Rotfichte gefällt

Wanfried: Weihnachtsbaum für Kanzleramt kommt aus Schlierbachtal

Weihnachtsbaum-Aktion in Wanfried: Das Kanzleramt bekommt seinen Baum in diesem Jahr aus dem Schlierbachtal. Ein achtköpfiges Team hat die 25 Meter hohe Rotfichte im Wald gefällt.
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Weihnachtsbaum-Aktion in Wanfried: Das Kanzleramt bekommt seinen Baum in diesem Jahr aus dem Schlierbachtal. Ein achtköpfiges Team hat die 25 Meter hohe Rotfichte im Wald gefällt.

Der Weihnachtsbaum für das Bundeskanzleramt kommt in diesem Jahr aus Wanfried: Eine Rotfichte aus dem Schlierbachtal soll den Ehrenhof in Berlin schmücken.

Wanfried – „20 Zentimeter weiter nach hinten. Jetzt höher. Langsam! Gut. Jetzt wieder ein Stück runter“, koordiniert Hubertus Freiherr Roeder von Diersburg das Verladen seiner Rotfichte auf die lange Fläche des Lkw. Zentimeterarbeit ist gefragt. Waldbesitzer Roeder steht mitten zwischen den schweren Zweigen, den Griff fest um den Stamm des etwa 70 Jahre alten Baumes. In wenigen Stunden soll er nach Berlin transportiert werden, denn die Fichte schmückt in diesem Jahr als Weihnachtsbaum das Bundeskanzleramt.

Die Profis vor Ort kennen sich mit dem Prozedere bestens aus. Denn schon vor acht Jahren kam der Baum für das Kanzleramt aus dem Wald bei Wanfried. „Wir freuen uns, dem Kanzleramt in diesem Jahr wieder einen Baum zu liefern und dann sogar den vielleicht letzten Baum, den Frau Merkel als Bundeskanzlerin entgegennimmt“, sagt Roeder. „Wanfried steht für Bodenständigkeit und wir hoffen, mit dem Baum auch ein Stück Bodenständigkeit nach Berlin zu bringen“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

Stolz darauf, dass der Baum in diesem Jahr aus Wanfried kommt: Bürgermeister Wilhelm Gebhard (von links) mit Hubertus Freiherr von Roeder von Diersburg und Wolfgang Lauer.

Mit Sicherungsseil und Helm ist Roeder persönlich am frühen Freitagmorgen die Fichte hinaufgeklettert. „In etwa zehn Metern Höhe habe ich dann die Schlaufen für den Kran und das Sicherungsseil befestigt.“ Denn der Baum soll nicht einfach bloß gefällt werden: Er ist mit Stahlseilen gesichert, ein Rückezug (eine Krantechnik mit Greifarm) hält den Baum in der Mitte fest. „So soll das Ganze kontrolliert zu Boden gebracht werden, damit die Äste nicht abbrechen“, erklärt Revierwächter Paul Graf von Plettenberg, der als Helfer vom Team Roeder dabei ist.

Die Maschinen, die für diesen logistischen Aufwand nötig sind, sowie der Anhänger für den Lkw kommen vom Forstunternehmen Wolfgang Lauer aus Steinau-Marborn, das mit fünf Helfern vor Ort ist. Das Zugfahrzeug, das den Baum nach Berlin transportiert, wird von der Firma Ebert Fahrzeugbau gesponsert. Roeder ist mit zwei Mitarbeitern dabei.

25 Meter war der Baum lang, bevor er zugeschnitten wurde.

Das achtköpfige Team hat alles vorbereitet und gesichert. Nun wird es spannend. Mit Ohrenschutz und Helm schnappt sich Kain Zbigniew von der Firma Lauer die Motorsäge. Er setzt am dicken Stamm der Fichte an. Die Späne fliegen. „Das macht Spaß“, sagt er später mit einem Schmunzeln. Ringsherum sägt er Fallkerben in das Holz, ehe der finale Schnitt den Stamm durchtrennt. Der Nadelbaum wankt etwas. Dann kippt er plötzlich in die falsche Richtung. Helfer und Medienleute räumen zügig das Feld. Der Rückezug aber hat die Rotfichte fest im Griff und legt sie wie geplant ab.

Der Rückezug hält den Baum fest. So kann er kontrolliert abgelegt werden.

„Das war eine kurze Schrecksekunde, aber es ist alles gut gegangen. Wir haben alles doppelt mit Stahlseil und Kran abgesichert“, sagt Wolfgang Lauer. Den Grund für die geänderte Fallrichtung können die Forstarbeiter sofort erkennen: Der Stamm ist am unteren Ende im Inneren etwas gefault, wodurch sich die Fallrichtung etwas geändert hat. An Ort und Stelle wird die 25 Meter hohe Fichte zugeschnitten, denn nur die oberen 16 Meter werden ins Kanzleramt gebracht. Anschließend transportiert das Team den Baum vorsichtig auf die Lichtung vor dem Wald, wo er nochmals ausgemessen, akkurat abgesägt und auf den Lkw-Anhänger verladen wird. Spanngurte und Netze sichern den Baum.

„Ich bin sehr zufrieden, wie es heute gelaufen ist“, sagt Lauer. Das findet auch Roeder: „Alles ist perfekt gelaufen. Ich bin mehr als zufrieden. Ich hatte im Vorfeld die Befürchtung, dass etwas schiefgehen könnte.“

Eingespieltes Team seit vielen Jahren: Hubertus Roeder und Wolfgang Lauer haben die Aktion gemeinsam geplant und perfekt gemacht.

Denn solch eine Aktion sei nicht unkompliziert. Das fange schon beim geeigneten Baum an. Ein schöner Baum müsse es sein, der weder von Trockenheit noch von Borkenkäfern beschädigt ist, was in diesem Jahr aber nicht selbstverständlich sei. Dann sei das Fällen bei einem Baum dieser Größe nicht ungefährlich. Danach komme noch der sichere Transport aus dem Wald und nach Berlin hinzu. Alles gar nicht so einfach.

Nach etwa drei Stunden ist der Baum bereit zur Abfahrt. Die Forstarbeiter wirken geschafft, aber zufrieden. „Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne so ein super Team, das toll zusammenarbeitet“, sagt Roeder. (Von Jessica Sippel)

Weitere Bilder gibt es in unserer Fotostrecke:

Weihnachtsbaum für Kanzleramt kommt aus Wanfried

Weihnachtsbaum-Aktion in Wanfried: Das Kanzleramt bekommt seinen Baum in diesem Jahr aus dem Schlierbachtal. Ein achtköpfiges Team hat die 25 Meter hohe Rotfichte im Wald gefällt.
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