Abzocke in Wehretal

Unternehmen sollen Anzeigen für nicht existente Publikationen kaufen

In der Gemeinde Wehretal kursieren Faxe, in denen Gewerbetreibende aufgefordert werden Anzeigen für nicht existente Publikationen kaufen 
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Das Teure steht im Kleingedruckten: Diese Faxe erhalten Gewerbetreibende zur Unterschrift.

Ein Anbieter von Werbeanzeigen für eine angebliche „Informationsbroschüre Region Wehretal“ versucht derzeit in der Gemeinde offenbar Gewerbetreibende abzuzocken. Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich warnt die Unternehmer.

„Die Gemeinde hat nichts damit zu tun und wir haben auch keine Broschüre in Auftrag gegeben“, sagt Friedrich. Die Masche der Firma, die Unternehmer überreden will, extrem teure gewerbliche Anzeigen zu schalten, besteht in einem vorgefertigten Formular, auf dem der Kunde nur noch unterschreiben muss. Das Formular kommt in aller Regel per Fax und soll dann auf demselben Weg wieder unterzeichnet zurückgeschickt werden. Die angegebene Faxnummer ist in Spanien verortet. Erst im Kleingedruckten stehen Preise, die sich schnell zu einer stattlichen Summe addieren.

Der Zahntechniker Dennis Kratzenberg aus Reichensachsen kann inzwischen ein Lied davon singen. Denn die Anbieter schicken nicht nur das komplett ausgefüllte Formular. Meist ist eine bereits gesetzte Anzeige dabei, die das Opfer zu einem früheren Zeitpunkt beispielsweise in der Werra-Rundschau geschaltet hat. Dann folgt ein Anruf, in der sich ein Mitarbeiter der Agentur erkundigt, ob die Anzeige so bleiben soll, und fordert das unterzeichnete Formular ein.

Sechs bis sieben solcher Anrufe hat Kratzenberg im Laufe des vergangenen Jahres erhalten. Die Anrufer meldeten sich mit „Medienverlag“ und sprachen akzentfreies Deutsch. „Einmal war ich kurz davor, so ein Formular zu unterschreiben“, erzählt er. Seine Mutter hatte, auch ohne die Masche zu durchschauen, die im Formular fehlenden Angaben bereits ausgefüllt und ihm das Fax zur Unterschrift vorgelegt. Eine Anzeige bei der Polizei hat er bisher nicht erstattet.

Auf Anfrage unserer Zeitung handelt es sich laut Polizeisprecher Alexander Först „um ein Kaufangebot zum Abschluss eines Werbevertrages, der nur bei Unterschrift und anschließendem Zurücksenden rechtsgültig wird“. Diese Art von Angeboten sei in der Vergangenheit regelmäßig seitens der Staatsanwaltschaft als „Betrugsversuch“ verneint worden, da im Kleingedruckten alle Konditionen, Preise, Vertragslaufzeiten und Ähnliches aufgeführt sind. Das sei auch im Fall des Schreibens an Dennis Kratzenberg so. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass jemand, der so ein Formular unterschreibt, sich auch die Bedingungen zu eigen gemacht und akzeptiert hat“, sagte Först. Daher handele es sich letztlich um keine Straftat. „Man sollte aber über eine allgemeine Sensibilisierung nachdenken, dass derartige Schreiben im Umlauf sind.“

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