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Wolfgang Becker schreibt Hefte über Reichensachsen

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Wolfgang Becker an seinem Arbeitsplatz: All seine Hefte erstellt er selbst am Computer.
Wolfgang Becker an seinem Arbeitsplatz: All seine Hefte erstellt er selbst am Computer. © Eden Sophie Rimbach

Wolfgang Becker gibt mit seinen Heften Einblicke in die Vergangenheit seiner Gemeinde.

Reichensachsen – Erinnerungen an Menschen, das Platt Reichensachsens, Orte und Unternehmen, die das Dorf prägten, vergessene Berufe und viel mehr: Das vereint Wolfgang Becker aus Reichensachsen seit 2003 in inzwischen 20 Heften. Nach zwölf Heften der Reihe „Richensääser Blaad“ und einem Sonderheft zur Kirmes ist nun das siebte Heft der Reihe „Reichensachsen – Ein Dorf und seine Leute – Erinnerungen“ erschienen.

Anhand zahlreicher Bilder erinnert er darin unter anderem an Menschen und Gaststätten des Dorfes, regt mit einigen Vergleichen zum Nachdenken an. So geht er auf die Gaststätten Reichensachsens ein, zeigt anhand einiger Bilder, wie sie sich im Laufe der Jahre verändert haben. Becker blickt auch auf die ehemaligen Gasthäuser „Zur Post“, Albert Buchbach, Julius Seibert und Willi Sippel sowie auf den Felsenkeller und dessen Gastwirt Georg Wächter zurück. Letzterer ist zusammen mit seinen Mitarbeitern auf einem der Fotos im Heft zu sehen.

„Richensääser Blaad“

Das Titelblatt zeigt neben einer bis heute betriebenen Gaststätte auch die ehemalige Zigarrenfabrik Reichensachsens. Der 86-Jährige erinnert sich, dass dort während der 1940er Jahre etwa 30 bis 40 Frauen beschäftigt waren.

Dass auch die eigenen kleine Landwirtschaften das Leben vieler Familien im Dorf prägte, weiß Becker. Er erinnert im Heft an zwei Bereiche des alltäglichen Lebens, die heute kaum noch bekannt sind. Unter anderem schreibt er über die in 1966 aufgelöste Bockstation und darüber, dass nach dem Zweiten Weltkrieg etwa einhundert Familien im Dorf Ziegen hielten. Meist gehörten zu dieser Art der Landwirtschaft neben jeweils vier bis fünf Ziegen und wenigen Schweinen auch einige Stückchen Land.

Beim Ernten der Kartoffeln halfen die Nachbarn mit, ein Landwirt unterstütze beim Bewirtschaften. Das war eine Gegenleistung dafür, dass die Frauen in Familien mit kleinerer Landwirtschaft bei einem größeren Landwirt aushalfen.

„Reichensachsen – Ein Dorf und seine Leute – Erinnerungen“

Nicht nur im eigenen Dorf, sondern zum Teil auch in Nachbarorten, in denen es keine Holzschneidemaschine gab, waren die Holzschneider unterwegs. Unter anderem an Heinrich Gonnermann und Heinrich Sieberhagen erinnert Becker dabei. Während einige von der Arbeit mit der Holzschneidemaschine lebten, war beispielsweise Sieberhagen hauptberuflich Zimmermann und betrieb die fahrbare Maschine daher zusätzlich. Fotos von Festumzügen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg hat der 86-Jährige im Heft zum Vergleich untereinander platziert, dafür Bilder ausgewählt, die aus der gleichen Perspektive fotografiert wurden.

Wie gefragt Bilder und Informationen aus vergangener Zeit inzwischen sind, hat er schon mehrfach erfahren: In der Muhrhardschen Bibliothek in Kassel, die zu den Standorten der Universitätsbibliothek zählt, werden seine Hefte archiviert. Die Mitarbeiter der Bibliothek hatten noch während der Reihe „Richensääser Blaad“ mit einer Anfrage an Becker gerichtet. Auch nahe Hannover und Stuttgart ist man bereits auf die Hefte beider Reihen aufmerksam geworden: Ein Foto der Familie Klebe erreichte ihn dadurch. Ein Mann aus der Nähe von Hannover hatte sich bei Becker gemeldet und nach den bisher erschienenen Heften gefragt.

Reichensachsen: Wolfgang Becker schreibt Hefte mit Erinnerungen an die Gemeinde

Holzschneidemaschinen gehörten bis in die 1970er Jahre zum Dorfleben: Heinrich Gonnermann besaß eine.
Holzschneidemaschinen gehörten bis in die 1970er Jahre zum Dorfleben: Heinrich Gonnermann besaß eine. © Privat

Der Grund: Sein Großvater stammte aus Reichensachsen, der Mann war vermutlich durch Artikel über Beckers Arbeit im Internet auf die Hefte aufmerksam geworden. Nun stellte er selbst ein Foto für Beckers siebtes Heft der Reihe „Reichensachsen – Ein Dorf und seine Leute – Erinnerungen“ bereit.

Abgebildet ist dies über einem Foto, dass Becker aus Pennsylvania erreichte. Zur Verfügung stellte das Bild der dort lebenden Karl Heinz Werner, der auf dem Foto gemeinsam mit seinen Geschwistern zu sehen ist. Mit neueren Bildern von Seniorennachmittagen der frühen 2000er-Jahre und Fotos von Konfirmationsjubiläen blickt Becker in seinem Heft auch auf das spätere Dorfleben zurück, erinnert gleich zu Beginn an Hans Rauschenberg und Willi Schneider, die jeweils auf früheren Ausgaben des „Richensääser Blaads“ zu sehen waren und im vergangenen Jahr verstorben sind. Für drei Euro kann das Heft bei Becker selbst oder bei Presse Sieberhagen in Reichensachsen erworben werden.

Von Eden Sophie Rimbach

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