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Mit gutem Freund gepilgert: Wolf-Arthur Kalden acht Wochen mit Hund unterwegs

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Von: Theresa Lippe

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Geschafft: Wolf-Arthur Kalden und sein Hund Chay-Yim vor der Cathédrale in Chartres, Frankreich. Gemeinsam sind sie acht Wochen gepilgert.
Geschafft: Wolf-Arthur Kalden und sein Hund Chay-Yim vor der Cathédrale in Chartres, Frankreich. Gemeinsam sind sie acht Wochen gepilgert. © Wolf-Arthur Kalden

Wenn Wolf-Arthur Kalden (69) von seiner Pilgerreise erzählt, wird schnell klar: Er war mit einem guten Freund unterwegs: seinem Hund Chay-Yim.

Wanfried – Mit ihm lief er von Wanfried bis Chartres, Frankreich. Im Gespräch hat Kalden von der achtwöchigen Tour mit seinem vierbeinigen Freund berichtet.

Die Vorbereitung

Akribisch genau hat sich Kalden in Excel-Tabellen notiert und unter anderem berechnet, wie viel die Kleidung wiegt, wie viel Verpflegung er für sich und seinen Hund mitnehmen muss und wie viel Nährwert die Lebensmittel haben. Denn jedes Gramm zu viel auf dem Rücken kann auf fast 1000 Kilometern Strecke unbequem werden. Schlussendlich hatte sein Rucksack ein Gewicht von knapp 16 Kilo, 2 Kilo davon Hundefutter.

Doch nicht nur das Gepäck hat Kalden vorgeplant: „Mit der App Komoot habe ich meine Route notiert und die 48 Etappen eingetragen.“ Um sich körperlich auf die Reise vorzubereiten, habe der 69-Jährige mehrere Test-Etappen im Werra-Meißner-Kreis gelaufen.

Der Begleiter

Nicht umsonst heißt es „Der Hund ist des Menschen bester Freund.“ Der Eurasier-Rüde Chay-Yim sei ein toller Begleiter gewesen, sagt Kalden. „Er hat sich hervorragend benommen, das ist ein toller Kerl“, schwärmt er von seinem Hund. Immer wieder betont er im Gespräch, wie besonders die Verbindung zu seinem Vierbeiner ist. Und nicht weniger als beste Freunde müssen Hund und Herrchen wohl sein, um so eine anstrengende Reise gemeinsam anzutreten.

Wolf-Arthur Kalden bei seiner Pilgerreise von Wanfried nach Chartres, Frankreich
Wolf-Arthur Kalden bei seiner Pilgerreise von Wanfried nach Chartres, Frankreich © Wolf-Arthur Kalden

„Wir sind fast die komplette Strecke gelaufen, aber ein Mal mussten wir den Zug nehmen weil Chay-Yim Probleme mit der Pfote hatte“, berichtet er besorgt. Doch glücklicherweise war sein Hund schnell wieder fit und die Tour konnte gemeinsam fortgesetzt werden. Und so teilten sie unterwegs nicht nur die Unterkünfte, sondern auch mal ein Croissant oder Cheeseburger: „Das war natürlich eine Ausnahme, aber er hatte es sich verdient“, sagt Kalden.

Der Weg

„Der Weg war für mich tatsächlich der Weg – und nicht das Ziel“, sagt Kalden. Die Pilgerreise habe für den Prädikanten der evangelischen Kirche religiösen aber auch sportlichen Hintergrund gehabt. So sei er im Schnitt 20 Kilometer am Tag gelaufen, „es kam aber auch vor, dass es an einem Tag mal 18 und am nächsten dann 38 Kilometer waren.“ Durchschnittstempo: zirka drei Kilometer pro Stunde.

Vorher nicht geplant, aber dann als für ihn passenden Rhythmus sei er sechs Tage am Stück gelaufen und hätte dann einen Tag pausiert. Seine Route wurde ihm per App auf der Smartwatch angezeigt. „Das war praktisch, so musste ich nicht ständig mein Handy in der Hand halten.“

Start war am Ostersonntag an der Kathedrale in Wanfried. Er habe nicht die typischen „Pilger-Autobahnen“ gelaufen, sondern sei seinen ganz eigenen Weg gegangen: „Der führte dann auch mal in Shorts durch ein Brennnesselfeld“, sagt Kalden und lacht. Unter anderem machten Kalden und Chay-Yim Halt an der Mosel, wo Frau(-chen) Dürten dazu stieß und sie gemeinsam drei Tage in Trier verbrachten: „Das war ein absolutes Highlight.“

Von Trier aus ging es für Hund und Herrchen weiter, am Himmelfahrtssonntag kamen sie in Reims, Frankreich an. Wie auch bei seinen anderen Etappenzielen, besuchte Kalden hier eine Kirche. „Chay-Yim hat dann bei den Wächtern gewartet, während ich die Kirchen besucht habe“ – so auch in Reims.

Der Lächelnde Engel in Reims, Frankreich.
Der Lächelnde Engel in Reims, Frankreich. © Wolf-Arthur Kalden

Dort zeigte man Kalden den Lächelnden Engel (L’Ange au Sourire). Angeblich handle es sich hierbei um die einzige Engelsstatue, die ihre Flügel nicht anwinkelt, sondern zum Fliegen ausstreckt – das hätte man ihm zumindest erzählt: „Recherchieren konnte ich das aber natürlich schlecht“, sagt er scherzend.

Übernachtet habe er bei alten Freunden, in Hostels, ausgebauten Wohnwagen oder auch mal in Kellerzimmern, die er für die Nacht mieten konnte. „Das war alles ohne hohen Anspruch“, sagt Kalden.

Der Weg

Von Kathedrale zu Cathédrale wollte Kalden pilgern – von „seiner“ Kirche in Wanfried zur Cathédrale Notre-Dame de Chartres. Eine besondere Kirche, die in Kriegszeiten kaum beschädigt wurde. So gibt es dort beispielsweise 172 außergewöhnliche und bunte Kirchenfenster.

Das Pilgerfenster in der Cathédrale Notre-Dame de Chartres. Gelesen wird es von unten nach oben.
Das Pilgerfenster in der Cathédrale Notre-Dame de Chartres. Gelesen wird es von unten nach oben. © Wolf-Arthur Kalden

Aber auch ein kreisförmiges Labyrinth befindet sich im Boden des Kirchenschiffs. Es hat eine Gesamtlänge von 261,5 Metern, die die Pilger im Mittelalter betend, als eine symbolische Wallfahrt nach Jerusalem, abliefen. Kalden: „Verlaufen kann man sich darin aber nicht, alle Wege führen hier zum Ziel.“

Das Fazit

Im Hinterkopf hätte er stets das Gedicht „Der Pilger“ von Joseph Freiherr von Eichendorff gehabt. Für Kalden beschreibe es den Pilger und seinen Weg sehr passend. Und sein eigenes Gefühl? „Wir haben durchgehalten“, freut er sich und macht mit dem kleinen Wörtchen „wir“ wieder deutlich: Hier waren echte Freunde zusammen unterwegs. (Theresa Lippe)

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