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Baustart des Feuerwehrstützpunktes Reichensachsen liegt erstmal auf Eis

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Von: Emily Spanel

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Der Bau des Feuerwehrstützpunktes Reichensachsen wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern.
Der Bau des Feuerwehrstützpunktes Reichensachsen wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern. © Foto: Büro Luther

Reichensachsen – Der Bau des Feuerwehrstützpunktes Reichensachsen wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern. Wegen der derzeit explodierenden Baukosten sind die Ausschreibungen für den Neubau mit sofortiger Wirkung auf Eis gelegt worden. Einen entsprechenden Beschluss haben die Gemeindevertreter Wehretals in ihrer jüngsten Sitzung am Montagabend einstimmig gefasst.

Die aktuelle Marktsituation mit dramatisch steigenden Baukosten stoppt vorläufig das größte Brandschutzprojekt im Werra-Meißner-Kreis. Am Standort Reichensachsen soll nicht nur ein Feuerwehrgerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr Reichensachsen entstehen, sondern auch ein Schulungs- und Übungszentrum für die Wehren des Kreises. Die Verantwortlichen des Werra-Meißner-Kreises haben angesichts der Lage einen Ausschreibungsstopp nun ebenfalls dringend empfohlen.

Festhalten am Vorhaben

„Diese Entscheidung ist nicht der Beginn des Rückzugs vom Neubauvorhaben“, erklärte Andreas Eifler, stellvertretender Vorsitzender der Wehretaler SPD-Fraktion. Die Wichtigkeit der adäquaten Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehren betonte auch Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich (parteilos). „Der Bedarf ist unumstritten da.“ Aber: Die Situation am Markt sei mit gleich zwei schweren Krisen – der Coronapandemie und dem Ukraine-Konflikt – unkalkulierbar geworden. Als Beispiel führte Timo Friedrich den Stahlpreis als aussagefähigen Index für die allgemeine Kostenentwicklung im Hochbau an. „Die Steigerung der Kostenansätze allein vom März zum April 2022 beträgt rund 25 Prozent“, sagte der Bürgermeister. Übertrage man nun eine nochmalige Kostensteigerung von nur 20 Prozent auf das Gesamtprojekt, so liegen die Gesamtkosten bereits bei 8,9 Millionen Euro. „Das sprengt die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde“, sagte Timo Friedrich. Zum Vergleich: Im Juni des Vorjahres lag der Finanzierungsbedarf für das Projekt noch bei 6,5 Millionen Euro.

Der Gemeindevorstand wird den Markt beobachten und die Kosten für das Bauprojekt in einem halbjährigen Rhythmus fortschreiben.

Land Hessen in die Pflicht nehmen

Vor dem Hintergrund der Kriegssituation und deren konjunkturellen Auswirkungen steigt der Druck auf das Land Hessen. „Hier sollte dringend über höhere beziehungsweise andere Fördermöglichkeiten für die Kommunen nachgedacht werden“, forderte Bürgermeister Timo Friedrich. Er strebt ein gemeinsames kommunales Vorgehen an und steht dazu bereits in Kontakt zu seinen Amtskollegen aus dem Werra-Meißner-Kreis.

„Wir brauchen nun das Gesamtpaket Feuerwehr“ 

Nicht müde wurden die Gemeindevertreter Wehretals, die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehren zu betonen. „Ich ziehe meinen Hut vor dem unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen für unsere Gemeinschaft“, sagte etwa Tim Kirschner, Vorsitzender der Wehretaler FWG-Fraktion. Allerdings dürfe man in der aktuellen, außergewöhnlichen und unvorhersehbaren Situation „das Finanzielle nicht aus den Augen verlieren“.

Die FWG gehe daher mit einem Antrag der SPD-Fraktion konform, laut dem das Augenmerk künftig auf das „Gesamtpaket Feuerwehr Wehretal“ gerichtet werden solle. Neben dem Neubau des Feuerwehrstützpunktes sei das nun zuvorderst die Mängelbeseitigung und Revitalisierung des bestehenden Standortes Reichensachsen sowie die Feststellung eines Abschlusses der Maßnahmen am Feuerwehrgerätehaus Hoheneiche. „Der konstruktive Gedankenaustausch mit den Feuerwehrkameraden der Gemeinde ist unabdingbar“, erklärte Andreas Eifler (SPD) dazu.

Für die Mängelbeseitigung und die laut Bericht des Technischen Prüfdienstes Hessen nötigen Investitionen müsse nun schnellstmöglich Geld in die Hand genommen werden. Der Vorstoß des Bürgermeisters Timo Friedrich, das Land Hessen in Sachen Förderung stärker in die Pflicht zu nehmen, sei richtig und wichtig, schloss Andreas Eifler. „Die Kommunen sind derzeit enorm belastet.“

Der Antrag der SPD-Fraktion wurde einstimmig zur Beratung an den Haupt- und Finanz- sowie an den Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss überwiesen.

Bereits Ende Mai ist ein Treffen aller Gemeindevertreter, der Mitglieder des Gemeindevorstandes sowie der Freiwilligen Feuerwehr am Feuerwehrhaus Hoheneiche anberaumt.

Von Emily Hartmann

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