heinz Starcke, Olaf Prehm und Holger Döring sowie Heike Starcke wurden beim Umzug professionell unterstützt. Der Hessische Museumsverband hat den Wanfrieder Ehrenamtlichen zwei Restauratorinnen empfohlen. Antje Kreuzberg und ihre Kollegin Agnes Zaleski zeigten den Wanfriedern das fachgerechte Verpacken und Lagern der Ausstellungsstücke. Die Stadt Wanfried hat nach Vorgabe von Kreuzberg Materialien wie Luftpolsterfolie, Seidenpapier, Schaumstoffkissen und viele Kartons beschafft. Die Kosten für die beiden Fachkräfte aus Kassel hat der Museumsverband zur Hälfte getragen.

Die Ausstellungsstücke ziehen jetzt vorerst in ein nahegelegenes Bürogebäude um. Das darf die Stadt Wanfried bis zur abschließenden Entscheidung für einen neuen Museumsstandort kostenfrei nutzen. Wie genau die künftige Darstellungsform des Museums aussehen wird, wird in der nächsten Zeit beraten. „Vielleicht ist der Umzug auch eine Chance, ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagt Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

Die Stadt Wanfried hatte das Keudell’sche Schloss im vergangenen Jahr an einen Investor aus Bad Säckingen in Baden-Württemberg verkauft. Der möchte hier ein Tagungszentrum eröffnen. Das Heimatmuseum und Dokumentationszentrum zur deutschen Nachkriegsgeschichte zieht gerade als letzter Nutzer aus dem Keudell’schen Schloss aus.

Das Kleiderstübchen hat bereits neue Räume im Sozialzentrum neben der Erich-Schröder-Halle bezogen. Der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wartet auf die Fertigstellung der neuen Rettungswache im Herbst. Bis dahin werden sich Vorstand und Mitglieder zu Versammlungen und Sitzungen im Gebäude der Feuerwehr Wanfried treffen. Die Vorsitzende des DRK Wanfried, Theresina Albert, hat der Stadt Wanfried kürzlich ein Schreiben übersandt, in dem sie sich bei der Stadt für die jahrzehntelange kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten im Keudell’schen Schloss bedankte.

Die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im zweiten Obergeschoss hat der Landkreis bereits im Spätsommer geräumt. „Sie war aufgrund der gesunkenen Flüchtlingszahlen nicht mehr notwendig“, berichtet Gebhard.

Die Ausstellungsstücke wurden sehr sorgfältig für die Einlagerung vorbereitet. Auch Heike Starcke unterstützte die Arbeiten nach Kräften. „Sie verbrachte in den vergangenen Wochen mehr Zeit mit den Museumsführern im Keudell’schen Schloss als Zuhause“, berichtet Gebhard die fleißigen Hände. In wenigen Tagen werden der Bauhof und ein Möbelunternehmer die letzten Ausstellungsstücke ausräumen und eingelagert haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare