Schaf schafft Landschaft

Weg von der Massenproduktion - neues Label soll Arbeit der Schäfer aufwerten

Ein Leben auf den Weideflächen im Werra-Meißner-Kreis: Die Hüteschäferei Dissen mit einer Herde Schafe auf dem Kindelberg bei Reichenbach.
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Ein Leben auf den Weideflächen im Werra-Meißner-Kreis: Die Hüteschäferei Dissen mit einer Herde Schafe auf dem Kindelberg bei Reichenbach.

Lamm- und Schaffleisch muss nicht aus Neuseeland oder Australien eingeflogen werden. Dieser Meinung sind der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und der Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner.

Eschwege – Denn hier vor Ort – im Werra-Meißner-Kreis – werde das Fleisch von Lämmern und Schafen unter natürlichen Bedingungen erzeugt und erreiche dadurch beste Qualität, erklärt Dr. Sabine Budde, die beim Naturpark für „Schaf schafft Landschaft“ verantwortlich ist. Ein neues Projekt solle diese Qualität nun in den Vordergrund rücken.

Ziel sei es, das Lammfleisch aus der Region in die Kühltruhen der Lebensmittelmärkte, in die Auslagen der Metzgereien und somit auf die Teller der Bewohner des Werra-Meißner-Kreises und gerne auch darüber hinaus zu bringen. „Lammfleisch und andere Produkte der Schäfereibetriebe aus der Region sind kaum bei uns erhältlich“, sagt Budde.

Doch das solle sich nun ändern. Denn nun trifft „Schaf schafft Landschaft“ auf „Lokal – einfach genial“, eine Initiative des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner. Gemeinsam wolle man den Produkten wie Lammfleisch, Schafskäse und Schurwolle eine Plattform bieten, erklären auch die Geschäftsführer vom Geo-Naturpark, Marco Lenarduzzi, und dem Verein für Regionalentwicklung, Sabine Wilke. Auch im touristischen Bereich wolle man die Produkte der Schäfereien prominent platzieren.

Die Umsetzung

Mit der Umsetzung habe man schon angefangen. So wurde eine Produktpalette entwickelt und man habe sich über Vermarktungswege Gedanken gemacht. Unter anderem solle das Fleisch und weitere Produkte über einen Online-Shop angeboten werden, erklärt Lenarduzzi.

Doch leicht sei die Umsetzung nicht. Denn zum einen sollen die Produkte auch aus der Region kommen und zum anderen würden noch teilnehmende Betriebe gesucht. Neu ist die Idee der Aufwertung des Lammfleisches nicht. Schon Anfang der 2000er-Jahre hat es das „Meißner-Lamm“ gegeben, so Lenarduzzi. Der durchschlagende Erfolg blieb aus. Das Einzugsgebiet sei zu klein gewesen.

Warum das Konzept nun aufgehen soll? Inzwischen hätten sich die Bedingungen geändert, sind sich Budde, Lenarduzzi und Wilke sicher. „Heute haben wir eine andere, touristisch geprägte Infrastruktur und können uns besser nach Außen präsentieren“, so der Geschäftsführer des Geo-Naturparks. Interessierte Betriebe habe man schon einige auf der Liste stehen. Vier verarbeitende Betriebe habe man bislang für das Projekt gewinnen können.

Die Strategie

„Wir verkaufen nicht das Schaf, sondern regionale Produkte und die Geschichte, die dahinter steht“, erklärt Marco Lenarduzzi. Wer etwa als Tourist den Kreis mit seinen Wanderwegen erkunde, der solle auf die Schäfereien in der Gegend aufmerksam gemacht und über die Arbeit mit den Tieren sowie über das Leben der Schafe und Lämmer auf Hinweistafeln informiert werden. Auf diese Weise sollen nicht nur die Produkte beworben und aus der Anonymität geholt, sondern auch die Arbeit der Schäfer aufgewertet werden.

Die zugehörigen Produkte sollen außerdem ihr eigenes Label erhalten – mit dem Logo des Geo-Naturparks. „Wir geben unseren Namen und garantieren für die Qualität“, verspricht Lenarduzzi.

Das Angebot

Absolut nachhaltig: regional und kurze Wege. Diese beiden Punkte schreibt sich das Projekt auf die Fahne. Schafe und Lämmer kämen von Schäfereien aus der Region. „Schlachtung und Produktion erfolgen handwerklich und traditionell in mittelständischen, etablierten Betrieben im Kreis“, sagt Budde.

Dazu gehöre „Der Teichhof“ in Grandenborn. Das Schaf verbringe sein ganzes Leben hier in der Region. Auf diese Weise wolle man sich von der anonymen Massenproduktion abwenden und stattdessen hinwenden zu Produkten mit nachvollziehbarer Herkunft und Produktion, führt Budde aus.

Auch wenn der Fokus im ersten Schritt auf Lamm und Schaf liegen werde, sollen unter dem neuen Label weitere regionale Produkte angeboten werden. Wie etwa Wildfleisch, Honig, Seife. Man wolle auch Hobbyköche, die „die sich nicht an Lamm- und Schaffleisch rantrauen“, an das regionale Fleisch heranführen, so Lenarduzzi.

Von Hanna Maiterth

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